PayPal-Phishing, Kriminelle

PayPal-Phishing: Kriminelle nutzen offizielle Systeme fĂŒr Betrug

09.05.2026 - 08:41:47 | boerse-global.de

Kriminelle missbrauchen PayPals eigenes Rechnungssystem fĂŒr tĂ€uschend echte Phishing-Mails. Sicherheitsfilter werden umgangen.

PayPal-Phishing: Kriminelle nutzen offizielle Systeme fĂŒr Betrug - Bild: ĂŒber boerse-global.de
PayPal-Phishing: Kriminelle nutzen offizielle Systeme fĂŒr Betrug - Bild: ĂŒber boerse-global.de

Sicherheitsforscher schlagen Alarm: Eine neue Welle von Phishing-Angriffen nutzt PayPals eigene Infrastruktur, um tÀuschend echte Rechnungen zu versenden. Die Betrugsmasche umgeht sÀmtliche Sicherheitsfilter.

GefÀlschte Rechnungen von echten Servern

Die Angreifer haben eine besonders perfide Methode entwickelt. Statt gefĂ€lschte E-Mails zu verschicken, nutzen sie PayPals offizielles Rechnungssystem. Die Nachrichten kommen von legitimen Servern wie mx17.slc.paypal.com und tragen echte digitale Signatureen. Das macht sie fĂŒr traditionelle Sicherheitsfilter unsichtbar.

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Die Sicherheitsfirma Ironscales dokumentierte die Kampagne am 7. Mai. Demnach verschickten die TĂ€ter gefĂ€lschte Stornierungsrechnungen ĂŒber BetrĂ€ge von rund 50 Euro. Weil die Mails von PayPal selbst generiert werden, bestehen sie alle AuthentifizierungsprĂŒfungen – SPF, DKIM und DMARC.

Das einzige technische Indiz: Die „Antwort an"-Adresse fĂŒhrt zu einer verdĂ€chtigen HĂ€ndlerdomain, die vor Jahren registriert wurde. Automatisierte Systeme wie die KI „Themis" erkannten die Nachrichten zwar mit 61-prozentiger Sicherheit als verdĂ€chtig. Doch viele erreichen trotzdem die EmpfĂ€nger, weil alle Links auf echte PayPal-Seiten verweisen.

Der Trick mit den KleinstbetrÀgen

Noch raffinierter: Die BetrĂŒger ĂŒberweisen KleinstbetrĂ€ge von einem Cent auf zufĂ€llige Konten. Das löst automatisch Benachrichtigungen von PayPal aus. Im Betreff oder Verwendungszweck behaupten sie dann, der EmpfĂ€nger habe teure Produkte gekauft – etwa Bitcoin oder Software-Abos.

Telefonbetrug als eigentliches Ziel

Doch die Rechnung soll selten direkt bezahlt werden. Experten sprechen von „Telephone-Oriented Attack Delivery" (TOAD). Im Feld „HĂ€ndlernotiz" steht eine gefĂ€lschte Service-Hotline. Panische Opfer sollen dort anrufen, um eine angebliche Zahlung von bis zu 3.500 Euro zu stoppen.

Am anderen Ende meldet sich ein falscher PayPal-Mitarbeiter. Mit professionellen Skripten baut er Vertrauen auf – und drĂ€ngt das Opfer dann, eine Fernwartungssoftware zu installieren. Einmal gewĂ€hrt, können die TĂ€ter Passwörter stehlen, Bankdaten abgreifen oder Zwei-Faktor-Codes abfangen.

Malwarebytes-Forscher bestĂ€tigten Ende April: Diese „RĂŒckruf-Betrugsmaschen" werden zur bevorzugten Methode von Tech-Support-BetrĂŒgern. Der Wechsel vom ĂŒberwachten digitalen Kanal zum Telefon umgeht sĂ€mtliche Browserschutzmechanismen.

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Systematischer Missbrauch von Cloud-Diensten

Der PayPal-Betrug ist Teil eines grĂ¶ĂŸeren Trends. Check Point Research dokumentierte im Februar eine Kampagne, die Microsoft, Zoom und PayPal nutzte, um ĂŒber 133.000 Phishing-Mails an 20.000 Organisationen zu versenden. Die TĂ€ter betten ihre Inhalte in benutzerdefinierte Felder legitimer ArbeitsablĂ€ufe ein – und erben so die Zustellrate des Anbieters.

Bereits im dritten Quartal 2025 stand PayPal auf Platz sechs der meistgefÀlschten Marken. Microsoft bleibt mit 40 Prozent das hÀufigste Ziel. Technologie- und Finanzunternehmen sind besonders betroffen, weil sie die sensibelsten Daten speichern.

Schwachstelle Mensch

Bitdefender-Forscher enthĂŒllten am 6. Mai einen weiteren besorgnisfakt: 37 Prozent der Nutzer notieren Passwörter auf Papier, 17 Prozent verwenden dasselbe Passwort fĂŒr mehrere Konten. Ein einziger erfolgreicher Zugriff auf PayPal-Zugangsdaten kann daher einen Dominoeffekt auslösen – und Angreifern Zugang zu sozialen Netzwerken oder Firmennetzwerken verschaffen.

Schutzmaßnahmen fĂŒr Unternehmen und Privatnutzer

PayPal selbst warnt: „Zahlen Sie nicht!" Der offizielle Kundenservice fordere niemals dazu auf, Software herunterzuladen oder ein vollstĂ€ndiges Passwort preiszugeben.

Sicherheitsexperten empfehlen:

  • Direkte PrĂŒfung: Niemals Nummern aus verdĂ€chtigen Mails anrufen. Stattdessen direkt auf der offiziellen PayPal-Seite einloggen und Rechnungen prĂŒfen.
  • Kopfzeilen checken: Der „Antwort an"-Eintrag verrĂ€t oft die TĂ€uschung.
  • Melden: VerdĂ€chtige Nachrichten an PayPals Phishing-Adresse weiterleiten.
  • KI-Schutz: Unternehmen sollten auf KI-gestĂŒtzte Sicherheitslösungen setzen, die Nachrichteninhalte analysieren – nicht nur Absender oder Links.

Ausblick: Der Kampf verlagert sich

Die anhaltende Erfolgsrate der PayPal-RechnungsbetrĂŒgereien zeigt einen grundlegenden Wandel in der Bedrohungslandschaft. Da E-Mail-Anbieter gefĂ€lschte Domains und AnhĂ€nge immer besser blockieren, weichen Angreifer auf die vertrauenswĂŒrdige Infrastruktur der Cloud-Dienste aus.

Die Daten vom Mai 2026 deuten darauf hin, dass solche „Living-off-the-Land"-Angriffe weiter zunehmen werden. FĂŒr Unternehmen bedeutet das: Sie mĂŒssen auf identitĂ€tszentrierte Sicherheitsmodelle umstellen. Keine E-Mail sollte allein deshalb Vertrauen genießen, weil sie die StandardprĂŒfungen besteht. FĂŒr Privatnutzer bleibt die wirksamste Verteidigung gesunde Skepsis – gegenĂŒber jeder unaufgeforderten Finanznachricht, egal wie offiziell der Absender wirkt.

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