PAIS-Ambulanz in Wien: Eröffnung für Mitte 2027 geplant
Veröffentlicht am: 13.10.2026 um 23:21 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die medizinische Versorgung von Menschen mit postakuten Infektionssyndromen wie ME/CFS und Long Covid erhält in Wien eine neue institutionelle Verankerung. Der Wiener Gesundheitsverbund und die Stadt Wien haben die Errichtung der ersten spezialisierten PAIS-Ambulanz der Bundeshauptstadt angekündigt.
Die Eröffnung der Einrichtung ist für Mitte 2027 am Standort des Diabeteszentrums Donaufeld in Floridsdorf geplant, organisatorisch angebunden an die Klinik Hietzing. Wien folgt damit den Bundesländern Salzburg und Burgenland als drittes Bundesland mit einer derartigen Struktur.
Stufenplan, Finanzierung und personelle Ausstattung
Nach Angaben der Stadt Wien soll die Einrichtung in zwei Schritten realisiert werden: Eine erste Ausbaustufe startet im Sommer 2027, während der finale Vollausbau bis Mitte 2028 abgeschlossen sein soll. Für die Errichtung sind 6,7 Millionen Euro veranschlagt, der laufende Betrieb wird mit 3,8 Millionen Euro pro Jahr beziffert. Vorgesehen sind rund 20 Vollzeitstellen in den Bereichen Medizin, Therapie und psychosoziale Betreuung.
Die Ambulanz richtet sich gezielt an Betroffene mit mittelschweren bis schweren Krankheitsverläufen. Vor Ort sind licht- und lärmreduzierte Räumlichkeiten mit Liegemöglichkeiten sowie ergänzende telemedizinische Angebote vorgesehen, um den besonderen Belastungsgrenzen der Patientengruppe Rechnung zu tragen. Ein Besuch erfordert zwingend eine gesicherte Diagnose sowie eine Überweisung von einem Fach- oder Hausarzt.
Kriterien der Aufnahme und Behandlungsansatz
Die Leitung der neuen Einrichtung übernimmt Oberarzt Martin Komenda-Lett. Der Betrieb wird als reine Terminambulanz organisiert, wobei Zuweisungen nach der seit 2023 geltenden S1-Leitlinie vorgefiltert werden. Termine werden nach Dringlichkeit und nicht nach dem Zeitpunkt der Anmeldung vergeben. Für Schwerstbetroffene ist im Wartebereich ein Kojensystem vorgesehen.
Zu den definierten Aufnahmekriterien zählen über zwölf Wochen anhaltende Beschwerden nach einem immunologischen Ereignis, das häufig, aber nicht zwingend eine Covid-Infektion darstellt. Ebenfalls erfasst werden Post-Vac-Fälle sowie ME/CFS-Erkrankungen ohne bekannten Infektionsauslöser.
Voraussetzung sind multisystemische Beschwerden – etwa ein posturales Tachykardiesyndrom oder ein Mastzellaktivierungssyndrom – sowie erhebliche Einschränkungen im Alltag oder Beruf, sofern keine andere klare Diagnose vorliegt. Das Phänomen betrifft laut der Ambulanzleitung überwiegend Personen zwischen 20 und 40 Jahren, wobei ein deutlicher Schwerpunkt bei Frauen liegt.
Die geplante PAIS-Ambulanz in Wien nimmt nur Betroffene mit gesicherter Diagnose und Überweisung auf — und vergibt Termine nach Dringlichkeit, nicht nach Anmeldedatum. Wer die Aufnahmekriterien kennt, kann die eigene Zuweisung gezielt vorbereiten. Kostenlosen Leitfaden zur Zuweisung anfordern
Inhaltlich liegt der Fokus auf Diagnose-Clearing und der Erstellung individueller Therapiepläne orientiert am Hauptsymptom. Blutabnahmen erfolgen über externe Speziallabore, während Kipptischuntersuchungen in den meisten Fällen nicht erforderlich seien.
Bei einer Post-Exertion-Malaise gelten aktivierende Therapien als kontraproduktiv; stattdessen stehen Physio- und Ergotherapie sowie Angehörigen-Coaching im Vordergrund. Medizinische Behandlungen folgen der Indikationsliste des Nationalen Referenzzentrums.
Privattherapien oder orthomolekulare Substitutionen sind nicht vorgesehen; Immunglobuline kommen nur bei strenger medizinischer Indikation zum Einsatz, da sie auf dem Privatmarkt monatlich 3.000 bis 5.000 Euro kosten.
Einbettung in das Versorgungssystem und Forschung
Die Ambulanz bildet die zweite Stufe in einem dreistufigen Versorgungssystem; für schwere internistische Folgeschäden besteht weiterhin die Ambulanz am AKH Wien. Stationäre Betten bietet die PAIS-Ambulanz selbst nicht, Notfallbetten stehen jedoch als Backup in Kliniken des Wiener Gesundheitsverbunds bereit.
Für Kontrolluntersuchungen sind bei mittelschweren und schweren Fällen Abstände von rund zwei Monaten vorgesehen, bei leichteren Verläufen jährliche Intervalle. Da Hausbesuche und Telemedizin noch in der organisatorischen Ausgestaltung liegen, forderte der Geschäftsführer der CS Caritas Socialis, Klaus Rosino, mobile Spezialteams für Schwerstkranke.
Immunglobuline kosten auf dem Privatmarkt 3.000 bis 5.000 Euro im Monat und sind in der neuen Ambulanz nur bei strenger medizinischer Indikation vorgesehen. Wer versteht, welche Therapien nach der Indikationsliste in Frage kommen, spart Geld und Umwege. Therapieplan-Vorlage jetzt sichern
Bürgermeister Michael Ludwig wies bei einem Pressegespräch am Dienstag, 13. Oktober 2026, im Wiener Rathaus auf das Ausmaß der Erkrankung hin: Österreichweit seien bis zu 80.000 Menschen betroffen, von denen rund 60 Prozent nicht arbeitsfähig und ein Viertel an das Bett gebunden seien.
Flankiert wird der Versorgungsaufbau durch wissenschaftliche Projekte: Der Wiener Wissenschafts-, Forschungs- und Technologiefonds sowie die WE&ME-Stiftung der Familie Ströck vergeben zwei Grants zu je einer Million Euro an die MedUni Wien zur Untersuchung genetischer Faktoren sowie der Sauerstoffversorgung in Gehirn und Muskulatur. Beide Institutionen investierten seit 2024 bereits rund 3,1 Millionen Euro in die Forschung zu diesem Krankheitskomplex.
