Pflanzendrinks im Test: 87 Prozent mit Calcium angereichert
Veröffentlicht am: 04.11.2026 um 00:24 Uhr | Redaktion boerse-global.deEine rein pflanzliche ErnĂ€hrung gewinnt stetig an Zuspruch, erfordert jedoch eine sorgfĂ€ltige Zusammenstellung des Speiseplans. WĂ€hrend eine ausgewogene pflanzliche Kost reich an Ballaststoffen, Vitaminen, Mineralstoffen sowie Antioxidantien ist und dazu beitragen kann, das LDL-Cholesterin zu senken sowie Blutzucker- und Herz-Kreislauf-Werte zu verbessern, birgt der vollstĂ€ndige Verzicht auf tierische Erzeugnisse potenzielle Risiken fĂŒr die NĂ€hrstoffversorgung.
Fachleute weisen darauf hin, dass insbesondere die Abdeckung essenzieller MikronÀhrstoffe eine vorausschauende Planung oder gezielte ErgÀnzung voraussetzt.
Kritische MikronÀhrstoffe und die Bedeutung von Vitamin B12
Als zentraler Risikofaktor einer rein pflanzlichen ErnĂ€hrung gilt Vitamin B12, da dieses fĂŒr die Bildung roter Blutkörperchen, die Funktion des Nervensystems und den normalen Energiestoffwechsel unerlĂ€sslich ist.
Da pflanzliche Lebensmittel praktisch keine verlĂ€ssliche Quelle bieten und Produkte wie Nori-Algen als unzuverlĂ€ssig eingestuft werden, ist eine Supplementierung bei veganer Kost notwendig. Ein Mangel kann zu neurologischen Störungen, Blutarmut sowie einem Anstieg des Risikos fĂŒr Herz-Kreislauf-Erkrankungen fĂŒhren.
Die Deutsche Gesellschaft fĂŒr ErnĂ€hrung gibt fĂŒr Erwachsene einen SchĂ€tzwert von 4 Mikrogramm tĂ€glich an, wĂ€hrend in Fachkreisen fĂŒr Erwachsene eine tĂ€gliche Zufuhr von 4 bis 10 Mikrogramm ĂŒber PrĂ€parate genannt wird.
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Zu den weiteren NĂ€hrstoffen, die bei veganer ErnĂ€hrung besondere Aufmerksamkeit verlangen, zĂ€hlen Eisen, Zink, Calcium, Vitamin D, Jod, Cholin und Omega-3-FettsĂ€uren. Pflanzliches Non-HĂ€m-Eisen weist eine geringere BioverfĂŒgbarkeit auf als tierisches Eisen; die Resorption lĂ€sst sich jedoch durch die gleichzeitige Aufnahme von Vitamin C verbessern.
Bei Omega-3-FettsÀuren liegt die körpereigene Umwandlungsrate der pflanzlichen Alpha-LinolensÀure in EicosapentaensÀure bei lediglich 5 bis 10 Prozent und in DocosahexaensÀure bei nur 0 bis 4 Prozent, weshalb die Einnahme von Algenöl-DHA empfohlen wird.
Vitamin D kann bei ausreichender Sonnenbestrahlung ĂŒber UV-B-Licht zu bis zu 90 Prozent im Körper selbst gebildet werden; in Deutschland werden nach Angaben des Robert Koch-Instituts lediglich 10 bei 20 Prozent ĂŒber die Nahrung zugefĂŒhrt. Als vegane Nahrungsquellen gelten unter anderem Champignons, Pfifferlinge, Steinpilze, Speisemorcheln und angereicherte Margarine.
Pflanzliche Proteine und das Angebot an Milcherersatz
Die EiweiĂversorgung lĂ€sst sich durch pflanzliche Lebensmittel wie HĂŒlsenfrĂŒchte, Tofu, Soja, Hafer, Quinoa sowie verschiedene NĂŒsse und Saaten sicherstellen. Um eine optimale biologische Wertigkeit zu erreichen, wird eine Kombination von HĂŒlsenfrĂŒchten mit Getreide empfohlen.
Beim Ersatz von Kuhmilch bestehen deutliche Unterschiede. Wie Silke Raffeiner von der Verbraucherzentrale SĂŒdtirol darlegt, liefert Kuhmilch nennenswerte Mengen an Calcium, Jod, Vitamin B12 und Vitamin B2, wobei ernĂ€hrungswissenschaftliche Fachgesellschaften in Deutschland und Ăsterreich tĂ€glich zwei Portionen Milch oder Milchprodukte empfehlen. Unter den pflanzlichen Alternativen reicht bezĂŒglich Proteingehalt und -qualitĂ€t lediglich der Sojadrink an herkömmliche Milch heran.
Zudem unterscheiden sich Pflanzendrinks erheblich in ihrem NĂ€hrstoffprofil. Eine Untersuchung der Verbraucherzentrale NRW aus dem Jahr 2024 an 160 Pflanzendrinks ergab, dass 87 Prozent der konventionellen Produkte mit Calcium, 71 Prozent mit Vitamin B12, 47 Prozent mit Vitamin B2 und 29 Prozent mit Jod angereichert waren.
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Bei Bio-Erzeugnissen, bei denen die EU-Bio-Verordnung 2018/848 eine Anreicherung mit isolierten Vitaminen und Mineralstoffen untersagt, wiesen lediglich 6 Prozent einen Zusatz ĂŒber calciumhaltige Algen auf.
Besondere Anforderungen in sensiblen Lebensphasen
FĂŒr sensible Personengruppen wie SĂ€uglinge, Kleinkinder, Schwangere, Stillende sowie Ă€ltere Menschen erfordert eine vegane ErnĂ€hrungsweise eine besonders engmaschige Kontrolle.
Im fortgeschrittenen Lebensalter kann eine RĂŒckbildung der Magenschleimhaut die Aufnahme von Vitamin B12 erschweren, was das Risiko fĂŒr neurologische Defizite und Blutarmut erhöht. Zudem steigen bei unzureichender Calcium- und Vitamin-D-Versorgung die Gefahren von Osteoporose und KnochenbrĂŒchen.
Fachleute raten daher bei rein pflanzlicher Kost zu regelmĂ€Ăigen Blutbildkontrollen in AbstĂ€nden von sechs bis zwölf Monaten, um MangelzustĂ€nde frĂŒhzeitig zu erkennen und die Zufuhr essenzieller NĂ€hrstoffe individuell anzupassen.
