Pax Silica: EU und 24 Länder bilden KI-Allianz gegen China
01.07.2026 - 05:08:07 | boerse-global.de
Die Europäische Union und mehrere Mitgliedstaaten sind der von den USA geführten strategischen Initiative „Pax Silica" beigetreten. Ziel ist der Aufbau von Lieferketten für künstliche Intelligenz ohne Abhängigkeit von China.
Die nicht bindende Vereinbarung wurde am 23. Juni 2026 von der EU, Deutschland, den Niederlanden und Griechenland unterzeichnet. Bis zum 30. Juni wuchs das Bündnis auf 24 Unterzeichner an. Neben den Gründungsmitgliedern USA, Israel, Singapur, Japan, Südkorea, Australien und Großbritannien stieß auch Indien dazu. Gespräche mit Kanada und Taiwan laufen, Katar und die Vereinigten Arabischen Emirate sollen noch in dieser Woche folgen.
Chinas Dominanz bei kritischen Rohstoffen
Pax Silica dient als Rahmen für eine neue wirtschaftliche Sicherheitspolitik. Hauptziel: die Risiken durch Chinas Kontrolle über rund 70 Prozent der weltweiten Verarbeitung kritischer Mineralien und über 90 Prozent bei Schlüsselmaterialien wie seltenen Erden zu mindern.
Die Dringlichkeit wuchs, nachdem China im vergangenen Jahr als Reaktion auf US-Zölle die Exporte seltener Erden einschränkte. US-Finanzminister Scott Bessent wird nun Finanzbeamte aus der EU, Kanada, Japan, Großbritannien, Australien, Indien, Mexiko und Südkorea einladen, um die Strategien unter dem neuen Rahmen abzustimmen.
Brüssel verschärft Gangart gegenüber Peking
Der Schwenk zu Pax Silica fällt mit wachsenden Handelskonflikten zwischen Brüssel und Peking zusammen. Am 30. Juni 2026 traf EU-Handelskommissar Maros Sefcovic den chinesischen Handelsminister Wang Wentao. Thema: ein Handelsüberschuss von 360,6 Milliarden Euro im Jahr 2025 – ein Anstieg um 15 Prozent gegenüber dem Vorjahr.
Sefcovic betonte, die steigenden chinesischen Exporte in die EU bei schrumpfendem europäischen Marktanteil in China seien nicht nachhaltig. Die EU reagierte mit Zöllen von bis zu 35,3 Prozent auf chinesische Elektroautos. Zudem erwägt Brüssel eine Überarbeitung des Cybersicherheitsgesetzes, um chinesische Firmen von kritischer Infrastruktur auszuschließen. Ein „Industrial Accelerator Act" soll europäische Produkte bei öffentlichen Aufträgen bevorzugen.
Neue Maßnahmen ab 1. Juli: Reduzierte zollfreie Quoten für importierten Stahl und eine 3-Euro-Gebühr auf Kleinsendungen.
Cloud-Gesetz und Chips Act 2.0
Am 3. Juni 2026 schlug die EU-Kommission den Cloud and AI Development Act (CADA) vor. Das Gesetz führt vier Stufen der Cloud-Souveränität ein – von einfacher Datenspeicherung in der EU bis zu Stufe 4, die vollständige Transparenz und keine Einflussnahme durch Drittstaaten verlangt.
Während die Politik neue Rahmenbedingungen für Cloud-Souveränität schafft, müssen Unternehmen bereits heute die strengen Vorgaben der KI-Verordnung erfüllen. Dieser kostenlose Download verschafft Ihnen den Überblick über Fristen und Pflichten, den Ihre Rechts- und IT-Abteilung jetzt dringend braucht. EU AI Act in 5 Schritten verstehen
Parallel dazu soll ein Chips Act 2.0 die Genehmigungsfristen für Projekte auf zwölf Monate begrenzen und staatliche Beihilfen für neuartige Fabriken ermöglichen. Der ursprüngliche Chips Act mobilisierte bereits über 52 Milliarden Euro an Investitionen.
Hardware-Kosten explodieren – Spielekonsolen werden teurer
Der globale Halbleitermarkt soll bis 2030 auf 1,37 Billionen Euro wachsen. KI-Komponenten werden voraussichtlich 70 Prozent dieses Wachstums ausmachen. Doch die Lieferketten bleiben angespannt: Die Preise für Speicherchips verdoppelten sich im ersten Quartal 2026 und sollen im laufenden Quartal um weitere 63 Prozent steigen.
Die Folgen treffen die Tech-Branche hart:
- Microsoft erhöhte den Xbox-Preis zum dritten Mal seit Ende 2025 – Grund: Speicher- und Arbeitsspeicherkosten stiegen um das 2,5-Fache.
- Sony verteuerte die PlayStation 5 im März um bis zu 150 Euro.
- Nintendo meldete Zusatzkosten von umgerechnet rund 900 Millionen Euro – der Aktienkurs gab deutlich nach.
Die technologische Unabhängigkeit ist eng mit regulatorischen Anforderungen verknüpft, da die EU-KI-Verordnung bereits neue Regeln aufstellt, die viele Betriebe noch nicht kennen. Dieser kostenlose Report klärt auf, welche KI-Systeme als Hochrisiko gelten und was Unternehmen jetzt konkret tun müssen. Kostenlosen Umsetzungsleitfaden zum EU AI Act herunterladen
Lockruf aus Europa für US-KI-Talente
Angesichts der US-Beschränkungen für ausländische Fachkräfte beim Zugang zu fortschrittlichen KI-Modellen wie Fable 5 und Mythos 5 schalten europäische Politiker um. Österreichs Digitalisierungsstaatssekretär Alexander Proell forderte die EU auf, das KI-Unternehmen Anthropic in die Union zu holen.
Das Problem: Kein in der EU entwickeltes Modell erreicht derzeit das Leistungsniveau der US-Spitzen-KI. Österreich plädiert daher für eine strategische Beteiligung an der Entwicklung solcher technologies – um die Wettbewerbsfähigkeit Europas zu sichern.
