PCOS heiĂt jetzt PMOS: Neue Diagnose fĂŒr 170 Millionen Frauen
Veröffentlicht am: 09.07.2026 um 04:23 Uhr | Redaktion boerse-global.deAus PCOS wird PMOS â Polyendokrines Metabolisches Ovarialsyndrom.
Die Entscheidung wurde im Juli 2026 wirksam. Sie beendet einen 14-jĂ€hrigen Abstimmungsprozess mit 56 internationalen Organisationen und ĂŒber 22.000 Umfrageteilnehmern. Der neue Name macht klar: Es handelt sich nicht um eine rein gynĂ€kologische Erkrankung, sondern um eine systemische Multisystemerkrankung.
Abkehr von einer rein gynÀkologischen Sichtweise
Der seit 1935 gebrÀuchliche Name PCOS suggerierte eine Ursache in den Eierstöcken. Doch viele betroffene Frauen haben gar keine Ovarialzysten. Die im Fachmagazin The Lancet veröffentlichte Entscheidung trÀgt dem Rechnung.
Die Erkrankung umfasst endokrine, metabolische, reproduktive, dermatologische und psychologische Aspekte. Weltweit sind schĂ€tzungsweise 170 Millionen Frauen betroffen â etwa jede achte Frau. Ein groĂes Problem: Rund 70 Prozent der FĂ€lle bleiben unentdeckt.
Die Endokrinologin Susanne Reger-Tan betont, dass die neue Bezeichnung die Stoffwechselkomponente ins Zentrum rĂŒckt. Das hat entscheidende Folgen fĂŒr Diagnostik und Behandlung.
Insulinresistenz und metabolische Risiken im Fokus
Ein zentraler Mechanismus der Erkrankung ist die Insulinresistenz. Sie liegt bei etwa 85 Prozent der Patientinnen vor. Die Umbenennung in PMOS soll das Bewusstsein fĂŒr die damit verbundenen Risiken schĂ€rfen.
Betroffene haben ein deutlich erhöhtes Risiko fĂŒr Typ-2-Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Bluthochdruck und Schlafapnoe. Auch Endometriumkarzinome werden mit dem Syndrom assoziiert.
In der Diagnostik verschiebt sich der Schwerpunkt hin zu Parametern des Glukosestoffwechsels. Empfohlen werden Untersuchungen von NĂŒchtern-Glukose, HbA1c-Werten sowie ein oraler Glukosetoleranztest (oGTT) und die Bestimmung des HOMA-IR.
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Neue Untersuchungen zeigen, dass metabolische Komplikationen auch die Leber betreffen können. Eine auf dem Kongress ENDO 2026 vorgestellte Studie an 95 Patientinnen ergab: Bei ĂŒber 42 Prozent der Frauen wurde eine Fettleber diagnostiziert. Standard-Screenings sind oft unzureichend. Fachleute raten bei hohem Body-Mass-Index oder Hyperandrogenismus vermehrt zum Einsatz von FibroScans.
Neue therapeutische AnsÀtze und die Rolle des Lebensstils
Die Behandlung von PMOS umfasst zunehmend Medikamente aus der Diabetes-Therapie. Neben Metformin gewinnen GLP-1-Agonisten und SGLT2-Inhibitoren an Bedeutung. Letztere werden zudem mit einer Senkung des Alzheimer-Risikos in Verbindung gebracht.
Eine Harvard-Studie wies darauf hin, dass Umweltfaktoren eine Rolle spielen können. Eine prĂ€natale Exposition gegenĂŒber PFAS erhöht das Risiko fĂŒr PMOS um das 2,3- bis 2,7-Fache.
Trotz medikamentöser Optionen bleibt die Lebensstilmodifikation eine tragende SĂ€ule der Therapie. Studien deuten darauf hin, dass eine mediterrane DiĂ€t und regelmĂ€Ăige Bewegung die Symptome um bis zu 80 Prozent verbessern können. Bereits 30 Minuten Krafttraining pro Woche senken das Diabetesrisiko signifikant.
Da etwa 45 Prozent der Frauen mit Insulinresistenz MikronÀhrstoffdefizite bei Vitamin D, Magnesium oder Eisen aufweisen, wird auch eine gezielte Supplementierung erwogen.
Kritik an der globalen ReprÀsentation
Die Umstellung auf den Namen PMOS verlÀuft nicht ohne Widerspruch. Organisationen wie PCOS Challenge kritisieren, dass der Entscheidungsprozess nicht ausreichend global reprÀsentativ gewesen sei.
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Besonders Beteiligte aus LĂ€ndern mit niedrigem und mittlerem Einkommen sowie aus dem asiatischen Raum â wo die meisten Betroffenen leben â seien unterreprĂ€sentiert gewesen.
Die formale Umstellungsphase fĂŒr medizinische Klassifikationen ist auf drei Jahre angesetzt. Professor Helena Teede, die den Prozess maĂgeblich leitete, betont: Der neue Name wurde kulturell sensibel gewĂ€hlt, um Stigmatisierung zu vermeiden und die VersorgungsqualitĂ€t nachhaltig zu verbessern.
