Pflegereform, Verhinderungspflege

Pflegereform 2027: Verhinderungspflege entfÀllt, Pflegegeld halbiert

Veröffentlicht: 08.07.2026 um 04:23 Uhr, Redaktion boerse-global.de

Das Pflegeneuordnungsgesetz stĂ¶ĂŸt auf breiten Widerstand von PflegekrĂ€ften und VerbĂ€nden. Sie befĂŒrchten eine sinkende VersorgungsqualitĂ€t durch die geplanten Einsparungen.

Pflegereform 2026: Proteste gegen geplante KĂŒrzungen wachsen
Pflegereform - PflegekrĂ€fte demonstrieren mit Schildern gegen die Pflegereform 2026 auf einer belebten Straße. 08.07.2026 - Bild: ĂŒber boerse-global.de

Gesundheitsministerin Nina Warken (CDU) treibt mit dem Pflegeneuordnungsgesetz (PNOG) die grĂ¶ĂŸte Reform der Branche seit Jahren voran. Doch der Widerstand wĂ€chst: PflegekrĂ€fte, VerbĂ€nde und TrĂ€ger laufen Sturm gegen die geplanten KĂŒrzungen. Sie fĂŒrchten eine massive Verschlechterung der Versorgung.

Hunderte PflegekrĂ€fte auf der Straße

In Hamburg gingen am 7. Juli mehrere hundert PflegekrĂ€fte auf die Straße. Ihr Protestzug fĂŒhrte vom Marienkrankenhaus direkt zur Sozialbehörde. Sie befĂŒrchten, dass die geplante Deckelung der Pflegekostenfinanzierung die QualitĂ€t der Pflege gefĂ€hrdet und den ohnehin hohen Arbeitsdruck weiter verschĂ€rft. UnterstĂŒtzung bekamen sie vom Deutschen Berufsverband fĂŒr Pflegeberufe (DBfK).

Bereits Mitte Juni hatten PflegekrĂ€fte in Stuttgart ihrem Unmut Luft gemacht. In ThĂŒringen setzte ein DRK-Pflegeheim in Rudolstadt mit der Aktion „Leeres Bett“ ein deutliches Zeichen. Eine Petition, die Verbesserungen statt KĂŒrzungen fordert, sammelte bis zum 7. Juli rund 2.800 Unterschriften. Viele BĂŒrger hĂ€tten die Tragweite der Reform noch nicht vollstĂ€ndig erfasst, warnen die Akteure.

Was die Branche am Gesetzesentwurf kritisiert

FachverbÀnde wie der Bundesverband privater Anbieter sozialer Dienste (bpa) und der Verband Deutscher Alten- und Behindertenhilfe (VDAB) bezeichnen den Entwurf als unzureichend. Die Kritikpunkte sind konkret:

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  • Verhinderungspflege: Ab dem 1. Januar 2027 soll die stundenweise Verhinderungspflege entfallen. Bisher wird das Pflegegeld bei einer Vertretung von unter acht Stunden tĂ€glich nicht gekĂŒrzt. KĂŒnftig sollen diese Leistungen in ein allgemeines Entlastungsbudget fließen.
  • Pflegegeld und EntlastungsbetrĂ€ge: SchĂ€rfere Schwellenwerte fĂŒr die Pflegegrade 1 bis 3 sind geplant. In den ersten drei Monaten des Pflegebezugs soll nur das halbe Pflegegeld ausgezahlt werden. Bei Pflegegrad 1 droht der Entlastungsbetrag ganz zu entfallen.
  • RentenbeitrĂ€ge: Der Verband der Ersatzkassen (vdek) kritisiert zudem PlĂ€ne, die RentenbeitrĂ€ge fĂŒr pflegende Angehörige zu senken.

Ein zentraler Streitpunkt: die geplante Begrenzung von VergĂŒtungssteigerungen. Pflegeeinrichtungen sind gesetzlich zur Zahlung von Tariflöhnen verpflichtet. Bei einer Deckelung der Refinanzierung entstĂŒnde eine sogenannte TariflĂŒcke. Die TrĂ€ger fĂŒrchten, auf den Kosten sitzen zu bleiben.

Milliardendefizite treiben die Reform

Der finanzielle Druck ist enorm. FĂŒr 2027 wird in der sozialen Pflegeversicherung ein Defizit von rund 7,6 Milliarden Euro erwartet. In der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) sieht es noch dĂŒsterer aus: Hier rechnet man mit mindestens 18,8 Milliarden Euro Minus.

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Der parlamentarische Zeitplan fĂŒr das PNOG geriet zuletzt ins Rutschen. UrsprĂŒnglich sollte das Gesetz am 6. Juli im Bundeskabinett beraten werden – daraus wurde nichts. Als neue Termine kursieren der 13. oder 15. Juli. Unionsfraktionschefs aus sechs BundeslĂ€ndern fordern unterdessen substanzielle Nachbesserungen.

Parallel dazu steht das GKV-Spargesetz vor dem Abschluss im Bundestag. Die Verabschiedung ist fĂŒr den 9. oder 10. Juli geplant. Ein aktueller Änderungsantrag sieht vor, dass 50 Prozent der Tarifsteigerungen, die ĂŒber die Grundlohnsumme hinausgehen, fĂŒr zwei Jahre refinanziert werden können. Die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) und der Deutsche Pflegerat (DPR) kritisieren das Eilverfahren scharf.

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