PCOS-Umbenennung, Millionen

PCOS-Umbenennung: 170 Millionen Frauen, 70% unerkannt

Veröffentlicht: 07.07.2026 um 10:14 Uhr, Redaktion boerse-global.de

Das Polyzystische Ovarsyndrom erhält nach 14-jähriger Debatte den Namen PMOS. Der neue Begriff betont die systemischen Stoffwechselaspekte der Erkrankung.

PCOS wird zu PMOS: Neue Bezeichnung für das Syndrom
PCOS-Umbenennung - Eine Gruppe von Frauen in einer modernen medizinischen Umgebung, die Nachdenklichkeit und Gemeinschaft ausstrahlt. 07.07.2026 - Bild: über boerse-global.de

Die Fachwelt einigt sich auf „Polyendokrines Metabolisches Ovarialsyndrom“ (PMOS) – ein neuer Name, der die systemische Natur der Erkrankung besser abbildet.

Die Entscheidung fiel nach einem 14-jährigen wissenschaftlichen Diskurs. Veröffentlicht wurde die Neuklassifizierung im Frühjahr 2026 in der Fachzeitschrift The Lancet.

Warum der alte Name nicht mehr passt

Der Begriff „Polyzystisches Ovarsyndrom“ stammt aus dem Jahr 1935 – und ist längst überholt. Kritiker bemängeln: Die sogenannten „Zysten“ sind medizinisch betrachtet Follikel. Zudem lassen sie sich nicht bei allen betroffenen Frauen nachweisen.

Hinter der Umbenennung steckt ein globaler Konsens. 56 Organisationen und über 22.000 Umfrageteilnehmer brachten sich ein. Federführend waren Forscher der Monash University und der Penn Medicine.

Der neue Name PMOS lenkt den Blick auf die hormonellen (polyendokrinen) und stoffwechselbezogenen (metabolischen) Komponenten. Ein Übergangszeitraum von drei Jahren ist für die Umstellung der medizinischen Literatur, Abrechnungscodes und klinischen Klassifikationen vorgesehen.

170 Millionen Frauen betroffen – 70 Prozent unerkannt

Weltweit leidet etwa jede achte Frau an PMOS. Das entspricht rund 170 Millionen Betroffenen. Alarmierend: Aktuelle Daten deuten darauf hin, dass bis zu 70 Prozent der Fälle unentdeckt bleiben.

Die Symptome sind vielfältig. Neben unregelmäßigen Menstruationszyklen treten Zeichen eines Androgenüberschusses auf – etwa Akne oder verstärkter Haarwuchs (Hirsutismus).

Besonders die metabolische Komponente macht die Erkrankung systemisch. Rund 85 Prozent der Patientinnen weisen eine Insulinresistenz auf. Daraus ergeben sich erhöhte Risiken für:

  • Typ-2-Diabetes und Schwangerschaftsdiabetes
  • Bluthochdruck und hohe Cholesterinwerte
  • Schlafapnoe
  • Psychische Belastungen wie Angstzustände und Depressionen
  • Endometriumkarzinome
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Neue Forschung: Umweltgifte als Auslöser?

Die Ursachenforschung liefert frische Ansätze. Eine im Juli 2026 in Scientific Reports veröffentlichte Studie identifizierte exosomale ncRNAs als mögliche Treiber für chronische Entzündungsprozesse bei PMOS.

Forscher der Harvard University untersuchten zudem den Einfluss von Umweltfaktoren. Ihr Ergebnis: Eine pränatale Exposition gegenüber PFAS-Chemikalien erhöht das Risiko für eine spätere PMOS-Erkrankung um das 2,3- bis 2,7-fache.

Und auch nach der Menopause bleibt das Thema relevant. Untersuchungen der Northwestern University deuten darauf hin, dass die Eierstöcke auch dann wichtige immunologische Funktionen behalten. Die PMOS-Diagnose wirkt also weit über die reproduktive Phase hinaus.

Behandlung im Wandel: Intervallfasten und neue Medikamente

Im Bereich der Therapie setzen Fachleute auf einen Mix aus Medikamenten und Lebensstiländerungen. Letztere führen in bis zu 80 Prozent der Fälle zu einer Besserung der Symptome.

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Eine Pilotstudie aus dem Jahr 2026 im Fachmagazin Clinical Endocrinology untersuchte zeitlich begrenztes Essen (Intervallfasten im 18:6-Rhythmus). Die Ergebnisse zeigten positive Effekte auf das Gewicht und den HbA1c-Wert.

Pharmakologisch kommen neben Metformin zunehmend GLP-1-Rezeptor-Agonisten zum Einsatz. Auch hormonelle Kontrazeptiva sowie Medikamente zur Ovulationsinduktion wie Letrozol oder Clomifen bleiben Teil des therapeutischen Spektrums.

Neue Leitlinien: Jährliche Checks für Betroffene

Parallel zur Umbenennung werden die klinischen Leitlinien angepasst. Ein Entwurf des britischen National Institute for Health and Care Excellence (NICE) vom Juli 2026 empfiehlt jährliche Kontrolluntersuchungen. Ziel: Langzeitfolgen wie Diabetes und Herz-Kreislauf-Erkrankungen frühzeitig erkennen.

Die finale Fassung der Leitlinie wird für Ende 2026 erwartet. Fachleute betonen, dass der neue Name auch helfen soll, Stigmata abzubauen. Und den Zugang zu einer spezialisierten Versorgung zu erleichtern.

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