Hilfe unter MĂ€usen: Studie zeigt verblĂŒffende FĂ€higkeiten
20.02.2025 - 20:00:40 | dpa.deSackt ein Mensch bewusstlos zu Boden, kĂŒmmern sich meist Umherstehende um ihn und versuchen spontan zu helfen. Nun zeigt eine Studie: Auch MĂ€use tun das - bei Artgenossen, die ihnen vertraut sind. Mitunter ergreifen sie sogar MaĂnahmen, die an Wiederbelebung erinnern, wie zwei Forschungsteams im Fachjournal «Science» berichten. Allerdings ist es generell schwierig, Verhalten von Tieren zu interpretieren.Â
Schon lĂ€nger kursieren Berichte, denen zufolge manche Tierarten Artgenossen in Not beistehen - etwa Elefanten, Delfine und Schimpansen. Ob auch MĂ€use unter Laborbedingungen Hilfsbereitschaft zeigen, prĂŒfte ein Team um Wenjian Sun von der University of Southern California in Los Angeles nun systematisch in kontrollierten Versuchen.
Dabei trafen die MĂ€use in KĂ€figen auf Artgenossen, die entweder tot, anĂ€sthesiert oder sediert waren. Handelte es sich um vertraute Individuen, so kĂŒmmerten sich die Tiere: Sie nĂ€herten sich, schnĂŒffelten an dem bewegungslosen Tier und leckten am Fell. AuffĂ€llig war insbesondere, dass sie sich danach auf Gesicht und Rachenraum konzentrierten, dem Tier am Auge leckten oder ins Maul bissen.Â
MÀuse rÀumten Atemwege frei
In mehr als der HĂ€lfte der Versuche zogen sie ihrem bewusstlosen GegenĂŒber sogar die Zunge aus dem Mund, womit sie de facto die Atemwege vergröĂerten. War ein Fremdkörper im Maul des regungslosen Tiers platziert - etwa eine Plastikkugel -, so entfernte die helfende Maus ihn meist, bevor sie sich an der Zunge zu schaffen machte.
Wichtig: Die anĂ€sthesierten oder sedierten MĂ€use, die derart umsorgt wurden, kamen tatsĂ€chlich wieder schneller zu sich als Artgenossen ohne solchen Beistand. Und sobald die Tiere sich erholt hatten, stoppten die Helfer ihre FĂŒrsorge. Mit anderen Worten: Die MĂ€use halfen nur so lange wie erforderlich.
Botenstoff Oxytocin spielt entscheidende Rolle
Das erinnere an Erste-Hilfe-MaĂnahmen bei bewusstlosen Menschen, schreibt das Forschungsteam. Zwar sei es schwierig, die Motivation der Helfer zu identifizieren, aber Neugierde und der Wunsch nach sozialer Interaktion spielten wohl keine Rolle, betonen die Autoren. Auch das Geschlecht hatte kaum Einfluss.Â
Die Studie deute vielmehr darauf hin, dass Hilfe fĂŒr regungslose Gruppenmitglieder unter sozialen Tieren weit verbreitet sei. Eine zweite Studie eines Teams um Fangmiao Sun von der University of California in Los Angeles bestĂ€tigte die Resultate. Diese Untersuchung deutet zudem darauf hin, dass die beiden Hirnareale Amygdala und Nucleus paraventricularis an dem Verhalten beteiligt sind und dass der Botenstoff Oxytocin - oft auch als Kuschel- oder Bindungshormon bezeichnet - eine entscheidende Rolle spielt.
Vermutlich angeborenes Sozialverhalten
«Diese Verhaltensweisen erinnern daran, wie Menschen gelehrt werden, bei der Herz-Lungen-Wiederbelebung die Atemwege eines bewusstlosen Individuums freizurĂ€umen», schreiben William Sheeran und Zoe Donaldson von der University of Colorado in Boulder in einem «Science»-Kommentar. Vermutlich handele es sich bei dem KĂŒmmern um regungslose Gruppenmitglieder um ein angeborenes Sozialverhalten, das bei vielen Arten verbreitet sei.
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