PC-Produktion: HP, Asus und Acer verlagern Fertigung zurĂŒck nach China
Veröffentlicht am: 04.11.2026 um 13:12 Uhr | Redaktion boerse-global.deFĂŒhrende Computerhersteller ĂŒberdenken ihre Fertigungsstrategien in SĂŒdostasien. Wie am 29. Oktober bekannt wurde, verlagern HP, Asus und Acer Teile ihrer PC-Produktion aus Thailand und Vietnam zurĂŒck nach China. Auch der US-Konzern Dell prĂŒft derzeit Ă€hnliche Schritte.
Ausschlaggebend fĂŒr die Kehrtwende sind massive, durch den Boom kĂŒnstlicher Intelligenz getriebene Kostensteigerungen bei Speicher- und Hardwarekomponenten, die die Gewinnmargen der Hersteller stark belasten. In China profitieren die Unternehmen von eingespielten Lieferketten und erfahrenen ArbeitskrĂ€ften.
Enormer Kostendruck durch Speicher und Kernkomponenten
Die Verlagerung markiert eine teilweise Abkehr von der sogenannten China-plus-Eins-Strategie, auch wenn die Hersteller eine breitere Diversifizierung ihrer Standorte langfristig nicht vollstÀndig aufgeben wollen. Vor dieser Entwicklung hatte beispielsweise HP geplant, bis zu 70 Prozent der eigenen Fertigung aus China abzuziehen.
VerÀnderte Marktbedingungen zwingen die Branche nun jedoch zur Kurskorrektur. Nach Erhebungen des Marktforschungsunternehmens Omdia machen Speicher und Massenspeicher inzwischen rund 40 Prozent des PC-Preises aus, verglichen mit zuvor 15 Prozent.
Die reinen Komponentenkosten fĂŒr Computer im Preissegment zwischen 500 und 699 US-Dollar kletterten von 435 US-Dollar im ersten Quartal 2025 auf 699 US-Dollar im dritten Quartal 2026. Bei Einsteigermodellen unter 500 US-Dollar stiegen diese Kosten im selben Zeitraum von 275 auf 471 US-Dollar.
Laut dem Analysehaus TrendForce wuchs der Anteil von Hauptprozessoren, Arbeitsspeicher und SSDs an den gesamten Materialkosten von Mainstream-Notebooks im dritten Quartal 2026 auf rund 68 Prozent, nach etwa 45 Prozent im ersten Quartal 2025. Branchenberichten zufolge haben sich die Speicherpreise innerhalb von zwölf Monaten um bis zu 500 Prozent verteuert.
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Auch Leiterplatten und Glasfasergewebe verzeichnen EngpĂ€sse; die Lieferzeiten fĂŒr Leiterplatten betragen bis zu 30 Monate, wĂ€hrend die Preise fĂŒr kupferkaschierte Basismaterialien seit Juli um 1200 Prozent gestiegen sind.
Branchenvertreter wie der Halbleiterhersteller SK hynix stellen sich auf anhaltende EngpĂ€sse bis 2030 ein. Zudem Ă€uĂerte David Zinsner, Finanzvorstand von Intel, erhebliche Skepsis hinsichtlich der Entspannung am Speichermarkt im kommenden Jahr.
Hinwendung zu chinesischen Fertigungspartnern
Um diesen Belastungen zu begegnen, setzen HP, Asus und Acer zunehmend auf chinesische Auftragsfertiger wie Luxshare, Huaqin Technology und Longcheer Technology.
Traditionelle taiwanische Fertigungspartner wie Quanta, Compal, Inventec und Foxconn konzentrieren ihre KapazitĂ€ten derweil verstĂ€rkt auf margenstarke Server fĂŒr Anwendungen mit kĂŒnstlicher Intelligenz. Luxshare grĂŒndete gemeinsam mit Sixunited das Unternehmen LuxPC Union und sicherte sich darĂŒber AuftrĂ€ge von HP, Dell und Asus.
Mit der Neuvergabe ĂŒbertragen HP, Dell, Lenovo und Asus den Einkauf von Komponenten fĂŒr GerĂ€te der Mittel- und Einstiegsklasse an chinesische Auftragsfertiger. Acer ĂŒbertrug diesen den Einkauf von Prozessoren und Speichern.
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Ein wesentlicher Anreiz fĂŒr die Zusammenarbeit ist der Zugriff auf chinesische Zulieferer: So qualifizierten HP, Asus und Acer Mitte 2026 DRAM-Speicher des chinesischen Herstellers CXMT fĂŒr GerĂ€te, die in kleineren StĂŒckzahlen auĂerhalb der USA ausgeliefert werden.
Folgen fĂŒr Zulieferer und Marktentwicklung
Der RĂŒckzug trifft Lieferanten in SĂŒdostasien spĂŒrbar. Ein Komponentenhersteller meldete, dass zwei neu errichtete Produktionslinien in Thailand nach der RĂŒckverlagerung von AuftrĂ€gen nach China bislang nicht rentabel arbeiten. Ein Tastaturlieferant, der mehrere Werke in Thailand aufbaute, zweifelt inzwischen an der Wirtschaftlichkeit der Standorte.
Marktforscher von TrendForce prognostizieren, dass der Anteil der auĂerhalb Chinas gefertigten Notebooks von 24 Prozent im Jahr 2025 auf 21 Prozent im Jahr 2026 sinken wird; fĂŒr 2027 hĂ€lt das Institut einen RĂŒckgang auf unter 20 Prozent fĂŒr möglich.
Gleichzeitig verharrt die Gesamtnachfrage auf einem niedrigen Niveau. IDC registrierte im dritten Quartal 2026 einen RĂŒckgang der weltweiten PC-Auslieferungen um 20,1 Prozent auf 62,7 Millionen Einheiten, wobei HP ein Minus von 30,9 Prozent und Asus ein Minus von 8,6 Prozent verbuchte. FĂŒr das vierte Quartal erwartet Counterpoint ein Minus von 27 Prozent, sieht den Markt fĂŒr 2027 jedoch stabilisiert.
WĂ€hrend HP, Asus und Dell die Berichte ĂŒber Produktionsverlagerungen bisher nicht offiziell kommentierten, verwies ein Sprecher von Acer auf eine flexible Anpassung der Lieferketten. Jason Chen, Vorstandschef von Acer, stellte fĂŒr das vierte Quartal 2026 einen Anstieg der durchschnittlichen PC-Preise um 5 bis 20 Prozent in Aussicht, rechnet ab Mitte 2027 jedoch wieder mit sinkenden Preisen.
