Phishing-Angriffe: Erstmals über 50% aller Cybervorfälle weltweit
Veröffentlicht am: 01.08.2026 um 16:43 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Phishing-Attacken sind erstmals für mehr als die Hälfte aller Sicherheitsvorfälle weltweit verantwortlich. Besonders betroffen: Banken und ihre Kunden – auch in Deutschland.
Die Bedrohungslage im Netz hat sich dramatisch verschärft. Neue Branchenberichte von Ende Juli und Anfang August 2026 zeigen: Phishing und Social Engineering sind inzwischen für über 50 Prozent aller Cybersicherheitsvorfälle verantwortlich. Kriminelle Organisationen setzen dabei zunehmend auf Künstliche Intelligenz und industrialisierte Plattformen, um ihre Angriffe im großen Stil zu skalieren. Der Finanzsektor bleibt das Hauptziel.
Phishing verdrängt andere Angriffsvektoren
Die Zahlen sind eindeutig: Im zweiten Quartal 2026 war Phishing die Ursache für mehr als die Hälfte aller Sicherheitsvorfälle – ein deutlicher Anstieg gegenüber dem ersten Quartal, als es rund 33 Prozent waren. Auch bei den Versicherern schlägt sich das nieder: In der ersten Jahreshälfte 2026 entfielen 85,3 Prozent aller versicherten Schäden auf Phishing, Social Engineering und Überweisungsbetrug.
Ransomware bleibt zwar der größte Treiber beim Gesamtschadenswert – hier liegen 73 Prozent der Verluste –, macht aber nur 5,8 Prozent der Gesamtzahl der Schadensfälle aus. Die Angreifer setzen also zunehmend auf Masse statt auf einzelne spektakuläre Angriffe.
Besonders perfide: Moderne Phishing-Werkzeuge wie die Plattform „Logokit" erzeugen in Echtzeit täuschend echte Kopien von Unternehmens-Loginseiten. Die personalisierten Betrugsseiten werden individuell für jedes Opfer erstellt und weltweit in mehreren Sprachen verbreitet – darunter Deutsch, Englisch, Französisch, Spanisch, Chinesisch und Koreanisch.
Die Industriealisierung der Bedrohung
Der „Infoblox 2026 Threat Landscape Report" vom 31. Juli zeichnet das Bild einer vollständig industrialisierten Cyberkriminalität. Zwischen Juni 2025 und Juni 2026 registrierten die Forscher 120 Millionen neue Domains – etwa ein Viertel davon als hochriskant eingestuft. Sogenannte Traffic Distribution Systems, die Nutzer automatisch auf Schadseiten umleiten, betrafen 95 Prozent der analysierten Netzwerke.
Die kriminelle Infrastruktur wird zudem immer kurzlebiger, um der Entdeckung zu entgehen. 88 Prozent der Bedrohungs-Domains tauchten nur in einer einzigen Umgebung auf, 44 Prozent waren nur einen einzigen Tag aktiv. Die Zahl der Betrugs-Domains stieg im Jahresvergleich um 62 Prozent.
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Angriffswelle auf Banken – auch Sparkassen betroffen
Für Finanzinstitute ist die Lage besonders ernst. Der „Banking Heist Report 2026" von Zimperium identifiziert 34 aktive Malware-Familien, die aktuell 1.243 Finanz-Apps in 90 Ländern angreifen. In den USA stieg die Zahl der angegriffenen Banking-Apps von 109 im Jahr 2023 auf 162 im laufenden Jahr. Fast die Hälfte der Malware-Familien verfügt inzwischen über Erpressungsfunktionen.
Am heutigen Samstag wurde eine konkrete Phishing-Welle gegen Sparkassen-Kunden bekannt. Betrügerische E-Mails mit dem Betreff „Verification Required" setzen Empfänger unter Druck, ihre Daten bis zum 2. August zu bestätigen. Sicherheitsexperten raten dringend, diese Nachrichten zu ignorieren und ausschließlich offizielle Kommunikationswege zu nutzen.
Erst am 20. Juli hatte das Bundeskriminalamt gemeinsam mit der Frankfurter Staatsanwaltschaft bei einer Großrazzia mehr als 200 Server der Phishing-Plattform „Kratos" abgeschaltet. Doch der Erfolg könnte nur von kurzer Dauer sein: Schätzungen zufolge besitzen rund 1.800 Abonnenten weiterhin den Code, der darauf ausgelegt ist, Sitzungscookies zu stehlen und die Zwei-Faktor-Authentifizierung zu umgehen.
Künstliche Intelligenz beschleunigt die Angriffe
Die Integration von KI in die Cyberkriminalität macht traditionelle Methoden deutlich effektiver. Organisierte Gruppen nutzen die Technologie, um komplette Angriffsketten zu automatisieren und Deepfakes von Regierungsvertretern und Führungskräften zu erstellen.
Mit „PromptSpy" wurde zudem die erste Android-Malware entdeckt, die generative KI zur Interpretation von Benutzeroberflächen einsetzt. Die Forschung zeigt außerdem: KI-gestützte Phishing-E-Mails erreichen inzwischen eine automatische Klickrate von 54 Prozent bei gezielten Angriffen. Berichten zufolge sind allein im Jahr 2025 Verluste in Höhe von 893 Millionen US-Dollar direkt auf KI-gestützte Betrugsmaschen zurückzuführen.
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Schutzmaßnahmen: Was jetzt zählt
Um den wachsenden Bedrohungen zu begegnen, empfehlen Sicherheitsforscher die Einführung phishing-resistenter Multi-Faktor-Authentifizierung wie FIDO2 und Passkeys. Ergänzend dazu sollten Unternehmen risikobasierte Zugriffskontrollen implementieren und unveränderbare Backups vorhalten. Für Privatnutzer gilt: Bei unerwarteten E-Mails mit dringenden Aufforderungen gilt es, misstrauisch zu sein – und im Zweifel den offiziellen Kontaktweg zu wählen.
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