Passkeys zur Pflicht: Microsoft schaltet SMS ab September ab
Veröffentlicht am: 16.07.2026 um 16:40 Uhr | Redaktion boerse-global.de
WealthNavi und Microsoft setzen konkrete Fristen für die verpflichtende Einführung von Passkeys – ein Signal für die gesamte Branche.
Die Ära der klassischen Passwörter neigt sich dem Ende zu. Gleich mehrere große Finanzdienstleister und Technologiekonzerne haben in dieser Woche verbindliche Zeitpläne für den Umstieg auf passwortlose Authentifizierung vorgelegt. Im Kampf gegen die steigende Flut von Kontodiebstählen setzen Unternehmen zunehmend auf phishing-resistente Passkeys – eine Technologie, die auf biometrischen Daten oder PINs basiert.
Vermögensverwalter macht Passkeys zur Pflicht
Die japanische Asset-Management-Plattform WealthNavi wird ab Ende Juli 2026 für alle Kunden-Logins zwingend einen Passkey verlangen. Der Schritt ist der Höhepunkt einer schrittweisen Einführung: Bereits im April wurde die Passkey-Pflicht für Änderungen an Kundendaten eingeführt, im Juni folgte die Pflicht für Auszahlungsanträge.
Die interne Bilanz des Unternehmens spricht für sich: Rund 60 Prozent der Kunden haben bereits seit September 2025 einen Passkey registriert. Für Nutzer, deren Geräte die Technologie nicht unterstützen, stellt WealthNavi alternative Multi-Faktor-Authentifizierungsmethoden (MFA) bereit. Künftig sollen zudem weitere Verfahren wie das japanische JPKI-System integriert werden.
Der Druck auf die Finanzbranche wächst. Die US-Großbank J.P. Morgan hatte erst kürzlich Passkeys als wirksamsten Schutz gegen Kontodiebstähle empfohlen. Grundlage waren FBI-Zahlen aus dem Jahr 2025: Damals wurden über 5.100 Beschwerden mit einem Gesamtschaden von mehr als 262 Millionen Euro registriert.
Microsoft zieht den Stecker bei SMS und Sprache
Noch deutlicher wird der Schritt von Microsoft. Ab dem 1. September 2026 werden Passkeys zur Standard-Authentifizierungsmethode für den Cloud-Dienst Entra ID. Die klassischen Verfahren per SMS oder Sprachanruf stellt der Konzern zum 1. Februar 2027 komplett ein. Für Unternehmen gibt es kein Opt-out – die Umstellung ist alternativlos.
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„Das Ziel ist es, die Last der Passwortverwaltung zu reduzieren und gleichzeitig den Schutz vor Phishing-Angriffen massiv zu erhöhen", heißt es aus Redmond. Ab dem 30. Oktober 2026 können Administratoren zudem Drittanbieter-Lösungen konfigurieren.
Parallel dazu hat Google seine Unterstützung für hardwarebasierte Sicherheit ausgeweitet. Seit dem 13. Juli können Workspace-Nutzer FIDO2-Sicherheitsschlüssel direkt in den Windows-Login integrieren. Die Verwaltung erfolgt über die Workspace-Konsole für die Zwei-Schritt-Verifizierung.
KI und Logistik ziehen nach
Die Bewegung erfasst längst auch andere Branchen. OpenAI hat am heutigen Donnerstag eine Passkey-Pflicht für besonders gefährdete ChatGPT-Nutzer eingeführt. Betroffen sind Mitglieder des „Trusted Access Cyber"-Programms sowie Anwender, die auf das fortschrittliche Modell GPT-5.6 zugreifen.
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Im Logistiksektor hat der Anbieter X Mile Ende Juni eine passkey-basierte MFA-Funktion für seine SaaS-Plattform LogiPoke veröffentlicht. Flottenmanager können damit biometrische oder PIN-basierte Login-Anforderungen für ihre gesamte Nutzerbasis vorschreiben.
Auch im Zahlungsverkehr tut sich etwas: Die Finanzinfrastruktur-Firma Thredd ist dem „Visa Agentic Ready Programme" beigetreten, um KI-gesteuerte Kartenzahlungen in Europa zu ermöglichen. Die Partnerschaft nutzt den Visa Payment Passkey zur biometrischen Transaktionsbestätigung. Als erster Herausgeber setzt der Dienst Zilch auf das neue Sicherheitsframework.
Branchenbeobachter sehen in diesen Entwicklungen den Anfang vom Ende herkömmlicher MFA-Verfahren. Google meldete kürzlich, dass seine Nutzer die Milliarden-Marke bei Passkey-Anmeldungen überschritten haben. Die Technologie erreicht damit kritische Masse – sowohl bei Verbrauchern als auch in Unternehmen.
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