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Pflanzliche Präparate: BfR warnt vor 117 gefährlichen Stoffen

Veröffentlicht: 18.07.2026 um 06:09 Uhr, Redaktion boerse-global.de

Eine Analyse des BfR zeigt Gesundheitsrisiken vieler pflanzlicher Präparate auf, darunter Leberschäden durch Ashwagandha und Kurkuma.

BfR-Studie: 117 Pflanzenstoffe als gefährlich eingestuft
Ein detailliertes Bild eines Lebermodells, umgeben von verschiedenen Kräuterkapseln und Nahrungsergänzungsmitteln, die potenzielle Schäden andeuten. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Doch Verbraucherschützer und das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) zeichnen ein kritisches Bild. Die Analyse zeigt: Zahlreiche frei verkäufliche Stoffe bergen erhebliche Gesundheitsrisiken – von Organschäden bis zu lebensbedrohlichen Komplikationen.

117 gefährliche Pflanzenstoffe identifiziert

Fachbehörden haben in einer Bestandsaufnahme 117 pflanzliche Stoffe als potenziell gefährlich eingestuft. Sie stehen im Verdacht, krebserregend oder erbgutschädigend zu wirken. Für zwölf dieser Substanzen – darunter Ashwagandha, Maca, Curcumin und Melatonin – sehen Experten dringenden Regulierungsbedarf.

Besonders kritisch: die Leberschädigung durch bestimmte Pflanzenextrakte. Für acht Stoffe wurden Leberschäden dokumentiert. Dazu gehören Ashwagandha (Schlafbeere), Baikal-Helmkraut, Grüntee-Extrakt (EGCG), Kurkuma, Kratom, Garcinia cambogia und Polygonum multiflorum. Das BfR rät zudem explizit vom Verzehr von Eisenhut, Fingerhut, Meerträubel, Weißem Stechapfel und Wurmfarn ab.

Die Kombination von Curcumin mit Piperin kann das Risiko für Leberschäden erhöhen – und zwar ab einer täglichen Aufnahme von 3 mg pro Kilogramm Körpergewicht. Auch die Langzeiteinnahme von Melatonin steht in der Kritik: Eine Studie mit 130.000 Erwachsenen zeigt ein erhöhtes Risiko für Herzinsuffizienz.

Rotschimmelreis: Wenn Nahrungsergänzung zur Medizin wird

Ein Paradebeispiel für die Grauzone zwischen Supplement und Arznei ist Rotschimmelreis (Monascus Purpureus). Er enthält Monacolin K – chemisch identisch mit dem verschreibungspflichtigen Cholesterinsenker Lovastatin. In der Schweiz ist der Vertrieb solcher Produkte daher sowohl als Lebensmittel als auch als Arzneimittel verboten.

Die EU hat die tägliche Aufnahme von Monacolin K bereits 2022 auf unter 3 mg begrenzt. Grund: die bekannten Risiken von Lovastatin wie Muskel- und Leberschäden sowie Wechselwirkungen. Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) konnte weder 2018 noch 2025 eine sichere Aufnahmemenge festlegen.

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Vitamin D und K2: Studie entzaubert Hoffnung

Die Wirksamkeit populärer Supplemente wird zunehmend infrage gestellt. Eine 2026 veröffentlichte Studie belegt: Die kombinierte Einnahme von Vitamin D und K2 bringt keine messbare Verbesserung der Knochengesundheit. Die Osteoporose-Leitlinien 2023 bis 2026 raten daher von Vitamin K2 ab.

Anders sieht es in der Dermatologie aus: Eine Studie der University of Illinois in JAMA Dermatology (Juli 2026) deutet darauf hin, dass hochdosiertes Vitamin D in bestimmten medizinischen Kontexten Hauttoxizität lindern könnte.

Kritisch bewertet wird auch L-Carnitin. Der Körper bildet diesen Stoff selbst, und eine Mischkost liefert meist ein Vielfaches des Bedarfs. Eine Supplementierung ist für Gesunde überflüssig. Fachleute warnen: Eine Überversorgung kann die körpereigene Produktion hemmen. Zudem besteht der Verdacht, dass die Umwandlung zu TMAO die Entstehung von Arteriosklerose fördert.

Foodwatch zeichnet LaVita mit Negativpreis aus

Die Vermarktung von Nahrungsergänzungsmitteln steht unter Beobachtung. 2026 zeichnete Foodwatch das Produkt LaVita mit dem Negativpreis „Windbeutel des Jahres“ aus. Kritiker werfen dem Hersteller irreführende Gesundheitsversprechen vor. Das Konzentrat wird zu einem Literpreis von rund 100 Euro verkauft. Bei der empfohlenen Tagesdosis überschreitet es bei acht von zehn untersuchten Nährstoffen die Referenzmengen – bei doppelter Dosierung sogar bei 14 Nährstoffen. Firmenchef Gerd Truntschka wies die Vorwürfe zurück.

Repräsentative Umfragen zeigen: Rund 95 Prozent der Befragten befürworten eine verpflichtende Sicherheitsprüfung für Nahrungsergänzungsmittel vor dem Markteintritt.

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Gefahr aus dem Netz: Unregulierte Online-Präparate

Abseits etablierter Vertriebswege bergen unregistrierte Online-Produkte massive Gefahren. Eine Patientin aus Litauen erlitt nach der Selbstinjektion im Internet erworbener Peptide schwere Magen-Darm-Störungen und lag wochenlang im Krankenhaus. In Vietnam fiel ein Patient nach der Einnahme eines illegalen Mittels mit dem Wirkstoff Phenylbutazon ins Koma und erlitt ein akutes Nierenversagen.

Mediziner warnen eindringlich vor der Selbstmedikation mit Präparaten ungeklärter Herkunft. Aktuelle Leitlinien zum kardiovaskulär-metabolischen Syndrom (CKM) vom Juli 2026 setzen daher primär auf Lebensstiländerungen und evidenzbasierte Medikamente. Daten der Tufts University zeigen: Bereits eine abwechslungsreiche pflanzliche Ernährung mit 30 verschiedenen Pflanzenarten pro Woche senkt das Krankenhausrisiko statistisch um 31 Prozent.

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