Phishing, ClickFix

Phishing 2026: ClickFix und BitB knacken selbst MFA-Schutz

23.06.2026 - 07:25:19 | boerse-global.de

Hacker umgehen MFA mit raffinierten Methoden. Phishing-as-a-Service und WM-Betrugsseiten treiben die Bedrohungslage auf ein neues Niveau.

Phishing-Welle 2026: Neue MFA-Knacker und WM-Betrug
Phishing - A shadowy figure in a hoodie looking at multiple screens displaying code and network graphs, symbolizing cyber attacks. 23.06.2026 - Bild: ĂŒber boerse-global.de

Cyberkriminelle setzen zunehmend auf raffinierte Methoden, um selbst mehrstufige Authentifizierungsverfahren (MFA) zu knacken. Aktuelle Sicherheitsberichte aus dem Juni 2026 zeigen eine alarmierende Entwicklung: Angreifer konzentrieren sich nicht mehr auf technische Schwachstellen, sondern auf die IdentitĂ€t der Nutzer selbst. Große Sportereignisse wie die bevorstehende Fußball-WM 2026 werden gezielt fĂŒr Betrugskampagnen genutzt.

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Neue Angriffsmethoden im Detail

Sicherheitsforscher von Huntress haben vier moderne Phishing-Verfahren identifiziert, die herkömmliche Schutzmechanismen aushebeln. Besonders perfide ist die sogenannte „ClickFix“-Methode: Opfer werden durch gefĂ€lschte CAPTCHA-Abfragen dazu gebracht, schĂ€dlichen Code direkt in der Systemkonsole auszufĂŒhren – und das mit simplen Tastenkombinationen.

Die „Browser-in-the-Browser“-Technik (BitB) geht noch einen Schritt weiter. Hier tĂ€uschen gefĂ€lschte Pop-up-Fenster tĂ€uschend echte Anmeldebildschirme vor – inklusive korrekter URL und Sicherheitssymbolen. Selbst geĂŒbte Nutzer erkennen den Betrug kaum.

Zwei weitere Verfahren setzen auf die Aushebelung von Autorisierungsprozessen: Bei „ConsentFix“ werden Nutzer manipuliert, bösartige OAuth-Anwendungen zu genehmigen. Beim Device-Code-Phishing kapern Angreifer legitime Microsoft-Autorisierungsseiten, um ihre eigenen GerĂ€te mit fremden Konten zu verbinden.

Phishing als Dienstleistung

Die „EvilTokens“-Kampagne zeigt, wie professionell die Branche inzwischen organisiert ist. Als Phishing-as-a-Service-Angebot nutzt sie Marken wie Microsoft 365, Adobe und DocuSign als Köder. Das Ziel: sogenannte Refresh-Tokens stehlen, die selbst nach einem Passwortwechsel aktiv bleiben. Ein Albtraum fĂŒr jeden Sicherheitsverantwortlichen.

Soziale Netzwerke im Visier

Die Anti-Phishing Working Group (APWG) meldet fĂŒr das erste Quartal 2026 einen deutlichen Anstieg von Phishing-Angriffen ĂŒber soziale Medien. 43,8 Prozent dieser Bedrohungen entfallen auf IdentitĂ€tsdiebstahl durch gefĂ€lschte Profile, weitere 27,1 Prozent auf klassische Betrugsmaschen.

Die Angreifer werden dabei immer cleverer: Sie setzen Geo-Blocking und IP-Filter ein, sodass schĂ€dliche Inhalte nur fĂŒr bestimmte Zielgruppen sichtbar werden – etwa fĂŒr Nutzer, die ĂŒber Google-Suche oder TikTok-Links kommen.

WhatsApp und WM-Betrug

Kaspersky-Forscher deckten im Juni eine großangelegte Malware-Kampagne gegen WhatsApp-Nutzer auf. Besonders betroffen: Malaysia, Brasilien und Singapur. Die TĂ€ter verschicken ĂŒber kompromittierte Accounts getarnte VBScript-Dateien, die wie Rechnungen oder KontoauszĂŒge aussehen.

Parallel dazu wurden ĂŒber 336 betrĂŒgerische Websites rund um die FIFA-WM 2026 identifiziert. Mit KI-generierten Inhalten locken die Betreiber zu gefĂ€lschten Streaming-Plattformen und Wettangeboten.

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Dramatische Lage im asiatisch-pazifischen Raum

Ein INTERPOL-Bericht fĂŒr den Zeitraum 2025/2026 zeichnet ein dĂŒsteres Bild: In mehr als der HĂ€lfte der LĂ€nder der Asien-Pazifik-Region macht CyberkriminalitĂ€t inzwischen 30 Prozent aller registrierten Straftaten aus. Die Phishing-Klickrate liegt dort bei 5,5 pro 1.000 Nutzer – fast doppelt so hoch wie der globale Durchschnitt von 2,9.

Die menschlichen Folgen zeigen sich in SĂŒdkorea: Am 20. Juni ĂŒbernahm die Polizei von Seoul die Ermittlungen zum Tod einer Mutter und ihres Sohnes. Die Behörden gehen davon aus, dass die beiden Opfer eines Voice-Phishing-Betrugs wurden, bei dem 50 Millionen Won (etwa 35.000 Euro) erbeutet wurden. Nur fĂŒnf Tage zuvor verhinderte die Polizei in Goyang, dass ein Ă€lteres Ehepaar 1,5 Milliarden Won (rund 1,05 Millionen Euro) an falsche StaatsanwĂ€lte verlor.

Die Industrie schlĂ€gt zurĂŒck

Am 22. Juni brachte Barracuda einen KI-gestĂŒtzten E-Mail-Schutzdienst auf den Markt, der tĂ€glich rund 1,5 Milliarden URLs analysiert. Die Dringlichkeit ist enorm: Laut den Beobachtungen des firmeneigenen Red Teams kann eine einzige Phishing-Mail innerhalb weniger Minuten zur vollstĂ€ndigen Kontokompromittierung fĂŒhren – inklusive MFA-Umgehung.

Sicherheitsexperten betonen, dass jĂŒngste Großangriffe, etwa durch die Gruppe ShinyHunters, vor allem Schwachstellen in SaaS-Integrationen und vertrauenswĂŒrdigen Zugriffspfaden ausnutzen. Nicht die Plattformen selbst sind verwundbar, sondern Fehlkonfigurationen und gestohlene OAuth-Tokens. Die Botschaft ist klar: Der Schutz der IdentitĂ€t muss zur obersten PrioritĂ€t werden.

de | wissenschaft | 69607927 |