Viele Schmetterlingsarten trotz gutem Jahr weiter gefÀhrdet
29.08.2025 - 05:00:40FĂŒr Schmetterlinge herrschen in diesem Jahr wegen der warmen Witterung gute Bedingungen in Deutschland. «Insekten sind generell eher wĂ€rmeliebend. Wenn es trocken und warm ist, ist das kurzfristig fĂŒr viele gut», erklĂ€rte Martin Wiemers vom Senckenberg Deutschen Entomologischen Institut in MĂŒncheberg. Dieses Jahr habe er besonders viele Schornsteinfeger-Falter gesehen.Â
Insgesamt sei die Lage fĂŒr die Tiere aber weiterhin bedrohlich. «Einzelne Jahre Ă€ndern nicht den Trend», so der Biologe und Insektenkundler, denn: Viele Schmetterlingsarten in Deutschland sind gefĂ€hrdet. Am kritischsten sei es bei Arten, die an Mooren, wie der Hochmoor-Gelbling, oder in Feuchtgebieten, wie der Baldrian-Scheckenfalter, leben.Â
Rund 190 Tagfalter Arten
Insgesamt gibt es hierzulande 3.700 Schmetterlingsarten, dazu zĂ€hlen rund 190 Tagfalter. FĂŒr die Rote Liste wurden zuletzt vor knapp 15 Jahren 184 Arten bewertet, davon gelten 42 Prozent als ausgestorben oder bestandsgefĂ€hrdet. Als vom Aussterben bedroht gelten laut Wiemers zum Beispiel der Kleine Maivogel, der Apollofalter und die Berghexe.Â
Raupen, also Schmetterlingslarven, ernĂ€hren sich gröĂtenteils von Pflanzen. Schmetterlinge fressen hauptsĂ€chlich Nektar aus BlĂŒten, aber auch FrĂŒchte.
MÀhen tötet viele Tiere
Ein Grund fĂŒr den RĂŒckgang der Arten sei die Intensivierung der Landwirtschaft mit der Verwendung von Pestiziden, sagt Wiemers. Auch hĂ€ufiges MĂ€hen von Wiesen und Feldern sei ein groĂes Problem. «Wenn man eine Wiese mĂ€ht, vernichtet man unter UmstĂ€nden einen GroĂteil der Tiere.» Entscheidend sei auch, ob man eine Wiese zweimal oder nur einmal mĂ€he und zusĂ€tzlich ein paar Bereiche stehen lasse. «Um die Population zu erhalten, reicht es locker aus, einen Anteil nicht zu mĂ€hen, zum Beispiel ein Viertel der FlĂ€che.»
Eine zusĂ€tzliche Gefahr sind nach Angaben des Insektenkundlers Extremwetterereignisse. Starke RegenfĂ€lle, aber auch anhaltende Trockenheit töteten Tiere. Wenn es zu wenig regnet, vertrocknen Pflanzen und Raupen und Schmetterlingen geht die Nahrungsgrundlage aus. Auch Fressfeinde und Parasiten könnten fĂŒr das Ăberleben eine enorme Rolle spielen.Â
Schmetterlinge brauchen abwechslungsreiche Landschaft
Schmetterlingsarten hĂ€tten sehr unterschiedliche AnsprĂŒche, erklĂ€rt der Biologe. Manche ĂŒberwinterten als Raupe, andere als Puppe oder Ei und einige wenige als Falter. Die Schmetterlinge seien daher zum Teil in unterschiedlichen Monaten unterwegs und demnach auch unterschiedlichen Umweltbedingungen ausgesetzt. Manche hĂ€tten im Jahr mehrere Generationen, andere nur eine. Die meisten Tagfalter-Arten lebten auf Wiesen und Weiden, einige auch in lichten WĂ€ldern oder in Moorgebieten.
Es gebe daher nicht den Idealzustand fĂŒr alle Arten, erklĂ€rt Wiemers. «Wir brauchen feuchte Bereiche, wir brauchen aber auch trockene Bereiche.» Optimal wĂ€re eine abwechslungsreiche Landschaft, die Arten ermögliche, flexibel zu reagieren. Dann sei es auch möglich, dass Arten sich von EinbrĂŒchen in der Population wieder erholen.


