Pflegereform, Hause

Pflegereform: 88 Prozent werden zu Hause versorgt – Angehörige fordern Mitsprache

Veröffentlicht am: 19.10.2026 um 23:48 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Der DBfK verlangt neue Leistungsregeln und mehr Befugnisse für Pflegefachpersonen; Angehörigenverbände fordern einen Sitz in der Kommission.
Ein minimalistisches, helles Krankenhaus-Atrium mit Holzboden und Blick in einen begrünten Innenhof. Illustration mit AI erstellt.

Anlässlich der Einsetzung der Pflegestrukturkommission drängt der Deutsche Berufsverband für Pflegeberufe (DBfK) auf eine grundlegende Neuausrichtung des Systems. Statt sich auf kurzfristige finanzielle Nachbesserungen zu beschränken, fordert der Verband tiefgreifende strukturelle Reformen.

Im Zentrum der Forderungen stehen ein eigenständiges pflegerisches Leistungsrecht im Fünften und Elften Buch Sozialgesetzbuch (SGB V und SGB XI), die Möglichkeit zur direkten Abrechnung pflegerischer Leistungen mit den Krankenkassen sowie die rechtliche Übertragung heilkundlicher Aufgaben an Pflegefachpersonen.

Zudem verlangt der DBfK eine Stärkung der qualifizierten Pflegeberatung und eine konsequente Ausrichtung der pflegerischen Versorgung auf Prävention und Rehabilitation.

Zeitplan und Aufgaben der Regierungskommission

Das Bundeskabinett hatte das Gremium am 14. Oktober 2026 berufen. Die Pflegestrukturkommission setzt sich aus 13 Mitgliedern zusammen; den Vorsitz übernehmen Prof. Dr. Georg Cremer und Prof. Gabriele Kuhn-Zuber. Die Zielvorgaben der Bundesregierung sehen vor, dass bereits Ende Januar 2027 erste Empfehlungen vorliegen sollen. Eine umfassende Strukturreform ist nach den bisherigen Planungen möglichst zum 1. Juli 2027 avisiert.

Reaktionen auf die Einsetzung kamen aus verschiedenen Bereichen des Pflegesektors. So begrüßte die Evangelische Heimstiftung (EHS) das Ziel, die Pflegeversicherung auf eine dauerhaft tragfähige Basis zu stellen. EHS-Geschäftsführerin Elke Eckardt mahnte dabei fünf zentrale Stellschrauben an und betonte, die Regierungskoalition dürfe nicht erneut monatelang um minimale Kompromisse ringen.

Auf kommunaler Ebene begrüßte auch die Senioren-Union Bad Segeberg die Einsetzung als wichtiges Signal; deren Ortsvorsitzende Ursula Michalak formulierte die Erwartung konkreter und finanzierbarer Lösungen im gesetzten Zeitplan, forderte jedoch zugleich Bürokratieabbau und Einsparpotenziale ohne Einbußen bei der Versorgungsqualität.

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Debatte um die Zusammensetzung des Gremiums

Kritik entzündete sich unmittelbar nach der Einberufung an der Zusammensetzung der Kommission. In einem Schreiben an Bundesgesundheitsminister Dr. Carsten Linnemann vom 16. Oktober 2026 forderten die Organisationen wir pflegen e.V., Pflegende Angehörige e.V. und die Deutsche Alzheimer Gesellschaft e.V. eine gleichberechtigte Beteiligung der Angehörigen.

Als 14. Mitglied nominierten die Verbände Prof. em. Dr. Notburga Ott, die bis 2020 den Lehrstuhl für Sozialpolitik und Institutionenökonomik an der Ruhr-Universität Bochum innehatte, seit 2025 unparteiische Vorsitzende des erweiterten Qualitätsausschusses Pflege nach § 113b SGB XI ist und an der S2k-Leitlinie für pflegende Angehörige von Erwachsenen mitgewirkt hat.

Die Verbände erneuerten ihre Forderung nach Sitz und Stimme für die Angehörigen und begründeten dies damit, dass 88 Prozent der pflegebedürftigen Menschen in Deutschland zu Hause versorgt werden – mit steigender Tendenz. Die größte Gruppe der Pflegenden verfüge im aktuellen Zuschnitt des Beratungsgremiums über keine eigene Vertretung.

Reformdruck im parlamentarischen Raum

Der Reformdruck auf das Gremium ist beträchtlich, da sich die Bundesregierung Ende September nicht auf eine strukturelle Pflegereform einigen konnte. Im Bundestag debattierten die Fraktionen über diverse Lösungsansätze: Die Linke scheiterte mit einem Antrag gegen Leistungskürzungen und fordert eine solidarische Pflegevollversicherung.

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Ein Vorstoß der Grünen für ein Pflegepräventionsgesetz mit Zielwerten bis 2035, eine Pflege-Bürgerversicherung und einen vollständigen Risikostrukturausgleich zwischen sozialer und privater Absicherung wurde in den Gesundheitsausschuss überwiesen. Während die Union vor einem Systembruch durch Vollkaskolösungen warnte, verwies die SPD auf die Notwendigkeit stabiler Finanzierungsrahmen.

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