Phishing-Angriffe, EvilTokens-Plattform

Phishing-Angriffe: EvilTokens-Plattform lÀsst FÀlle um 1.380% explodieren

26.06.2026 - 08:03:53 | boerse-global.de

Automatisierte Phishing-Kits wie Blacksite und KI-Plattformen treiben die Zahl der Angriffe auf Zahlungsdienste massiv in die Höhe.

KI-Phishing: Neue Toolkits bedrohen PayPal und Bankkonten
Phishing-Angriffe - Nahaufnahme von HĂ€nden, die ein Smartphone mit gefĂ€lschter PayPal-Anmeldeseite halten, unscharfer Hintergrund mit digitalen Sicherheitsgrafiken. 26.06.2026 - Bild: ĂŒber boerse-global.de

Die Sicherheitslage verschÀrft sich dramatisch.

„Blacksite“: Ein neues Werkzeug fĂŒr Cyberkriminelle

Erst am Donnerstag veröffentlichten Sicherheitsforscher von Abnormal AI ihre Analyse eines neuartigen Phishing-Toolkits namens Blacksite. Die Software kombiniert einen Scanner-Umgeher namens Cloaked.gg mit sogenannten Adversary-in-the-Middle-Angriffen (AiTM). Damit können Angreifer nicht nur PayPal-Konten, sondern auch Online-Banking-ZugÀnge und Krypto-Wallets attackieren.

Das Besondere: Blacksite lĂ€uft in containerisierter Infrastruktur, bleibt reproduzierbar und ist gleichzeitig schwer zu fassen. Die Umgehungs-Komponente blockiert Traffic von Sicherheitsscannern, VPNs und großen Cloud-Anbietern. Das macht die Angriffe fĂŒr automatische Abwehrsysteme nahezu unsichtbar.

Blacksite reiht sich ein in eine wachsende Liste spezialisierter Werkzeuge. Erst kĂŒrzlich tauchte Bluekit auf, das ebenfalls AiTM-Techniken nutzt, um Anmeldedaten zu stehlen. Beide Plattformen werden zunehmend auf legitimer Cloud-Infrastruktur gehostet – ein Albtraum fĂŒr Sicherheitsteams.

GefĂ€lschte Rechnungen und betrĂŒgerische Support-Anrufe

Die Betrugsmaschen werden immer raffinierter. Aktuell warnen Sicherheitsexperten vor einer Kampagne mit gefĂ€lschten Docusign-E-Mails. Diese behaupten, eine PayPal-Transaktion benötige eine Unterschrift – in Wahrheit sollen sie Kontodaten abgreifen. AuffĂ€llige Zeichensetzung in den Absenderadressen und fehlende Dokumente entlarven die Masche.

Im Juni 2026 entdeckten Nutzer der Shopify-Shop-App zudem gefĂ€lschte Kaufbelege in ihren Bestellhistorien. Die erfundenen Rechnungen betrafen Dienste wie PayPal, Norton und McAfee und lockten Opfer auf betrĂŒgerische Support-Hotlines.

Besonders perfide: Am 23. Juni gelang es einem falschen PayPal-Mitarbeiter in Bad Camberg, sensible Daten zu erbeuten. Der Anrufer behauptete, das Konto des Opfers sei wegen verdÀchtiger AktivitÀten eingefroren worden.

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Weitere Kampagnen setzen auf fingierte Abbuchungen – etwa eine angebliche Belastung von umgerechnet rund 2.200 Euro. Die E-Mails fordern zum Anruf auf, woraufhin die TĂ€ter Fernwartungssoftware installieren. Danach haben sie direkten Zugriff auf Computer und Banking-Portale.

KI treibt die Angriffswelle massiv an

Die Integration kĂŒnstlicher Intelligenz in kriminelle Plattformen hat die Angriffszahlen explodieren lassen. Laut einem Bericht von Huntress verzeichnete die KI-gestĂŒtzte Plattform EvilTokens zwischen Januar und April 2026 einen Anstieg von 1.380 Prozent bei Device-Code-Phishing-Angriffen – im Vergleich zum zweiten Halbjahr 2025. Diese Methode macht selbst Zwei-Faktor-Authentifizierung wirkungslos.

Auch Kaspersky-Marktforscher schlagen Alarm: Zwischen Januar und April 2026 registrierten sie ĂŒber 33.300 Angriffe, bei denen Schadsoftware als populĂ€re KI-Tools getarnt war. Das entspricht einer FĂŒnffachsteigerung gegenĂŒber dem Vorjahr. Die infizierten Dateien dienen oft als Einfallstor – die ZugĂ€nge werden anschließend auf einschlĂ€gigen Foren verkauft.

Milliardenverluste und neue Regulierung

Die Dimension des Problems ist gewaltig. Allein in den USA gingen 2024 rund 12,5 Milliarden Euro durch Zahlungsbetrug verloren. Als Reaktion verschĂ€rfte die US-Verbraucherschutzbehörde CFPB Ende 2024 die Aufsicht ĂŒber Zahlungs-Apps.

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Sicherheitsexpertin Leeza Garber warnt besonders vor Großereignissen wie dem Amazon Prime Day: „Amazon bleibt die am hĂ€ufigsten nachgeahmte Marke bei Phishing-Versuchen.“ Ihr Rat: Niemals auf Links in E-Mails klicken, sondern direkt die offizielle Website aufrufen.

IT-Abteilungen empfehlen zudem, wo möglich die Zwei-Faktor-Authentifizierung zu aktivieren, unerwartete Zahlungsaufforderungen ĂŒber separate KanĂ€le zu prĂŒfen und keine ausfĂŒhrbaren Dateien aus ungeprĂŒften Social-Media-Einladungen herunterzuladen.

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