Paracelsus-Akademien: BR-Recherche findet Seminar zur Germanischen Heilkunde
Veröffentlicht am: 15.10.2026 um 09:43 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Eine Recherche des Bayerischen Rundfunks rückt die Unterrichtsinhalte im Bereich der alternativen Heilkunde in den Fokus. Wie die BR-Dokuserie „Seelenfänger: Der falsche Heiler“ in Berichten von Mitte Oktober 2026 darlegt, wurden an Standorten der Paracelsus-Gesundheitsakademien Inhalte der sogenannten Germanischen Neuen Medizin vermittelt. Unter anderem wurde ein Seminar unter dem Titel „Germanische Heilkunde: Krankheiten verstehen lernen und auflösen“ beworben und durchgeführt.
Verdeckte Recherchen an den Paracelsus-Akademien
Die filmische Aufarbeitung beruht auf Recherchen von Emeli Glaser und Dennis Müller, während Juliane Rummel und Rebekka Markthaler für Buch und Regie der Dokumentation verantwortlich zeichnen. Bereits zuvor widmete sich der BR-Podcast „Seelenfänger“ unter dem Titel „Diagnose Tod“ der Aufarbeitung der Germanischen Neuen Medizin.
Die daraus hervorgegangenen ersten fünf Folgen wurden aktualisiert und als zweiteilige Dokumentationsreihe aufbereitet. Neben der Veröffentlichung in der ARD Mediathek ist die Ausstrahlung im BR Fernsehen für den 19. Oktober 2026 um 23:30 Uhr angesetzt.
Die Leitung der Paracelsus-Gesundheitsakademien erklärte zu den Vorwürfen, dass es sich um ein einzelnes Seminarangebot in Sachsen handele, welches intern überprüft werde. Recherchen des BR zeigten demgegenüber, dass eine entsprechende Bewerbung zuvor auch für einen Standort in Bayern vorlag, dort jedoch inzwischen nicht mehr auffindbar ist.
Laut einem Radiobericht von MDR Aktuell vom 13. Oktober 2026 betonen Fachleute vor diesem Hintergrund die Gefährlichkeit solcher pseudomedizinischen Lehren.
Die Germanische Neue Medizin geht auf den im Jahr 2017 verstorbenen Ryke Geerd Hamer zurück. Sie deutet schwere Erkrankungen wie Krebs als seelische Konflikte, lehnt die evidenzbasierte Medizin strikt ab und erfährt dennoch fortlaufend Verbreitung.
Rechtliche Rahmenbedingungen des Heilpraktikerberufs
Der Fall wirft zugleich Fragen zu den Ausbildungsinhalten und der staatlichen Kontrolle auf. Heilpraktiker sind in Deutschland lizenziert und befugt, akute sowie chronische Beschwerden unter anderem des Verdauungstrakts, der Atmungsorgane und des Bewegungsapparats zu diagnostizieren und zu behandeln.
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Zum Einsatz kommen dabei Methoden wie Naturheilkunde, Homöopathie, Akupunktur oder manuelle Therapien. Ausdrücklich untersagt sind Angehörigen des Berufsstandes operative Eingriffe, Anästhesieverfahren sowie die Verordnung verschreibungspflichtiger Arzneimittel.
Die Vorbereitung auf den Beruf erstreckt sich in der Regel über mehrere Jahre und umfasst theoretische wie praktische Unterrichtsfächer von der Anatomie und Physiologie bis hin zur Ernährungs- und Kräuterheilkunde. Um eine berufsrechtliche Zulassung zu erhalten, müssen Anwärter neben klinischer Erfahrung eine behördliche Prüfung vor dem Gesundheitsamt ablegen.
Der schriftliche Prüfungsteil für Heilpraktiker sowie den Bereich der Psychotherapie sieht ab 09:00 Uhr die Bearbeitung von 60 Multiple-Choice-Fragen innerhalb von zwei Stunden vor, worauf ab 13:30 Uhr die weitere Überprüfung folgt.
Prüfung und Bewertung komplementärmedizinischer Verfahren
Die Diskussion um nicht-schulmedizinische Ansätze berührt auch Verfahren mit breiterer internationaler Anwendung. Laut Angaben der Nationalen Verwaltung für Traditionelle Chinesische Medizin aus dem Jahr 2023 hat sich die Traditionelle Chinesische Medizin (TCM) mittlerweile in 196 Ländern und Regionen etabliert; die Weltgesundheitsorganisation (WHO) stuft TCM als komplementäre und alternative Medizin ein, wobei 113 WHO-Mitgliedstaaten Akupunktur und verwandte Behandlungen anerkennen.
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Gleichzeitig prüfen deutsche Institutionen die Wirksamkeit alternativer Interventionen fortlaufend. So legte das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) im Oktober 2026 einen vorläufigen ThemenCheck-Bericht vor, der die Wirksamkeit der auf TCM-Akupressurpunkten basierenden Klopftechnik „Emotional Freedom Technique“ (EFT) bei Angst- und Panikstörungen untersucht. Fachkreise und Öffentlichkeit können zu diesem Entwurf bis zum 11. November 2026 Stellungnahmen einreichen.
