Phagentherapie, Großprojekt

Phagentherapie: EU fördert Großprojekt gegen Harnwegsinfektionen

25.06.2026 - 13:27:59 | boerse-global.de

EU investiert 15 Millionen Euro in Phagenstudie gegen Harnwegsinfektionen. Frankreich erlaubt erste öffentliche Phagen-Produktion.

Phagentherapie: EU-Förderung und erste Produktionszulassung 2026
Phagentherapie - Nahaufnahme von Bakteriophagen, die Bakterienzellen angreifen, mit einem verschwommenen Laborhintergrund und leuchtenden Farben. 25.06.2026 - Bild: über boerse-global.de

Gleich mehrere Projekte und Zulassungen im Frühjahr und Sommer 2026 bringen die Therapieform voran.

EU fördert Großprojekt gegen Harnwegsinfektionen

Das Projekt REPhRAME startet im Juni 2026 – mit 15 Millionen Euro aus dem EU-Programm Horizon Europe. Professor Maria Vehreschild von der Universitätsmedizin Frankfurt leitet das Vorhaben. 16 Partner aus acht EU-Ländern untersuchen, ob eine Kombination aus Phagentherapie und Mikrobiom-Wiederherstellung wirkt.

Der Fokus liegt auf Patienten mit wiederkehrenden Harnwegsinfektionen. Die klinische Studie vergleicht mehrere Ansätze: reine Phagentherapie, Phagen plus Antibiotika und Mikrobiom-Transfers. Ziel ist eine Alternative zu herkömmlichen Antibiotika, die das natürliche Gleichgewicht schont.

Erste öffentliche Phagen-Produktion in Frankreich zugelassen

Ende Mai 2026 erteilte die französische Arzneimittelbehörde ANSM den Hospices Civils de Lyon (HCL) die Zulassung zur Herstellung von Phagen-Wirkstoffen nach GMP-Standard. Das HCL ist damit das erste öffentliche Krankenhaus mit einer solchen Erlaubnis.

Seit 2017 behandelte Lyon bereits über 120 Patienten mit Phagen. Die neue Zertifizierung schafft die Grundlage für eine breitere Versorgung und stärkt die Qualitätssicherung in der öffentlichen Gesundheitsversorgung.

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Mikrobiom-Forschung und mechanische Alternativen

Die Dringlichkeit für Alternativen zeigt aktuelle Forschung: Kanadische Wissenschaftler fanden heraus, dass Antibiotika bei Säuglingen unter sechs Monaten das Wachstum bestimmter Hefepilze im Darm fördern können. Das steht im Zusammenhang mit Asthma und Neurodermitis.

Das Projekt EMVIC startet im Juli 2026 – gefördert vom Bundesministerium für Bildung und Forschung über drei Jahre. Es untersucht, wie Schadstoffe und Antibiotika das Immunsystem und Mikrobiom von Kindern beeinflussen.

Parallel entwickelte ein koreanisches Team einen Nanokegel-Film, der Bakterien rein mechanisch abtötet. Die Beschichtung erreicht eine Abtötungsrate von 55 Prozent und eine Bakterienfreisetzung von 98 Prozent. Resistenzbildung ist hier ausgeschlossen.

Wirtschaftliche Hürden am Standort Europa

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Trotz wissenschaftlicher Fortschritte warnt die Industrie vor Problemen. Der Pharmaverband EFPIA wies im Juni 2026 darauf hin, dass die aktuelle Preispolitik und geplante höhere Herstellerabschläge in Deutschland Investitionen gefährden. Erste Großkonzerne wie Eli Lilly und Boehringer Ingelheim haben bereits Investitionspläne reduziert oder Ausbauvorhaben gestrichen.

Gleichzeitig verschärfen sich die regulatorischen Anforderungen im Agrarbereich. Ab Juli 2026 wird eine betriebsindividuelle Biosicherheitsbewertung bei Audits Pflicht. Strengere Meldepflichten für Antibiotika in der Rindermast sollen den Einsatz kontrollieren und Resistenzen vorbeugen.

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