PFAS-Sanierung: 100 Milliarden Euro entfernen nur 2 Prozent
Veröffentlicht: 07.07.2026 um 19:54 Uhr, Redaktion boerse-global.de
Aktuelle Studien zeigen eine erschreckende Diskrepanz: Über 100 Milliarden Euro pro Jahr wären nötig – doch weniger als zwei Prozent der Ewigkeitschemikalien ließen sich damit entfernen.
Chemische Vielfalt als Hindernis
Eine Analyse im Fachjournal „Environmental Science: Processes & Impacts“ wertete Daten von mehr als 12.000 belasteten Standorten aus. Das Ergebnis: Mit heutigen Methoden ist eine vollständige Beseitigung kaum machbar.
Besonders problematisch ist Trifluoressigsäure (TFA). Die Reinigung von TFA kostet rund 50-mal mehr als die Entfernung bekannterer Substanzen wie PFOA oder PFOS. Die Europäische Chemikalienagentur (ECHA) stuft TFA zudem als fortpflanzungsschädigend ein.
Für Fachleute wie Eurydice Bersi ist klar: Eine flächendeckende Sanierung ist finanziell und logistisch nicht zu bewältigen. Ihre Empfehlung: Die Vermeidung an der Quelle.
Österreich: Nur die Spitze des Eisbergs
In Österreich ist das wahre Ausmaß der PFAS-Belastung noch unklar. Bisher sind nur zwei Standorte als priorisierte Altlasten erfasst: der Flughafen Salzburg und ein Feuerwehrareal in Lebring. Dort laufen seit 2022 Maßnahmen.
Thilo Hofmann von der Universität Wien rechnet jedoch mit Hunderten bis zu tausend belasteten Standorten im ganzen Land. Der Rechnungshof fordert bereits eine Beschleunigung der Erfassung.
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Schweiz: Hohe Kosten, lange Zeiträume
Der Kanton Wallis zeigt, was auf Österreich zukommen könnte. 187 belastete Standorte wurden identifiziert, die Sanierung bis 2045 kostet schätzungsweise 1,1 Milliarden Euro.
Auch andere langlebige Schadstoffe beschäftigen die Behörden. Im Schweizerischen Nationalpark läuft seit April 2026 die Sanierung des Flusses Spöl. Vor rund zehn Jahren wurde er durch polychlorierte Biphenyle (PCB) verunreinigt. Für rund 20 Millionen Franken werden 37.000 Tonnen Sediment ausgebaggert.
Doch trotz des Aufwands bleibt die Belastung bestehen. Parkdirektor Ruedi Haller unterstreicht damit die langfristigen Folgen solcher Umweltverschmutzungen.
Neue Regeln, alte Probleme
Seit dem 12. Januar 2026 müssen Wasserversorger mit mehr als zehn Kubikmeter täglicher Abgabe das Trinkwasser auf 20 verschiedene PFAS-Verbindungen kontrollieren. Die Überwachung steigt, das Entsorgungsproblem bleibt.
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Wissenschaftler wie Alison L. Ling betonen: Die Produktionsgeschwindigkeit der Chemikalien übersteigt die Reinigungskapazitäten bei weitem. Hans Peter Arp verweist auf die stetige Akkumulation in Wäldern, Gewässern und der Nahrungskette.
Die Botschaft der Forschung ist eindeutig: Nachträgliche Reinigung ist keine nachhaltige Lösung. Der einzige Weg führt über ein Produktionsverbot an der Quelle.
