Pflegende, Angehörige

Pflegende Angehörige: 53 Prozent fĂŒhlen sich psychisch stark belastet

Veröffentlicht am: 06.10.2026 um 03:48 Uhr | Redaktion boerse-global.de

In Italien sind mehr als 12 Millionen Erwachsene als Caregiver tĂ€tig; regionale Angebote setzen auf psychologische UnterstĂŒtzung und Entlastung.

Piemonte und Valle d’Aosta rĂŒcken Belastung pflegender Angehöriger in den Fokus
Ein ruhiger, sonnendurchfluteter Bereich in einem modernen Gesundheitszentrum mit einem einzelnen Holzstuhl. Illustration mit AI erstellt.

AnlÀsslich des Tages des onkologischen Caregivers und des EuropÀischen Tages des Caregivers am 6. Oktober 2026 setzen die italienischen Regionen Piemonte und Valle d'Aosta einen Schwerpunkt auf die psychische Belastung und das Engagement pflegender Angehöriger.

Im Rahmen einer regionalen Aktionswoche engagieren sich 23 KrankenhÀuser und Gesundheitsbetriebe, um die oft unbemerkte Alltagsbelastung betroffener Familien sichtbar zu machen und konkrete Hilfen anzubieten.

Regionale Initiativen zur Burnout-PrÀvention

Im Zentrum der Maßnahmen in der Region Piemonte steht das regionale Projekt Protezione Famiglie Fragili, das speziell auf besonders vulnerable Familien ausgerichtet ist. Das Programm zielt darauf ab, UnterstĂŒtzungsbedĂŒrfnisse systematisch zu erfassen, fĂŒr spĂŒrbare Entlastung zu sorgen und psychologische Schulungen bereitzustellen, um einer Erschöpfung oder einem Burnout pflegender Bezugspersonen vorzubeugen.

Am Nationalen Onkologischen Institut Candiolo, an dem das Projekt Protezione Famiglie Fragili bereits seit 2003 etabliert ist, findet am 6. Oktober 2026 ein entsprechender Informationstag statt. Dort werden Angebote zu Kommunikation, StressbewĂ€ltigung und psychologischer UnterstĂŒtzung vorgestellt.

ErgĂ€nzend dazu organisieren die ASL Novara und die Organisation Mimosa in Borgomanero ein von 18:00 bis 19:30 Uhr angesetztes Treffen fĂŒr Interessierte, bei dem freier Eintritt bis zur Platzgrenze gewĂ€hrt wird.

Statistische Dimension und legislative Vorhaben

Die Initiativen beruhen auf einer breiten gesellschaftlichen Notwendigkeit. Laut Daten des Statistikamtes Istat fĂŒr das Jahr 2024 sind 24,9 % der erwachsenen Bevölkerung Italiens als Caregiver tĂ€tig, was mehr als 12 Millionen Menschen entspricht.

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Wer tĂ€glich fĂŒr einen geliebten Menschen sorgt, kennt das GefĂŒhl, die eigene Kraft hintenanzustellen. In einer Befragung von 1.012 pflegenden Angehörigen gaben 53 Prozent an, psychisch stark belastet zu sein – bei Angehörigen von Menschen mit Demenz sogar 71 Prozent. Unser kostenloser Guide zeigt Ihnen, wie Sie Warnsignale frĂŒh erkennen und mit kleinen Übungen gegensteuern. Jetzt kostenlosen Pflege-Guide anfordern

Rund 4,4 Millionen von ihnen leben als pflegende Angehörige mit der betreuten Person im selben Haushalt zusammen. Auch Angaben der Nachrichtenagentur ANSA bestĂ€tigen, dass mehr als 12 Millionen Erwachsene unentgeltliche Hilfe fĂŒr Angehörige, Verwandte oder Freunde leisten, darunter 4,4 Millionen im gemeinsamen Haushalt lebende Angehörigen-Caregiver.

Zur StĂ€rkung der Strukturen wurden der Region Piemonte fĂŒr das Jahr 2025 Mittel in Höhe von 2,373 Millionen Euro aus dem nationalen Fonds fĂŒr pflegende Angehörige zugewiesen. Zudem wird auf parlamentarischer Ebene in Italien der Gesetzentwurf 2789 zum Schutz pflegender Angehöriger in der Abgeordnetenkammer beraten.

Hohe Belastung im internationalen Kontext

Die beobachtete Überlastung deckt sich mit internationalen Erkenntnissen. Eine Auswertung von 29 Studien aus den vergangenen 20 Jahren, die weltweit mehr als 81.000 pflegende Angehörige umfasst, zeigt, dass Pflegende ihre eigene psychische Gesundheit hĂ€ufig vernachlĂ€ssigen. Psychische Erkrankungen treten bei ihnen deutlich hĂ€ufiger auf als in der Allgemeinbevölkerung.

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Dieser Trend wird auch durch Erhebungen des Zentrums fĂŒr QualitĂ€t in der Pflege gestĂŒtzt: In einer Befragung von 1.012 pflegenden Angehörigen gaben 53 % an, psychisch belastet zu sein, wĂ€hrend 38 % von körperlichen Belastungen berichteten.

Bei Angehörigen von Menschen mit Demenz stieg der Anteil der psychisch Belasteten auf 71 % und der körperlich Belasteten auf 47 %. Gezielte Schulungen, psychologische Begleitung und Entlastungsangebote gelten vor diesem Hintergrund als zentrale Hebel, um Betroffene dauerhaft vor Überlastung zu bewahren.

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