Pflege-Roboter: AIREC erreicht 87,5 Prozent bei Positionswechseln im Bett
Veröffentlicht am: 26.10.2026 um 00:09 Uhr | Redaktion boerse-global.dePflegeeinrichtungen weltweit testen und implementieren verstärkt Robotersysteme, um das Pflegepersonal zu entlasten und die Selbstständigkeit von Bewohnern zu fördern. Angesichts des demografischen Wandels und des wachsenden Fachkräftemangels greifen Seniorenresidenzen in Europa, Asien und weiteren Regionen auf technische Assistenzlösungen zurück, die von kognitiver Beschäftigung bis zu körperlicher Entlastung reichen.
Soziale Interaktion und Beschäftigung im Heimalltag
In europäischen Einrichtungen kommen vor allem Systeme zur Aktivierung und Unterhaltung zum Einsatz. In Schweden platzierte die Gemeinde Nynäshamn die Roboter Robin und Doris in zwei Seniorenheimen. Die Geräte übernehmen Aufgaben wie Bingoansagen, Internetcafés, Vorlesen sowie die Begleitung bei Spaziergängen und können in verschiedenen Sprachen kommunizieren.
Das Projekt, an dem ein Pflegeunternehmen, ein Technikanbieter und die Hochschule Halmstad beteiligt sind, untersucht die Interaktion der Senioren mit den Maschinen sowie die Bedingungen für eine dauerhafte Nutzung.
Projektleiterin Linda Strand hob hervor, dass die mit unterschiedlichen Persönlichkeiten programmierten Roboter die Lebensqualität steigern und das Personal ergänzen, nicht aber ersetzen sollen.
In Deutschland unterstützt der Sozialroboter Henry seit Juni das Betreuungsteam im BRK-Seniorenzentrum in Neuburg. Das 75 Zentimeter große und acht Kilogramm schwere Modell mit großen Augen, freundlicher Stimme und blauer Strickmütze bietet interaktive Gespräche und Spiele wie das Erraten von Berufen an.
Nach einem Update kann das Gerät zudem singen, Witze erzählen und Gedichte rezitieren. Auch der baugleiche Pflegeroboter Peter, der ebenfalls 75 Zentimeter groß und acht Kilogramm schwer ist, hört Bewohnern zu und vertieft Gespräche über Erinnerungen an Schule, Kindheit und frühere Feste.
Wer sich mit moderner Seniorenbetreuung und geistiger Aktivierung befasst, erkennt schnell den Wert gezielter Übungen für die mentale Fitness. Dieser kostenlose Ratgeber zeigt Ihnen 11 praktische Alltagsübungen, mit denen Sie Ihr Gehirn bis ins hohe Alter fit halten und Demenz aktiv vorbeugen können. 11 Alltagsübungen zur Demenzvorbeugung jetzt kostenlos sichern
Internationale Initiativen und Überwindung von Barrieren
In Singapur stellte die Organisation Lions Home kürzlich mehrere Technologien vor. In zwei Pflegeheimen in Bishan und Bedok mit zusammen 384 Betten befinden sich 14 Exemplare des mehrsprachigen Begleitroboters Kebbi im Einsatz.
Bei einer Vorführung sang eine 80-jährige Bewohnerin mit dem Roboter englische Lieder aus den 1970er Jahren. Vorstandspräsident She Shaojiang betonte, die Geräte dienten als Ergänzung des Personals und hülfen insbesondere, sprachliche Hürden von Pflegekräften aus Indien, Myanmar und den Philippinen zu überbrücken.
Lions Home präsentierte an dem Termin, an dem auch Staatsminister Tan Kiat How teilnahm, ergänzend Haustierroboter, ein Smart-Ward-Überwachungssystem und Physiotherapietechnik. Der Bedarf ist hoch: Laut dem Population Briefing 2026 sind in diesem Jahr 21,4 % der Bürger in Singapur mindestens 65 Jahre alt, bis 2035 soll der Anteil auf mehr als ein Viertel steigen.
Auch in China, wo Ende 2025 laut Berichten über 320 Mio. Menschen beziehungsweise 23 % der Bevölkerung 60 Jahre oder älter waren, etablieren Seniorenheime in Metropolen wie Peking, Shanghai, Shenzhen und Hangzhou Begleitroboter. In Australien läuft bei einem Betreiber seit 2024 eine bis zu zweijährige Testphase mit dem Roboter Abi von Andromeda Robotics.
Während Roboter die kognitive Beschäftigung unterstützen, können Betroffene und Angehörige auch selbst aktiv werden, um erste Anzeichen von Vergesslichkeit richtig einzuordnen. Ein anonymer Selbsttest mit 7 gezielten Fragen bietet Ihnen in nur 2 Minuten eine erste, expertenbasierte Einschätzung zu möglichen Demenz-Warnsignalen. Hier geht es zum kostenlosen Demenz-Selbsttest
Körperliche Entlastung und regulatorische Fragen
Neben Beschäftigung steht die körperliche Entlastung im Fokus. Auf dem K-AgeTech Global Forum am 21. Oktober 2026 in Seoul zeigte der humanoide Roboter AIREC der Waseda-Universität bei Experimenten mit Menschen eine Erfolgsquote von 87,5 % bei Positionsveränderungen im Bett.
Die 150 kg schwere und 1.660 mm große Maschine verfügt über 36 Achsen, drei Stunden Betriebsdauer und eine Armtraglast von bis zu 20 kg. Eine auf dem Forum vorgestellte Erhebung des AgeTech-Instituts der Kyung-Hee-Universität ergab, dass sich 35,3 % des Pflegeheimpersonals vor allem Entlastung bei Transfer und Mobilität wünschen; die Arbeitsbelastung wurde im Schnitt mit 72,3 von 100 Punkten beziffert.
Unterdessen fördert das National Institute on Aging das Unternehmen Hello Robot seit dem 22. September 2026 mit fast 3 Mio. US-Dollar für eine bis Mai 2029 laufende Studie zum Stretch-Roboter bei beginnender Demenz, an der 60 ältere Erwachsene, Angehörige und Pflegekräfte gemeinsam mit der University of Illinois Urbana-Champaign teilnehmen.
Zugleich stehen Betreiber vor Herausforderungen wie Datenschutz und ethischen Fragen, während internationale Normen wie die ISO 13482:2014 derzeit überarbeitet werden.
