Pflanzliches, Eisen

Pflanzliches Eisen: Keimung kann die Aufnahme auf das Zwei- bis Dreifache steigern

Veröffentlicht am: 06.11.2026 um 05:44 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Keimen und Fermentieren können Phytate senken; Vitamin C unterstĂŒtzt die Aufnahme von Eisen aus pflanzlichen Lebensmitteln.
Nahaufnahme von Linsen, getrockneten Aprikosen und frischem Spinat auf einer hölzernen Unterlage. Illustration mit AI erstellt.

Aktuelle FachbeitrĂ€ge widmen sich verstĂ€rkt der Frage, wie der menschliche Eisenbedarf ĂŒber pflanzliche Lebensmittel gedeckt werden kann. Im Zentrum der Diskussionen stehen biochemische Stoffwechselprozesse sowie Vorbehandlungsmethoden wie das Keimen und Fermentieren, die eine entscheidende Rolle fĂŒr die BioverfĂŒgbarkeit von Spurenelementen spielen.

Die HĂŒrden pflanzlicher Eisenquellen

Der menschliche Körper eines Erwachsenen enthÀlt im Schnitt etwa 4 bis 5 Gramm Eisen. Davon befinden sich zirka 75 Prozent im HÀmoglobin, im Myoglobin und anderen Verbindungen, wÀhrend rund 25 Prozent als Speichereisen in Form von Ferritin in Leber, Milz und Knochenmark gebunden sind.

Bei der rein pflanzlichen Zufuhr steht der Organismus vor einer ResorptionshĂŒrde: Aus pflanzlichen Lebensmitteln (Nicht-HĂ€m-Eisen) nimmt der Körper lediglich 1 bis 15 Prozent des enthaltenen Eisens auf. HĂ€m-Eisen aus tierischen Quellen wird hingegen deutlich leichter absorbiert.

Zu den Haupthindernissen zÀhlen sogenannte AntinÀhrstoffe wie PhytinsÀure und Phosphate. PhytinsÀure bindet im Verdauungstrakt Mineralstoffe wie Eisen, Zink, Calcium und Magnesium.

Ein in der Fachzeitschrift Food Science & Nutrition erschienener Übersichtsartikel unterscheidet dabei strikt zwischen dem reinen NĂ€hrstoffgehalt eines Lebensmittels und Parametern wie BiozugĂ€nglichkeit, BioverfĂŒgbarkeit, Absorption und tatsĂ€chlicher Utilisation.

Beispielsweise liefert eine halbe Tasse gekochte Linsen rund 3 Milligramm Eisen, und eine halbe Tasse gekochter Spinat enthÀlt nach Daten des US-Landwirtschaftsministeriums USDA ebenfalls etwa 3 Milligramm.

Bei getrockneten FrĂŒchten liefern Rosinen etwa 2,6 Milligramm Eisen pro 100 Gramm; pro halber Tasse entsprechen dies 1,5 Milligramm, verglichen mit 3,5 Milligramm bei getrockneten Aprikosen, 0,9 Milligramm bei Pflaumen und 0,7 Milligramm bei Datteln. Zudem enthĂ€lt eine handelsĂŒbliche Sushi-Alge aus Nori zwar pflanzliches Eisen, wiegt jedoch nur ein bis zwei Gramm, was ihren quantitativen Beitrag zur Gesamtaufnahme stark begrenzt.

Keimung und Fermentation reduzieren Phytate

Um die Resorption zu optimieren, rĂŒcken traditionelle Verarbeitungsprozesse in den Fokus. Die Keimung von HĂŒlsenfrĂŒchten wie Linsen, Bohnen oder Kichererbsen aktiviert Enzyme, die StĂ€rke sowie Proteine abbauen und körpereigene Phytase in Gang setzen.

Laut Berichten baut ein 48- bis 72-stĂŒndiger Keimprozess bis zu 75 Prozent der PhytinsĂ€ure ab, wodurch sich das bioverfĂŒgbare Eisen um das Zwei- bis Dreifache erhöht. So liefern Linsen-Sprossen 6,5 Milligramm und Alfalfa-Sprossen 3,5 Milligramm Eisen pro 100 Gramm.

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Fachleute betonen jedoch, dass die Resultate je nach HĂŒlsenfruchtart und Bedingungen schwanken und gekeimte HĂŒlsenfrĂŒchte trotz gesteigerter NĂ€hrstoffdichte nicht pauschal als Superfood eingestuft werden sollten. Aufgrund möglicher Verunreinigungen mit Salmonellen oder Listerien wird Schwangeren, Kindern, Ă€lteren Personen und ImmungeschwĂ€chten empfohlen, Sprossen nicht roh zu verzehren.

Auch die Fermentation zeigt messbare Effekte: Bei Urad Dal senkt eine acht- bis zwölfstĂŒndige Fermentation bei 30 bis 35 Grad Celsius den PhytinsĂ€uregehalt um 50 bis 70 Prozent und steigert die Eisen-BioverfĂŒgbarkeit um 30 bis 35 Prozent.

Eine selbstgemachte Portion kostet dabei 0,15 bis 0,30 US-Dollar gegenĂŒber 3 bis 8 US-Dollar bei kommerziellen Produkten. Bei Histaminintoleranz, aktiven Magen-Darm-Infektionen oder bestimmten Antibiotika-Behandlungen sollte das Produkt jedoch gemieden werden.

Eine Studie aus dem Jahr 2024 zeigte zudem, dass die Kombination aus Einweichen, Keimen und einer Fermentation mit Lactiplantibacillus plantarum Phytate um bis zu 85,6 Prozent verringern kann.

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ErgÀnzend ergab eine Untersuchung an sieben Hirse-Linien, dass das Keimen im Vergleich zu Mahlen, Einweichen und Rösten mit 7,51 Milligramm Eisen pro 100 Gramm sowie 21,84 Milligramm Calcium die höchsten Mittelwerte erzielte.

Die PhytinsÀure sank auf den Tiefstwert von 2,85 Milligramm pro Gramm, wÀhrend die ?-Amylase-AktivitÀt maximal ausfiel; bei der Linie Phule Barti-1 lag der Rohproteingehalt bei 10,95 Prozent, und die Linie KIBMG-22-13 erreichte Höchstwerte bei der Protease-AktivitÀt.

Zusammenspiel hemmender und fördernder Faktoren

Neben Phytaten beeintrĂ€chtigen auch Oxalate in Rhabarber, Petersilie, Tee und Spinat die NĂ€hrstoffaufnahme. Laut dem Bundeszentrum fĂŒr ErnĂ€hrung und Verbraucherzentralen hemmt OxalsĂ€ure im Darm die Aufnahme von Calcium, Eisen und Magnesium; enthaltene Calciumanteile binden OxalsĂ€ure bereits im Verdauungstrakt zu schwerlöslichem Calciumoxalat. Zudem können chronisch niedrige MagensĂ€ure, DarmentzĂŒndungen, eine hohe Calciumzufuhr sowie SchilddrĂŒsenstörungen die Resorption im DĂŒnndarm dĂ€mpfen.

Umgekehrt fördert Vitamin C die Aufnahme von Nicht-HĂ€m-Eisen signifikant und kann diese um nahezu 300 Prozent steigern. Auch bestimmte Zucker und AminosĂ€uren begĂŒnstigen die Resorption.

Daher empfiehlt es sich, pflanzliche TrĂ€ger wie HĂŒlsenfrĂŒchte, Tofu oder Samen mit Vitamin-C-reichen Zutaten wie Paprika oder ZitrusfrĂŒchten zu kombinieren. Kaffee und Tee sollten wegen ihrer hemmenden Wirkung nicht unmittelbar zur Mahlzeit getrunken werden; angeraten wird ein zeitlicher Abstand von ein bis zwei Stunden.

Verbreitung von MangelzustÀnden und TherapieansÀtze

Eisenmangel entsteht typischerweise durch eine unzureichende Zufuhr, gestörte Darmresorption oder erhöhte Verluste wie etwa chronische Blutungen, MagengeschwĂŒre oder starke Menstruationsblutungen. Nach vorliegenden Daten weisen rund 20 Prozent der Frauen im gebĂ€rfĂ€higen Alter in Deutschland und jede vierte Frau in der Schweiz einen Eisenmangel auf.

Studien zufolge ist etwa ein Drittel der Frauen in dieser Altersgruppe an Ferritin unterversorgt. Typische Symptome umfassen chronische MĂŒdigkeit, blasse Haut, Haarausfall, brĂŒchige NĂ€gel und Konzentrationsprobleme.

FÀllt der Ferritinwert unter 15, wird eine Àrztliche AbklÀrung angeraten. Bei einer therapeutischen Supplementierung kommen Dosierungen von 50 bis 100 Milligramm Eisensulfat, 25 bis 50 Milligramm Eisenbisglycinat oder 10 bis 20 Milligramm HÀm-Eisen tÀglich zum Einsatz.

EisenprĂ€parate sollten morgens nĂŒchtern und mit mindestens zwei Stunden Abstand zu Zink, Magnesium, Kaffee, Tee oder Milchprodukten eingenommen werden. Pharmazeutische Fachleute weisen darauf hin, dass eine Einnahme im zweitĂ€gigen Rhythmus die VertrĂ€glichkeit verbessern kann.

WĂ€hrend Betroffene ĂŒber spĂŒrbare Besserungen nach vier bis acht Wochen berichten, lassen sich messbare VerĂ€nderungen der Blutwerte in der Regel nach zwei bis drei Monaten feststellen.

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