PAIS-Ambulanz in Wien: Erste Einrichtung soll Mitte 2027 eröffnen
Veröffentlicht am: 13.10.2026 um 19:48 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die Versorgung von Menschen mit schweren Spätfolgen nach Infektionskrankheiten soll in Österreichs Bundeshauptstadt strukturell neu aufgestellt werden. Die Stadt Wien plant die Errichtung einer spezialisierten Ambulanz für postakute Infektionssyndrome (PAIS), zu denen unter anderem Myalgische Enzephalomyelitis/Chronisches Fatigue-Syndrom (ME/CFS) sowie Long Covid zählen.
Die erste Einrichtung dieser Art in Wien soll Mitte 2027 im Diabeteszentrum Donaufeld in Wien-Floridsdorf eröffnen. Nach Salzburg und dem Burgenland wird Wien damit das dritte österreichische Bundesland mit einer spezifischen PAIS-Ambulanz.
Stufenweiser Aufbau und bauliche Besonderheiten
Das Vorhaben ist auf einen schrittweisen Ausbau angelegt. Nach der Eröffnung der ersten Stufe im Sommer 2027 soll der finale Ausbau bis Mitte 2028 abgeschlossen sein. Die Errichtungskosten sind mit 6,7 Millionen Euro veranschlagt, während für den laufenden Betrieb 3,8 Millionen Euro pro Jahr vorgesehen sind.
In der Einrichtung sollen rund 20 Vollzeitstellen aus medizinischen, therapeutischen und psychosozialen Berufsgruppen entstehen. Aufgrund der ausgeprägten Reizempfindlichkeit vieler Betroffener umfasst die Planung speziell angepasste Rahmenbedingungen: Vorgesehen sind licht- und lärmreduzierte Räumlichkeiten mit Liegemöglichkeiten sowie ein Kojensystem für schwerstkranke Personen. Ergänzend sind telemedizinische Angebote und Hausbesuche geplant.
Zielgruppe und Kriterien für die Aufnahme
Die Ambulanz richtet sich vor allem an mittelschwere bis schwere Krankheitsverläufe. Als reine Terminambulanz setzt der Besuch eine vorherige Diagnose und Überweisung durch einen Fach- oder Hausarzt voraus. Geleitet wird das an die Klinik Hietzing angeschlossene PAIS-Kompetenzzentrum von dem Neurologen Martin Komenda-Lett.
Für eine Aufnahme müssen definierte Kriterien erfüllt sein. Dazu gehören Beschwerden, die mehr als zwölf Wochen nach einem immunologischen Ereignis anhalten, deutliche Einschränkungen im Alltag oder Beruf sowie multisystemische Beteiligungen wie das Posturale Tachykardiesyndrom (POTS) oder das Mastzellaktivierungssyndrom (MCAS), während andere Diagnosen ausgeschlossen sein müssen.
Wien plant die erste Ambulanz für postakute Infektionssyndrome — doch der Zugang läuft über Diagnose, Überweisung und ein Dringlichkeits-Screening, nicht über die Reihenfolge der Anmeldungen. Wer die Kriterien kennt, kann die eigene Überweisung gezielt vorbereiten. Kostenlosen Leitfaden zu Aufnahme und Überweisung anfordern
Anmeldungen sollen anhand der Dringlichkeit gescreent werden, anstatt nach dem Prinzip des zeitlichen Eingangs zu verfahren. Für die Betreuung sind für mittelschwere und schwere Fälle Kontrolltermine voraussichtlich alle zwei Monate vorgesehen, während für leichtere Fälle jährliche Termine geplant sind.
Notwendige Therapien stellen für Betroffene oft eine erhebliche finanzielle Belastung dar; so kosten Immunglobuline privat zwischen 3000 und 5000 Euro pro Monat.
Hohe Krankheitslast und flankierende Forschung
In Österreich gibt es schätzungsweise 70.000 bis 80.000 Betroffene. Nach Angaben des Wiener Bürgermeisters Michael Ludwig sind rund 60 Prozent der Erkrankten nicht arbeitsfähig, und etwa ein Viertel ist an das Bett oder das Haus gebunden. Angesichts dieser Belastungen forderte die Organisation CS Caritas Socialis zusätzlich die Einrichtung mobiler Spezialteams für schwer und schwerstkranke Patientinnen und Patienten zu Hause.
Parallel zum Versorgungsaufbau wird die wissenschaftliche Aufarbeitung intensiviert. Der Wiener Wissenschafts-, Forschungs- und Technologiefonds (WWTF) und die von der Unternehmerfamilie Ströck getragene WE&ME-Stiftung stellen zwei Förderungen von jeweils rund einer Million Euro an der Medizinischen Universität Wien bereit.
Immunglobuline kosten privat 3000 bis 5000 Euro pro Monat — und viele Betroffene tragen das ohne Plan, welche Wege es gibt. Unser Leitfaden ordnet die Kosten- und Erstattungsfragen ein und zeigt, welche Diagnostik vorab sinnvoll ist. Kostenlosen Kosten- und Diagnostik-Leitfaden sichern
Das Projekt ME-RESET unter der Leitung des Teams um Haider, Krššák und Kollndorfer untersucht im Rahmen einer randomisierten Studie mit einem Budget von 999.930 Euro über 36 Monate Mechanismen von Sauerstoffmangel sowie Multiorgan-MRT- und MR-Spektroskopie-Daten.
Ein weiteres, mit 999.169 Euro gefördertes 36-Monate-Projekt von Wielscher und Hoffmann widmet sich der Ganzgenomsequenzierung auf seltene genetische Erkrankungen. Seit 2024 wurden durch diese Partnerschaft gemeinsam rund 3,1 Millionen Euro an Forschungsmitteln vergeben.
