Pedro Sánchez: Warum fünf Minuten Ausschalten das Smartphone kaum schützen
Veröffentlicht am: 23.10.2026 um 11:44 Uhr | Redaktion boerse-global.deSpaniens Ministerpräsident Pedro Sánchez hat am 22. Oktober 2026 in der Fernsehsendung „La Revuelta“ des öffentlich-rechtlichen Senders RTVE Einblicke in die Sicherheitsvorkehrungen um sein Smartphone gegeben. Auf Anraten der Systemspezialisten des Regierungssitzes Moncloa schalte er sein Dienstgerät täglich für mindestens fünf Minuten vollständig aus.
Diese Maßnahme solle schädliche Prozesse im Arbeitsspeicher unterbrechen und das Gerät vor Schadsoftware sowie Spionageangriffen schützen. Laut Sánchez nisteten sich Viren besonders häufig in intensiv genutzten Geräten ein.
Begrenzte Schutzwirkung gegen komplexe Spionagesoftware
Fachberichte relativieren den praktischen Nutzen dieser Routine. Ein vollständiges Ausschalten wirkt demnach primär gegen Schadprogramme, die sich ausschließlich im flüchtigen Arbeitsspeicher aufhalten. Gegen hochentwickelte und dauerhaft im System verankerte Spionageprogramme bietet die Maßnahme hingegen keinen verlässlichen Schutz. Auch für die konkrete Dauer von fünf Minuten gebe es keine technische Grundlage.
Sánchez verwies in der Sendung zudem auf Richtlinien internationaler Sicherheitsbehörden. So empfehle die US-amerikanische National Security Agency (NSA), Mobiltelefone mindestens einmal wöchentlich aus- und wieder einzuschalten. Die französische Cybersicherheitsbehörde ANSSI rate unterdessen zu einem vollständigen Herunterfahren anstelle eines einfachen Neustarts, da bestimmte Schadprogramme einen gewöhnlichen Reboot überstehen können.
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Als maßgebliche Schutzmaßnahme gilt in Fachanalysen vor allem das kontinuierliche und zeitnahe Einspielen von Sicherheitsupdates für Betriebssysteme und Anwendungen. So stellt Apple monatliche Sicherheitspatches bereit und bietet für besonders gefährdete Zielgruppen einen speziellen Modus für Isolation auf dem iPhone an.
Vorgeschichte um Pegasus-Infektionen im Regierungskabinett
Hintergrund der verschärften Vorsichtsmaßnahmen sind frühere Ausspähungen von Regierungsmitgliedern. Das Smartphone des spanischen Regierungschefs war nach Erkenntnissen des Centro Criptológico Nacional am 19. Mai 2021 sowie am 31. Mai 2021 mit der Spionagesoftware Pegasus infiziert worden. Bei diesen Vorfällen wurden 2,6 Gigabyte beziehungsweise 130 Megabyte an Daten unbefugt abgegriffen.
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Nach Angaben der spanischen Regierung aus dem Jahr 2022 waren von den Angriffen der israelischen NSO Group auch die Mobiltelefone von Verteidigungsministerin Margarita Robles, Innenminister Fernando Grande-Marlaska sowie Landwirtschaftsminister Luis Planas betroffen.
Die Angreifer nutzten dabei sogenannte Zero-Click-Schwachstellen über Kurznachrichten und Messaging-Dienste aus, die ohne Zutun der Nutzer aktiv werden. Sánchez betonte im Fernsehinterview, nach dem Zugriff auf sein Gerät könnten unbefugte Dritte in Marokko lediglich belanglose Inhalte wie Familienfotos erbeutet haben.
Neben der Abschaltroutine setzt der Ministerpräsident auf weitere Sicherheitsmaßnahmen. Auf der Plattform X zeigte Sánchez zuvor ein foto seines Geräts mit abgeklebter Frontkamera, die zwar optische Spionage verhindert, den Mikrofonzugriff jedoch unberührt lässt.
Zudem ordnete er im Sommer 2026 an, dass Besucher seiner Residenz auf den Kanarischen Inseln ihre Mobiltelefone im Vorfeld abgeben müssen. Für die behördliche Kommunikation der Administración General del Estado ließ die Regierung zudem ein KI-gestütztes Schutzschild gegen Spionage einrichten.
