Pflegekrise, Defizit

Pflegekrise 2026: Defizit von 7,5 Milliarden Euro erwartet

Veröffentlicht am: 07.08.2026 um 13:29 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Das Pflegeneuordnungsgesetz stößt auf breiten Widerstand: Verbände und Politiker fordern Nachbesserungen, während die Pflegekassen mit wachsenden Defiziten kämpfen.

Pflegeneuordnungsgesetz: Kritik an Belastungen und Finanzierung wächst
Ein medizinisches Dokument und eine Brille auf einem Holztisch in einer modernen Pflegeeinrichtung. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Das von Gesundheitsminister Linnemann vorgelegte Pflegeneuordnungsgesetz (PNOG) hat eine Debatte über die künftige Ausgestaltung der pflegerischen Versorgung in Deutschland ausgelöst. Während die Reform als wesentlicher Belastungstest für die Amtsführung des Ministers gilt, zeichnet sich in der politischen Landschaft sowie bei Wohlfahrtsverbänden deutlicher Widerstand ab. Insbesondere die Regierungspartner der SPD sowie die CSU dringen auf grundlegende Korrekturen am vorliegenden Entwurf.

Kritikpunkte am Entwurf des Pflegeneuordnungsgesetzes

Die Arbeiterwohlfahrt (AWO) bewertet den aktuellen Entwurf des PNOG kritisch. Die AWO-Präsidentin Kathrin Sonnenholzner bezeichnete das Vorhaben als unausgewogen und wertete es als Belastungspaket, das die falschen Zielgruppen treffe. Nach Einschätzung des Verbandes sieht das Gesetz verschärfte Hürden für die Einstufung in die Pflegegrade 2 und 3 vor. Zudem kritisiert der Verband, dass die Erhöhung von Leistungszuschlägen zeitlich nach hinten verschoben werden soll.

Weitere Kernpunkte der Kritik betreffen die soziale Absicherung der Pflegenden sowie die Finanzierung des Systems. Der Entwurf sieht laut AWO-Angaben Kürzungen bei den Rentenansprüchen für pflegende Angehörige sowie die Wiedereinführung der Elternhaftung vor. Zudem soll die Tarifpflicht für einen Zeitraum von vier Jahren ausgesetzt werden. Angesichts der Tatsache, dass zwei Drittel der Pflegeleistungen in Deutschland durch Angehörige erbracht werden, fordert der Verband den Übergang zu einer solidarischen Pflegevollversicherung.

Finanzielle Schieflage der Pflegeversicherung

Die Notwendigkeit einer Reform wird durch die prekäre finanzielle Situation der Pflegekassen unterstrichen. Daten aus dem August 2026 verdeutlichen den wirtschaftlichen Druck: Nachdem die Pflegeversicherung im Jahr 2025 ein Defizit von 490 Millionen Euro verzeichnete, wird für das Jahr 2026 ein Fehlbetrag von 7,5 Milliarden Euro prognostiziert. Bis zum Jahr 2028 könnte dieses Defizit auf über 15 Milliarden Euro ansteigen.

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Gleichzeitig steigen die Eigenanteile für die Versicherten massiv an. In Berlin liegt der monatliche Eigenanteil für einen Platz im Pflegeheim inzwischen bei 3750 Euro, während dieser im Jahr 2019 noch 1850 Euro betrug. Der bundesweite Durchschnitt beläuft sich auf 3364 Euro. Dem stehen Leistungen der Pflegekasse gegenüber, die sich je nach Pflegegrad in einem Rahmen von 770 Euro bis 2005 Euro bewegen.

Strukturelle Herausforderungen und systemische Belastungen

Ein wesentlicher Streitpunkt bleibt die Finanzierung versicherungsfremder Leistungen. Diese umfassen Rentenbeiträge in Höhe von 3,7 Milliarden Euro sowie Kosten aus der Corona-Pandemie im Umfang von 6 Milliarden Euro. Die AWO kritisierte in diesem Zusammenhang auch das GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz (BStabG) und forderte eine vollständige Refinanzierung tariflich bedingter Kostensteigerungen. Zwar sollen laut dem Verband 50 Prozent der Differenz zwischen Tarifsteigerungen und Veränderungsraten als wirtschaftlich anerkannt werden, dies sei jedoch nur befristet und teilweise vorgesehen.

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Die langfristige Perspektive verschärft den Handlungsdruck zusätzlich. Derzeit werden in Deutschland 6,01 Millionen Pflegebedürftige gezählt. Prognosen gehen davon aus, dass diese Zahl bis zum Jahr 2055 um etwa 37 Kosten auf rund 6,8 Millionen Menschen ansteigen wird. Während die Bund-Länder-Arbeitsgruppe „Zukunftspakt Pflege“ an Konzepten für die langfristige Sicherung arbeitet, verdeutlicht die aktuelle Kritik am PNOG die Schwierigkeit, eine Balance zwischen finanzieller Stabilität und der Entlastung von Pflegebedürftigen sowie deren Angehörigen zu finden.

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