Phishing-Flut, Firmen

Phishing-Flut: 94 Prozent aller Firmen betroffen

15.05.2026 - 18:06:49 | boerse-global.de

Cyberkriminelle nutzen vermehrt KI und Device-Code-Phishing. 94 Prozent aller Organisationen sind bereits betroffen, die Sicherheitsbudgets steigen massiv.

Phishing-Flut: 94 Prozent aller Firmen betroffen - Foto: ĂŒber boerse-global.de
Phishing-Flut: 94 Prozent aller Firmen betroffen - Foto: ĂŒber boerse-global.de

TĂ€glich erreichen schĂ€tzungsweise 3,4 Milliarden betrĂŒgerische Nachrichten die PostfĂ€cher weltweit. Eine neue Analyse vom Mai 2026 zeigt: 94 Prozent aller Organisationen wurden bereits Opfer von Phishing-Angriffen. Die Methoden werden immer komplexer – von manipulierten GerĂ€te-Code-Flows bis hin zu KI-generierten Stimmimitationen.

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Device-Code-Phishing: Die neue Gefahr fĂŒr Microsoft-365-Nutzer

Ein besonders besorgniserregender Trend ist der rasante Aufstieg des sogenannten Device-Code-Phishings. Seit MĂ€rz 2026 setzt die als TA4903 bekannte Hackergruppe fast ausschließlich auf diese Methode. Mit Tools wie EvilTokens kompromittieren Angreifer Microsoft-365-Konten, ohne dass Opfer auf eine gefĂ€lschte Login-Seite gelockt werden mĂŒssen.

Die TĂ€ter nutzen den „Device Code Flow" aus – ein Verfahren, das eigentlich fĂŒr GerĂ€te mit eingeschrĂ€nkter EingabefĂ€higkeit wie Smart-TVs entwickelt wurde. Neuere Versionen dieser Angriffswerkzeuge generieren die Codes erst dynamisch, wenn ein Nutzer auf einen Link klickt. Damit umgehen sie die ĂŒbliche 15-Minuten-Frist, die solche Angriffe bislang zeitlich begrenzte.

Parallel dazu gewinnt „Quishing" – Phishing ĂŒber QR-Codes – an Bedeutung. Die TĂ€ter verstecken schĂ€dliche URLs in Bildern, die von herkömmlichen E-Mail-Scannern nicht erkannt werden. Der Betrug verlagert sich so auf das Smartphone der Opfer, das meist weniger gut geschĂŒtzt ist als der Firmenrechner.

Erst am 15. Mai 2025 wurde eine Kampagne gegen LuxTrust-Nutzer bekannt: Eine vermeintliche Sicherheitswarnung, die angeblich von einer legitimen Polizei-Domain stammte, leitete Opfer auf eine betrĂŒgerische Telefonnummer in Frankreich weiter. Der Vorwand: ein nicht autorisierter Login-Versuch aus Portugal.

KI macht Betrug gefÀhrlicher denn je

KĂŒnstliche Intelligenz revolutioniert die Methoden der Cyberkriminellen. Eine Studie des Sicherheitsunternehmens Saigiss vom 15. Mai 2026 belegt: 72 Prozent der BeschĂ€ftigten halten KI-generierte Phishing-Versuche fĂŒr ĂŒberzeugender als traditionelle Methoden. 64 Prozent fĂŒrchten, dass KI ihre Kollegen tĂ€uschend echt imitieren könnte.

Die psychologische Dynamik moderner Arbeitswelten verschĂ€rft das Problem: 56 Prozent der Arbeitnehmer fĂŒhlen sich unter Druck, schnell auf Nachrichten zu reagieren. 68 Prozent checken ihre Kommunikation auch außerhalb der Arbeitszeiten.

Besonders perfide: Sprachklon-Technologie. Mit nur wenigen Sekunden Audio aus sozialen Medien können BetrĂŒger die Stimme einer Person nachahmen. Sie nutzen dies fĂŒr „Pig Butchering"-Investmentbetrug oder simulieren Notrufe angeblicher Familienmitglieder. 95 Prozent dieser BetrugsfĂ€lle beginnen mit einem mĂŒndlichen GesprĂ€ch.

Sicherheitsexperten empfehlen die „Triple-A-Regel": Vorsicht bei Nachrichten, die hohe Aufmerksamkeit (Attention), Geheimhaltung (Authentication) und sofortige Zahlung (Amount) verlangen.

Doch die KI-Gefahr kommt nicht nur von außen. Forscher der University of Washington bestĂ€tigten, dass KI-Chatbots wie Google Gemini und ChatGPT unbeabsichtigt private Telefonnummern preisgegeben haben – ein PhĂ€nomen, das als „AI Doxxing" bekannt ist.

Milliarden-SchÀden und explodierende Sicherheitsbudgets

Die finanziellen Folgen sind dramatisch: Jeder verlorene Euro durch Betrug verursacht den betroffenen Organisationen Gesamtkosten von 5,16 Euro, wie der AppGate Fraud Beat 2026 zeigt. Darin enthalten sind Rechtskosten, Ermittlungsausgaben und ImageschÀden.

Besonders betroffen: Lateinamerika mit einem Anstieg der DigitalbetrugsfÀlle um 228 Prozent. In Venezuela tobt der Kampf besonders heftig. Soziale Medien sind dort mit 86 Prozent der beobachteten Bedrohungen der dominierende Angriffsvektor.

Bildungseinrichtungen und die Finanzbranche bleiben Hauptziele. Ein aktueller Hack der Canvas-Plattform durch die Gruppe ShinyHunters traf 9.000 Bildungseinrichtungen weltweit – 275 Millionen Nutzerdaten wurden kompromittiert. Allein in Hongkong waren 72.000 SchĂŒler und Mitarbeiter betroffen.

Die Reaktion der Unternehmen: massiv steigende IT-Sicherheitsbudgets. Der RSM MMBI Cybersecurity Report fĂŒr Mai 2026 zeigt: 81 Prozent der mittelstĂ€ndischen Firmen erwarten höhere Sicherheitsausgaben. Der Anteil der Unternehmen, die 16 bis 20 Prozent ihres IT-Budgets fĂŒr Sicherheit reservieren, hat sich von 4 auf 13 Prozent verdreifacht.

SicherheitslĂŒcken als Einfallstore

Die Phishing-Welle fĂ€llt mit einer Zunahme kritischer Software-Schwachstellen zusammen. Am 15. Mai 2026 veröffentlichte Google Chrome Version 148 – sie schließt 127 SicherheitslĂŒcken, drei davon als kritisch eingestuft. Auch Cisco warnte kĂŒrzlich vor einer Schwachstelle in seinen SD-WAN-Controllern (CVE-2026-20182), die unbefugten administrativen Zugriff ermöglicht und bereits aktiv ausgenutzt wird.

Der menschliche Faktor bleibt die grĂ¶ĂŸte Schwachstelle. Eine Kaspersky-Studie von Ende 2025 ergab: Nur jede dritte Familie sichert alle ihre digitalen GerĂ€te vollstĂ€ndig. 21 Prozent der ĂŒber 55-JĂ€hrigen ergreifen gar keine Schutzmaßnahmen.

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Ausblick: Passwortlose Zukunft als Lösung?

Der Kampf gegen Phishing bewegt sich in Richtung passwortloser Umgebungen. Microsoft kĂŒndigte an, dass die native Verwaltung von Passkeys in Windows 11 bis Ende Juni 2026 fĂŒr Unternehmen verfĂŒgbar sein wird. WhatsApp plant ebenfalls eine optionale Passwort-Funktion fĂŒr den GerĂ€tewechsel.

Neue Plattformen wie „Keycard for Multi-Agent Apps", gestartet am 14. Mai 2026, sollen Interaktionen zwischen autonomen KI-Agenten durch sitzungsbasierte Zugriffe statt dauerhafter Berechtigungen sichern.

Trotz dieser Fortschritte: Der Markt fĂŒr Betrugserkennung und -prĂ€vention wird sich von 21 Milliarden Euro (2025) auf 39 Milliarden Euro bis 2030 fast verdoppeln. Solange die durchschnittliche Klickzeit auf einen Phishing-Link bei nur 21 Sekunden liegt, bleibt die Kombination aus Echtzeit-Überwachung und Mitarbeiterschulung die wirksamste Verteidigung.

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