PCOS-Neudefinition: Eshre benennt Syndrom in PMOS um
18.06.2026 - 02:01:53 | boerse-global.de
Aus dem Polyzystischen Ovar-Syndrom (PCOS) wird das Polyendokrin-Metabolische Ovarialsyndrom (PMOS). Der Name ist Programm: Im Zentrum stehen nicht mehr die irreführenden Zysten an den Eierstöcken, sondern die komplexen Stoffwechsel- und Hormonstörungen.
Fachpublikationen, unter anderem im Lancet, machten den Paradigmenwechsel im Juni 2026 deutlich. Experten der European Society of Human Reproduction and Embryology (Eshre) treiben die Neudefinition voran. Vittorio Unfer von der Expertenorganisation Egoi-Pcos betont: Die Bezeichnung PCOS sei veraltet, denn die vermeintlichen Zysten seien tatsächlich unreife Follikel.
Diagnose mit neuen Schwerpunkten
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Das neue Verständnis der Erkrankung rückt Faktoren wie Insulinresistenz, Dyslipidämie und kardiovaskuläre Risiken in den Vordergrund. Über 50 Prozent der betroffenen Patientinnen leiden an Gewichtsproblemen oder Adipositas. Endokrinologe Roberto Baldelli fordert daher einen multidisziplinären Therapieansatz mit Lebensstiländerungen und Ernährung als Basis.
Erste spezialisierte Einrichtungen setzen die neuen Kriterien bereits um. Eine öffentliche Ambulanz am San Camillo Krankenhaus in Rom verzeichnet eine so hohe Nachfrage, dass Termine bis weit ins Jahr 2027 vergeben sind.
Myo-Inositol: Der zentrale Wirkstoff
Innerhalb der neuen Therapiekonzepte spielt die Supplementierung mit Inositolen eine Schlüsselrolle. Myo-Inositol fungiert im Körper als Botenstoff für Insulin und das follikelstimulierende Hormon (FSH). Eine Meta-Analyse aus dem Jahr 2025 belegte: Die Supplementierung steigert die Eizellqualität signifikant und erhöht die Befruchtungsraten bei IVF-Behandlungen.
Entscheidend ist das richtige Mischverhältnis. Experten empfehlen Myo-Inositol zu D-Chiro-Inositol im Verhältnis 40:1 – das entspricht dem physiologischen Zustand gesunder Follikelflüssigkeit. Ziel ist es, die Insulinsensitivität zu verbessern und das hormonelle Gleichgewicht wiederherzustellen.
Boombranche Frauengesundheit
Der Markt für Nahrungsergänzungsmittel im Bereich Frauengesundheit wächst rasant. Marktforscher von Mordor Intelligence prognostizieren für den globalen Nutraceuticals-Markt einen Anstieg von rund 537,74 Milliarden US-Dollar im Jahr 2026 auf über 679 Milliarden US-Dollar bis 2031. Myo-Inositol-Produkte sollen bis Ende 2026 einen Marktanteil von 42 Prozent am weltweiten PMOS-Supplementmarkt erreichen.
Technologische Innovationen treiben die Branche zusätzlich an. Hersteller setzen auf Verfahren wie Mizellisierung mit Gummi Arabicum, um die Bioverfügbarkeit fettlöslicher Wirkstoffe wie Vitamin D3 oder Coenzym Q10 zu verbessern. Im ersten Halbjahr 2026 zeigte sich zudem eine verstärkte Marktkonsolidierung durch Fusionen und Übernahmen – mit Fokus auf klinisch fundierte Produkte.
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Regionale Unterschiede bleiben
Die Verfügbarkeit von Fertilitätspräparaten variiert stark. In der Schweiz reguliert das Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV) streng. Der Vertrieb verlagert sich jedoch zunehmend von der Apotheke hin zu spezialisierten Online-Shops. Diese bieten oft ein breiteres, von Medizinern entwickeltes Sortiment ohne Zusatzstoffe und mit GMP- oder ISO-Zertifizierung.
In der klinischen Praxis etablieren sich neue Diagnose-Grenzwerte, etwa für Insulinresistenz und Testosteron-Spiegel. Ziel ist es, die früher oft langwierige Diagnosephase zu verkürzen und Betroffenen schneller eine gezielte Therapie zu ermöglichen.
