Passkeys ab sofort: Web.de und GMX stellen auf biometrische Anmeldung um
Veröffentlicht am: 26.07.2026 um 05:18 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die Sicherheit digitaler Benutzerkonten erfĂ€hrt durch die flĂ€chendeckende EinfĂŒhrung biometrischer Verfahren eine wesentliche VerĂ€nderung. Mit der Implementierung von Passkeys haben die E-Mail-Anbieter Web.de und GMX am 24. Juli 2026 einen Schritt vollzogen, der die klassische passwortbasierte Anmeldung ergĂ€nzt und langfristig vereinfachen soll. Diese Entwicklung steht im Kontext weitreichender regulatorischer und technischer Anpassungen in der digitalen IdentitĂ€tsprĂŒfung innerhalb Deutschlands und der EuropĂ€ischen Union.
Flexible Login-Optionen bei Web.de und GMX
Die zum United-Internet-Konzern gehörenden Portale Web.de und GMX ermöglichen seit dem 24. Juli 2026 die Anmeldung mittels Passkeys. Das Verfahren setzt auf eine passwortlose Authentifizierung, bei der Nutzer den Zugang durch biometrische Merkmale oder eine PIN bestÀtigen. Technisch erfolgt die Anmeldung unter anderem durch das Scannen eines QR-Codes.
Das herkömmliche Passwort bleibt laut Unternehmensangaben parallel als Backup-Option bestehen. Die Einrichtung der neuen Funktion erfolgt in den Kontoeinstellungen im Bereich fĂŒr Sicherheit und Login. Ein wesentliches Merkmal der gewĂ€hlten Architektur ist die KompatibilitĂ€t mit Passwortmanagern wie Bitwarden, wodurch eine gerĂ€teĂŒbergreifende Nutzung der Passkeys gewĂ€hrleistet werden kann.
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Neue VerifizierungsansÀtze bei Google und regulatorische Analysen
Parallel zu den Entwicklungen bei den deutschen E-Mail-Diensten hat auch Google zum 24. Juli 2026 neue Sicherheitsfunktionen eingefĂŒhrt. Das Unternehmen setzt verstĂ€rkt auf Selfie-Videos als Anmeldemethode, um mittels Lebenderkennung den Schutz gegen Deepfakes zu erhöhen. Die dabei erhobenen Daten werden verschlĂŒsselt gespeichert und können von den Nutzern jederzeit gelöscht werden. Diese Option steht jedoch vorerst nicht fĂŒr Kinder-Konten oder im geschĂ€ftlichen Workspace-Umfeld zur VerfĂŒgung.
Zeitgleich veröffentlichte das Bundesamt fĂŒr Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) am 24. Juli 2026 eine 170-seitige Analyse im Rahmen des Projekts âWindows seziertâ. Die Experten untersuchten darin spezifisch das System Windows Hello for Business (WHfB). In den Handlungsempfehlungen rĂ€t die Behörde unter anderem zum Einsatz des ESS-Modus und TPM 2.0. Bemerkenswert ist die PrĂ€ferenz des BSI fĂŒr PIN-Eingaben gegenĂŒber biometrischen Merkmalen in diesem spezifischen GeschĂ€ftskontext sowie die Empfehlung, auf externe biometrische Hardware zu verzichten und die Anzahl der Benutzer pro GerĂ€t auf eine Person zu beschrĂ€nken.
Der Weg zur europÀischen digitalen IdentitÀt
Die rechtlichen Rahmenbedingungen fĂŒr digitale IdentitĂ€ten werden derzeit in Deutschland durch das Gesetz ĂŒber digitale IdentitĂ€ten (DIdG) angepasst. Ein zentraler Punkt ist der geplante Wegfall der zusĂ€tzlichen ReferenzĂŒberweisung bei Identifizierungen auf Basis der qualifizierten elektronischen Signatur (QES). Diese Ănderung soll noch im Laufe des Jahres 2026 in Kraft treten und dient der Harmonisierung mit der EU-GeldwĂ€scheverordnung (AMLR), die ab dem 10. Juli 2027 greift.
Diese MaĂnahmen bereiten den Weg fĂŒr die EUDI Wallet (European Digital Identity Wallet) vor, deren Start fĂŒr den 2. Januar 2027 vorgesehen ist. Die Wallet soll als europaweiter Nachweis fĂŒr Dokumente wie den Personalausweis, FĂŒhrerschein und die Krankenkasse dienen. In Deutschland wird die Entwicklung durch Organisationen wie SPRIND und Fraunhofer vorangetrieben. Erste Integrationen sind bereits erkennbar: Der Anbieter Sproof hat im Juli 2026 die Funktion AusweisIDent integriert, um die Online-Ausweisfunktion des Personalausweises per Smartphone-Scan nutzbar zu machen.
Angesichts von Millionen gehackter Konten pro Quartal in Deutschland wird der Abschied vom klassischen Passwort immer dringlicher. Mit Passkeys nutzen Sie stattdessen einfach Ihren Fingerabdruck oder die Gesichtserkennung fĂŒr einen sicheren, schnellen und stressfreien Login. Nie wieder Passwörter merken: Hier erfahren Sie, wie es funktioniert
ZusÀtzliche Tools und fachliche Weiterbildung
Abseits der groĂen Plattformen entwickeln sich spezialisierte Sicherheitslösungen weiter. So wurde am 24. Juli 2026 die quelloffene Authenticator-App Tokn fĂŒr Android-Systeme veröffentlicht. Die App arbeitet lokal verschlĂŒsselt ohne Cloud-Zwang und ermöglicht die Synchronisation zwischen GerĂ€ten via WLAN oder QR-Code.
FĂŒr IT-Fachleute bietet der Markt zudem vertiefende Weiterbildungen an. Mitte August 2026 veranstaltet iX einen Fach-Workshop unter der Leitung von Tim Schmidt, der sich gezielt mit der technischen Umsetzung von FIDO2, SSO und der Verwaltung von Zertifikaten in Active Directory-Umgebungen befasst, um die Implementierung passwortloser Authentifizierung in Unternehmen zu unterstĂŒtzen.
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