PAIS-Ambulanz in Wien: Neues Zentrum für ME/ CFS ist ab 2027 geplant
Veröffentlicht am: 13.10.2026 um 15:48 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Für Mitte 2027 ist in Wien die Eröffnung eines Kompetenzzentrums für postakute Infektionssyndrome (PAIS) geplant. Die neue Einrichtung soll im 21. Wiener Gemeindebezirk angesiedelt und organisatorisch an die Klinik Hietzing angeschlossen werden.
Das Versorgungsangebot richtet sich an Patientinnen und Patienten mit komplexen Folgeerkrankungen nach Infektionen sowie verwandten Krankheitsbildern wie Myalgischer Enzephalomyelitis/Chronischem Fatigue-Syndrom (ME/CFS).
Struktur als Terminambulanz mit Priorisierung nach Dringlichkeit
Die geplante PAIS-Einrichtung ist als reine Terminambulanz konzipiert, für deren Besuch eine ärztliche Überweisung erforderlich ist. Diese Zuweisung kann unter anderem durch Allgemeinmediziner erfolgen. Die ärztliche Leitung der künftigen ME/CFS-Ambulanz übernimmt Martin Komenda-Lett, Facharzt für Neurologie und Oberarzt an der Klinik Favoriten.
Bei der Terminvergabe setzt das Zentrum nicht auf die Reihenfolge der Anmeldungen, sondern auf ein Dringlichkeits-Screening. Eingehende Anmeldungen werden gezielt gesichtet, um Schwerstbetroffene vorrangig zu behandeln. Für diese Gruppe ist im Wartebereich ein spezielles Kojensystem vorgesehen, um reizarme Bedingungen zu schaffen.
Zudem verfügt die Ambulanz über keine eigenen stationären Betten. Für notwendige stationäre Aufnahmen dienen Notfallbetten in Kliniken des Wiener Gesundheitsverbunds (Wigev) als Absicherung. Um auch nicht transportfähige Patientinnen und Patienten zu erreichen, ist der Einsatz von Telemedizin geplant.
Kriterien für das Vorscreening und therapeutische Ansätze
Die Aufnahme in das Zentrum erfolgt anhand eines Vorscreenings, das sich an der seit 2023 bestehenden S1-Leitlinie orientiert. Zu den Voraussetzungen gehören Beschwerden, die mehr als zwölf Wochen nach einem immunologischen Ereignis anhalten, welches häufig, aber nicht zwingend eine Covid-Erkrankung darstellt.
Die geplante PAIS-Ambulanz in Wien vergibt Termine nicht nach Anmelde-Reihenfolge, sondern nach einem Dringlichkeits-Screening — und verlangt eine ärztliche Überweisung. Unser kostenloser Leitfaden zeigt Schritt für Schritt, welche Angaben Ihre Hausärztin oder Ihr Hausarzt für die Zuweisung braucht und wie Sie das Vorscreening nach der S1-Leitlinie vorbereiten. Überweisungs-Checkliste jetzt anfordern
Zudem müssen erhebliche Einschränkungen im Alltag oder Berufsleben vorliegen, eine multisystemische Beteiligung – etwa durch ein posturales Tachykardiesyndrom (POTS) oder ein Mastzellaktivierungssyndrom (MCAS) – gegeben sein sowie keine alternative Diagnose die Symptome erklären.
Das Konzept versteht sich als maximal inklusiv: Auch ME/CFS-Erkrankte ohne nachweisbaren Infektionsauslöser sowie Personen mit Post-Vac-Symptomatik sollen aufgenommen werden.
Inhaltlich konzentriert sich die Ambulanz auf ein Diagnose-Clearing und die Erstellung eines am Hauptsymptom ausgerichteten Therapieplans. Dieser orientiert sich an den Empfehlungen des Nationalen Referenzzentrums. Reine Privattherapien sind nicht vorgesehen.
Kostspielige Behandlungen wie Immunglobuline, die im privaten Rahmen monatlich zwischen 3000 und 5000 Euro kosten können, werden nur bei klarer medizinischer Indikation verabreicht. Aktivierende Therapien gelten bei Vorliegen einer Post-Exertion-Malaise als kontraproduktiv und werden vermieden.
Für den weiteren Verlauf sind regelmäßige Kontrollen angesetzt: Mittelschwer und schwer Betroffene sollen etwa alle zwei Monate vorstellig werden, bei leichter Betroffenen sind jährliche Intervalle vorgesehen.
Forschungsprojekte und institutioneller Hintergrund
Ein Ausblick auf die erste Wiener PAIS-Ambulanz wurde am 13. Oktober 2026 bei einem Pressegespräch im Wiener Rathaus thematisiert. An der Veranstaltung nahmen unter anderem Bürgermeister Michael Ludwig, Michael Häupl als Präsident des Wiener Wissenschafts-, Forschungs- und Technologiefonds (WWTF), Gerhard Ströck als Vorstand der WE&ME Stiftung, Michaela Fritz, Vizerektorin für Forschung an der MedUni Wien, Lukas Haider und Matthias Wielcher von der MedUni Wien sowie Michael Binder vom Wiener Gesundheitsverbund teil.
Viele Betroffene warten Monate auf einen Spezialambulanz-Termin, weil Unterlagen fehlen oder die Dringlichkeit nicht erkennbar ist. Der Leitfaden erklärt, wie Sie Alltagseinschränkungen, Multisystem-Beteiligung wie POTS oder MCAS und den zeitlichen Zusammenhang nach einem immunologischen Ereignis so dokumentieren, dass Ihr Fall im Screening richtig eingeordnet werden kann. Dringlichkeits-Screening vorbereiten
Im Rahmen des Termins vergaben der WWTF und die WE&ME Stiftung zwei hochdotierte Grants für ME/CFS-Forschungsprojekte, die beide an der MedUni Wien angesiedelt sind. Genaue Details zu Fördersummen, Laufzeiten oder inhaltlichen Schwerpunkten dieser beiden Vorhaben liegen nicht vor.
