Phishing-Betrug, Banken

Phishing-Betrug: Banken dĂŒrfen Erstattung nicht wegen grober FahrlĂ€ssigkeit ablehnen

Veröffentlicht am: 16.10.2026 um 10:53 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Zahlungsdienstleister mĂŒssen unautorisierte Abbuchungen grundsĂ€tzlich bis zum Ende des nĂ€chsten GeschĂ€ftstags zurĂŒckzahlen.
Nahaufnahme einer Person, die ein Smartphone in einem professionellen BankbĂŒro hĂ€lt. Illustration mit AI erstellt.

Der Gerichtshof der EuropĂ€ischen Union hat die Rechte von Verbrauchern bei Cyberbetrug gestĂ€rkt. Zahlungsdienstleister mĂŒssen nicht autorisierte ZahlungsvorgĂ€nge grundsĂ€tzlich unverzĂŒglich erstatten, spĂ€testens bis zum Ende des folgenden GeschĂ€ftstags.

Wie aus einer Gerichtsentscheidung (Az. C-70/25) hervorgeht, dĂŒrfen Finanzinstitute eine solche RĂŒckzahlung nicht mit der BegrĂŒndung verweigern, der betroffene Kunde habe die Abbuchung durch grob fahrlĂ€ssiges Verhalten selbst ermöglicht.

Strenge Vorgaben fĂŒr Zahlungsdienstleister

Die Richter stellten klar, dass sich Institute gemĂ€ĂŸ der europĂ€ischen Zahlungsdiensterichtlinie PSD II zunĂ€chst an die Erstattungspflicht halten mĂŒssen. Als einzige Ausnahme gilt ein begrĂŒndeter Verdacht, dass der Kontoinhaber selbst in betrĂŒgerischer Absicht handelt. In diesem Fall muss das Institut den Verdacht jedoch schriftlich der zustĂ€ndigen nationalen Behörde melden.

Ein Regressanspruch gegen den Kunden steht Banken erst in einem nachgelagerten zweiten Schritt offen. Wenn ein Finanzinstitut das erstattete Geld wegen Vorsatzes oder grober FahrlĂ€ssigkeit zurĂŒckfordern will, trĂ€gt die Bank hierfĂŒr die volle Beweislast. Ziel der Rechtsprechung ist ein hohes Schutzniveau fĂŒr Bankkunden, die verdĂ€chtige Transaktionen wiederum umgehend melden mĂŒssen.

Fallbeispiele und die bisherige Praxis

Anlass des Verfahrens vor dem europÀischen Gericht war die Klage einer Kundin der polnischen PKO BP. Die Frau verlor rund 3.000 Zloty, was etwa 700 bis 705 Euro entspricht, nachdem sie beim Online-Verkauf Opfer eines Phishing-Angriffs geworden war.

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Ein Unbekannter erlangte dabei einen BestÀtigungscode per SMS. Obwohl die Kundin den Vorfall am folgenden Tag meldete, weigerte sich die Bank zu zahlen; die eigentlichen TÀter konnten nicht ermittelt werden.

Das Urteil entfaltet auch direkte Bedeutung fĂŒr deutsche GeldhĂ€user. Bislang urteilten nationale Gerichte mitunter anders: So hatte das Oberlandesgericht Oldenburg 2025 einen Anspruch auf Erstattung in einem Ă€hnlichen Fall noch abgewiesen. FĂŒr Betroffene geht es oft um erhebliche Summen.

In ThĂŒringen etwa verlor der Arzt Rudolf Wolter mehr als 100.000 Euro, nachdem er einen tĂ€uschend echt wirkenden Bankbrief samt QR-Code erhalten und eingescannt hatte. Andernorts gerieten Institute bereits ins Visier der Gerichte: Das Landgericht Berlin II verurteilte die Apobank wegen unzureichender Maßnahmen zur BetrugsprĂ€vention.

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Reaktionen von VerbraucherschĂŒtzern und Ausmaß der SchĂ€den

VerbraucherschĂŒtzer begrĂŒĂŸten den Richterspruch. Die VorstĂ€ndin des Verbraucherzentrale Bundesverbands, Ramona Pop, mahnte flankierendes gesetzgeberisches Handeln an. Die neue Zahlungsdiensteverordnung der EuropĂ€ischen Union (PSR) ist bislang noch nicht in Kraft getreten. Eine Expertin des Verbands wies darauf hin, dass Kunden in Deutschland bei Erstattungsverweigerungen bislang hĂ€ufig das Prozesskostenrisiko gescheut hĂ€tten.

Das Ausmaß krimineller digitaler Transaktionen ist europaweit betrĂ€chtlich. FĂŒr Belgien bezifferte die Wissenschaftlerin Sofie Royer von der KU Leuven den Gesamtschaden durch Phishing fĂŒr das Jahr 2024 auf 49 Millionen Euro. Der belgische Konsumentenminister Rob Beenders erklĂ€rte hierzu, die Banken seien den gesetzlichen Vorgaben seit einem Jahrzehnt nicht gefolgt, weshalb auch retroaktive RĂŒckforderungen rechtlich möglich seien.

Juristen raten Betrugsopfern zu einem standardisierten Vorgehen: Nach Feststellung einer verdĂ€chtigen Abbuchung sollte umgehend die Bank informiert und der Zugang zu Konten, Karten und Online-Banking gesperrt werden. Neben der formellen Erstattungsforderung empfiehlt ein Fachanwalt fĂŒr Bankrecht, sĂ€mtliche Belege wie verdĂ€chtige Nachrichten oder Screenshots zu sichern und Anzeige bei der Polizei zu erstatten.

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