PayPal vs. Stripe: Übernahmechancen fallen von 78% auf 30%
Veröffentlicht am: 27.07.2026 um 19:00 Uhr | Redaktion boerse-global.de
An der Wall Street wird derzeit intensiv die strategische Reaktion von PayPal auf ein potenzielles Übernahmeangebot durch den Konkurrenten Stripe und den Investor Advent International beobachtet. Nachdem Details zu einem möglichen Gebot bekannt wurden, steht der Zahlungsdienstleister vor der Herausforderung, seinen künftigen Kurs zwischen Eigenständigkeit und einer Konsolidierung in der Fintech-Branche zu bestimmen.
Bewertung des Übernahmeangebots durch den Vorstand
Stripe und Advent International haben Berichten zufolge ein Angebot in Höhe von 53 Milliarden US-Dollar vorgelegt, was einem Preis von 60,50 US-Dollar pro Aktie entspricht. Der Vorstand von PayPal bewertet dieses Angebot jedoch als unzureichend. Am Markt spiegelt sich diese Skepsis teilweise wider: Die PayPal-Aktie schloss am 24. Juli bei 56,15 US-Dollar. Damit behielt das Papier zwar 66,9 % der durch das Angebot entstandenen Prämie bei, notierte jedoch weiterhin deutlich unter dem Gebot von Stripe. Der verbleibende Spread zum Angebotspreis beträgt 4,35 US-Dollar oder etwa 7,7 %.
Gleichzeitig hat sich die Einschätzung der Marktteilnehmer hinsichtlich der Erfolgsaussichten eines Geschäfts deutlich gewandelt. Während die Wahrscheinlichkeit für einen erfolgreichen Abschluss auf der Prognoseplattform Polymarket am 15. Juli noch bei 77,8 % lag, sank dieser Wert zuletzt auf etwa 30 %. Analysten sehen für PayPal derzeit drei wahrscheinliche Szenarien: Die endgültige Ablehnung des Angebots, Verhandlungen über eine höhere Offerte oder das Auftreten eines konkurrierenden Bieters.
Analysteneinschätzungen und operative Kennzahlen
Trotz der Ablehnung durch den Vorstand sehen einige Marktbeobachter noch Spielraum für Nachbesserungen. Ein Analyst von William Blair hält ein höheres Angebot von bis zu 70 US-Dollar für möglich. Diese Einschätzung deckt sich mit einer Sum-of-the-Parts-Bewertung von Cantor Fitzgerald, die den Wert von PayPal ebenfalls bei etwa 70 US-Dollar pro Aktie ansetzt. Truist Financial reagierte am 24. Juli mit einer Hochstufung der Aktie von „Sell“ auf „Hold“ und hob das Kursziel von 44 auf 57 US-Dollar an.
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Im Branchenvergleich weist PayPal derzeit eine moderate Bewertung auf. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) liegt bei etwa 10,5, während der Branchendurchschnitt bei 13 notiert. Das Kurs-Umsatz-Verhältnis (KUV) von 1,6 steht einem Branchenwert von 3,4 gegenüber. Mit einem aktuellen Aktienkurs von etwa 56 US-Dollar bewegt sich das Unternehmen zudem deutlich über seinem Jahres-tief von 40 US-Dollar.
Strategische Bedeutung von Venmo und Marktvolumen
Ein zentraler Faktor in den Überlegungen ist die strategische Rolle des Bezahldienstes Venmo. ARK Invest bezeichnete Venmo als das überzeugendste strategische Asset von PayPal, da es Stripe Zugang zu mehr als 400 Millionen Verbraucherkonten verschaffen würde. Ein Zusammenschluss der beiden Giganten hätte massive Auswirkungen auf den globalen Markt. Stripe verarbeitete im Jahr 2025 ein Transaktionsvolumen von 1,9 Billionen US-Dollar, während PayPal auf 1,79 Billionen US-Dollar kam. Ein kombiniertes Unternehmen würde somit etwa 3,7 Billionen US-Dollar verarbeiten, was zirka 3 % des globalen Bruttoinlandsprodukts entspricht.
Intern setzt PayPal-CEO Enrique Lores derweil auf Effizienzsteigerungen. Er strebt Kostensenkungen in einer Größenordnung von 1,5 Milliarden US-Dollar an, um die Profitabilität des Unternehmens zu stärken und den Handlungsspielraum zu vergrößern.
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Entscheidende Weichenstellung durch Quartalsergebnisse
Die kommenden Verhandlungen mit Stripe und Advent International dürften maßgeblich von der operativen Entwicklung beeinflusst werden. PayPal veröffentlicht am 28. Juli die Ergebnisse für das zweite Quartal. Der Marktkonsens erwartet für diesen Zeitraum einen Umsatz von 8,47 Milliarden US-Dollar, was einem Zuwachs von 2,25 % entspräche. Beim Gewinn pro Aktie (EPS) wird ein Wert von 1,28 US-Dollar prognostiziert, nachdem im Vorjahreszeitraum noch 1,40 US-Dollar erzielt wurden. Die Kursoptionen implizieren für den Zeitraum der Veröffentlichung eine Schwankungsbreite der Aktie von etwa 8,8 %. Diese Kennzahlen werden als entscheidende Grundlage für die künftige Verhandlungsposition des PayPal-Vorstands angesehen.
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