PayPal, Druck

PayPal unter Druck: Stripe bietet 53 Milliarden für Übernahme

Veröffentlicht am: 01.08.2026 um 04:48 Uhr | Redaktion boerse-global.de

PayPal erhält 53-Milliarden-Dollar-Übernahmeangebot von Stripe und Advent. Der Verwaltungsrat prüft die Offerte, während CEO Lores den Konzern umbaut.

PayPal vor Richtungsentscheidung: Stripe-Offerte und Sanierungskurs
Digitale Finanzdiagramme und Datenvisualisierung auf einem Computermonitor in einem modernen Unternehmensbüro. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Eine feindliche Übernahmeofferte über rund 53 Milliarden Dollar und durchwachsene Quartalszahlen: Der Zahlungsdienstleister PayPal steht vor einer Richtungsentscheidung, die auch den europäischen Online-Handel betreffen könnte. Konkurrent Stripe und Finanzinvestor Advent International wollen den US-Konzern kaufen – doch der Verwaltungsrat zögert.

Milliardendeal: Stripe und Advent greifen nach PayPal

Der digitale Zahlungsverkehr ist einer der am schnellsten wachsenden Märkte der Welt – und genau dort bahnt sich ein milliardenschwerer Machtkampf an. Ende Juli wurden Berichte bekannt, wonach der Zahlungsdienstleister Stripe gemeinsam mit dem Finanzinvestor Advent International ein Übernahmeangebot für PayPal vorgelegt hat. Rund 60,50 Dollar pro Aktie bieten die Interessenten, was einer Gesamtbewertung von etwa 53 Milliarden Dollar entspricht. Finanziert werden soll der Deal demnach mit einem Kreditpaket von 50 Milliarden Dollar.

Doch der PayPal-Verwaltungsrat gibt sich zäh. Unabhängige Analysten, darunter die Experten von Cantor, sehen den fairen Wert eher bei 70 Dollar pro Aktie. Eine Entscheidung über die Offerte soll innerhalb des nächsten Monats fallen. Der Zeitdruck ist enorm: Innerhalb eines Jahres hat die PayPal-Aktie mehr als ein Viertel ihres Wertes eingebüßt – für die Eigentümer ein alarmierendes Signal.

Sanierung unter neuer Führung: Was CEO Enrique Lores plant

Seit März führt Enrique Lores den Zahlungsriesen, und der neue Mann an der Spitze hat einen klaren Plan: Kosten senken, Strukturen verschlanken, Effizienz steigern. Die Zahlen des zweiten Quartals 2026 zeigen erste Wirkung, sind aber alles andere als berauschend. Der Umsatz stieg um fünf Prozent auf 8,68 Milliarden Dollar und übertraf damit die Erwartungen der Analysten, die mit 8,47 Milliarden gerechnet hatten.

Doch der Gewinn gibt Anlass zur Sorge: 1,1 Milliarden Dollar Nettoerlös bedeuten ein Minus von zwölf Prozent gegenüber dem Vorjahr. Immerhin: Das Transaktionsvolumen legte um zehn Prozent auf 486,45 Milliarden Dollar zu, wobei die beliebte Peer-to-Peer-App Venmo mit einem Plus von 14 Prozent besonders glänzte.

Lores zeigt sich grundsätzlich offen für eine Übernahme – allerdings nur, wenn sie den Aktionären einen echten Mehrwert bietet. Sein eigentlicher Fokus liegt auf dem Restrukturierungsprogramm, das Einsparungen von 1,5 Milliarden Dollar über die nächsten zwei bis drei Jahre vorsieht. Der Plan: Aufspaltung in drei eigenständige Geschäftsbereiche und der verstärkte Einsatz von Künstlicher Intelligenz in den Kernprozessen.

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Großinvestoren ziehen sich zurück – Analysten uneins

Die Nervosität der Anleger spiegelt sich in den jüngsten Transaktionen großer institutioneller Investoren wider. Der kalifornische Pensionsfonds für Lehrkräfte etwa hat seine PayPal-Beteiligung im ersten Quartal 2026 um 3,6 Prozent reduziert und dabei mehr als 50.000 Aktien verkauft. Deutlich aggressiver agierte Centaurus Financial: Der Finanzdienstleister strich seine Position um satte 41,6 Prozent zusammen.

Bei den Analysten gehen die Meinungen weit auseinander. Rothschild & Co Redburn erhöhte das Kursziel zwar leicht von 32 auf 36 Dollar, hält aber an der Verkaufsempfehlung fest. Ganz anders klingen die Töne bei KBW und Argus: Dort liegen die Kursziele bei bis zu 70 Dollar – mit klarer Kaufempfehlung. Die großen Häuser UBS, JPMorgan und Citigroup positionieren sich derweil neutral mit Zielkursen zwischen 56 und 65 Dollar.

Auch intern gibt es Bewegung: Chris Natali, Senior Vice President und Chief Accounting Officer, verkaufte am 29. Juli 1.337 Aktien – allerdings im Rahmen eines bereits Ende 2025 aufgelegten Handelsplans, was auf einen strategischen Schritt und nicht auf Insiderwissen hindeutet.

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Angriff auf Stripe: PayPal geht in die Offensive

Während die Übernahmeschlacht tobt, arbeitet PayPal mit Hochdruck daran, verlorenes Terrain zurückzugewinnen. Im Juli wurde die sogenannte Passkey-Funktion für alle Händler auf den großen Plattformen Shopify und WooCommerce freigeschaltet, Salesforce Commerce Cloud soll im September folgen. Erste Daten zeigen, dass die Abbruchrate beim Checkout bei bestimmten Modemarken um 13 Prozentpunkte gesunken ist – ein klares Zeichen, dass die Technologie funktioniert.

Gleichzeitig nimmt PayPal offenbar direkt den Kampf mit Stripe um dessen lukrativste Kunden auf. Ein spezialisiertes Team soll Großhändlern niedrigere Transaktionsgebühren und längere Rückbuchungsfristen anbieten – technisch gestützt durch die Tochtergesellschaft Braintree. Ein durchaus gewagter Schachzug, schließlich ist Stripe gleichzeitig Kaufinteressent und Konkurrent.

Die entscheidende Frage für Anleger bleibt, ob PayPal seine Transaktionsmargen halten kann. Mit 44,9 Prozent im jüngsten Quartal liegen sie weiterhin auf einem beachtlichen Niveau – doch der Preiskampf im digitalen Bezahlmarkt wird härter. Ob die Übernahmeofferte oder der eigene Sanierungskurs am Ende die bessere Wahl ist, dürfte sich schon bald zeigen.

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