PFOA-Altlasten: Burghausen plant Klage über 1 Million Euro gegen Dyneon
Veröffentlicht am: 25.09.2026 um 23:09 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Der Umgang mit den ökologischen Hinterlassenschaften der Chemieindustrie beschäftigt die Stadt Burghausen zunehmend auf juristischer Ebene. Im Zentrum steht dabei die Belastung der Region mit Perfluoroctansäure (PFOA), einer Chemikalie, die über Jahrzehnte im nahegelegenen Chemiepark Gendorf produziert wurde.
Angesichts steigender Kosten für die Entsorgung belasteter Erden und erschwerter Baubedingungen bereitet die Stadtverwaltung nun umfassende Klagen gegen die verantwortlichen Unternehmen vor, um finanzielle Schäden in Millionenhöhe geltend zu machen.
Juristische Schritte und finanzielle Forderungen
Nach einem Beschluss des Stadtrats vom 23. September 2026 bereitet Burghausen eine Leistungsklage gegen das Unternehmen Dyneon vor. Laut Bürgermeister Florian Schneider ist beabsichtigt, diese Klage voraussichtlich im November 2026 beim Landgericht Traunstein einzureichen.
Im ersten Schritt sollen dabei rund 1 Mio. Euro für bereits entstandene Kosten geltend gemacht werden. Diese Summe resultiert primär aus städtischen Mehrausgaben bei verschiedenen Baumaßnahmen, die durch die PFOA-Altlasten im Boden verursacht wurden.
Über die unmittelbare Klage hinaus zielt die Stadt auf weitaus höhere Kompensationen ab. Gegenüber der früheren Dyneon-Muttergesellschaft 3M sollen geschätzte künftige Entsorgungs- und Baufolgekosten angemeldet werden. Das Volumen dieser Forderungen liegt nach städtischen Angaben in einem Bereich zwischen 80 Mio. Euro und 100 Mio. Euro.
Für die Anmeldung dieser Ansprüche bei 3M gilt eine Frist von einem halben Jahr nach dem Verkauf von Dyneon, die noch innerhalb des Jahres 2026 endet. Mit der juristischen Ausarbeitung der Verfahren wurde eine spezialisierte Anwaltskanzlei beauftragt, die in dieser Angelegenheit auch den Landkreis berät.
Hintergründe der Produktion und Ausmaß der Kontamination
Die PFOA-Problematik im bayerischen Chemiedreieck ist das Resultat einer industriellen Fertigung, die im Chemiepark Gendorf über einen Zeitraum von 1968 bis 2003 stattfand.
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Perfluoroctansäure gehört zur Gruppe der PFAS-Chemikalien und darf in der Europäischen Union seit dem Jahr 2020 aufgrund ihrer problematischen Eigenschaften nicht mehr hergestellt werden. Die Substanz gilt als schwer abbaubar und wird medizinisch als wahrscheinlich krebserregend sowie potenziell schädlich für ungeborene Kinder eingestuft.
Das Ausmaß der Belastung in Burghausen ist erheblich. Die Stadt lagert nach eigenen Angaben mittlerweile rund 50.000 Tonnen belasteten Erdaushubs, für dessen Entsorgung komplexe und kostspielige Verfahren notwendig sind. Das aktuell ausgewiesene Belastungsgebiet umfasst eine Fläche von rund 380 km². Derzeit gibt es jedoch Bestrebungen, dieses Gebiet offiziell zu verdoppeln, wogegen das Unternehmen Dyneon juristisch vorgeht.
Wirtschaftliche Hemmnisse und ökologische Folgen
Die Präsenz von PFOA im Boden hat für die betroffenen Kommunen weitreichende ökonomische Konsequenzen. Fachleute beobachten, dass der belastete Untergrund nicht nur Bauprojekte massiv verteuert, sondern auch notwendige Investitionen in die lokale Infrastruktur hemmt.
Jede Erdbewegung im betroffenen Gebiet erfordert aufwendige Beprobungen und spezialisierte Deponielösungen, was die Planungssicherheit für Unternehmen und die öffentliche Hand beeinträchtigt.
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Trotz der massiven Bodenkontamination konnte die Sicherheit der Grundversorgung weitgehend stabilisiert werden. Das Trinkwasser der betroffenen Kommunen gilt nach der Installation und Nutzung von Aktivkohlefilteranlagen als sauber.
Dennoch bleibt die Beseitigung der Bodenaltlasten und die Klärung der Haftungsfragen eine zentrale Herausforderung für die regionale Standortpolitik. Die angekündigten Klagen markieren hierbei einen Wendepunkt in der Strategie der Kommune, die wirtschaftliche Last der Umweltschäden auf die Verursacher zu übertragen.
