Phishing-Netzwerk Kratos zerschlagen: 1.800 Franchisenehmer gefasst
Veröffentlicht am: 21.07.2026 um 03:32 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Europäische, nordamerikanische und asiatische Strafverfolgungsbehörden haben zeitgleich mehrere Schläge gegen die organisierte Cyberkriminalität geführt. Die Aktionen richteten sich gegen Phishing-Infrastrukturen, Kryptobetrug und sogenannte „Bulletproof"-Hosting-Dienste – mit beachtlichem Erfolg.
Kratos-Phishing-Netzwerk zerschlagen
Das Bundeskriminalamt (BKA) und die Zentralstelle zur Bekämpfung der Internetkriminalität (ZIT) gaben am 20. Juli die Zerschlagung des Phishing-Dienstes Kratos bekannt. In Zusammenarbeit mit US-Behörden wurde ein mutmaßlicher Entwickler in Indonesien festgenommen. Mehr als 200 Server, die für die Angriffe genutzt wurden, sind nun offline.
Das Kratos-Netzwerk arbeitete nach dem „Phishing-as-a-Service"-Modell: Über 1.800 Franchisenehmer zahlten für die Nutzung der Infrastruktur. Die Spezialität des Dienstes: der Diebstahl von Cookies, um die Zwei-Faktor-Authentifizierung zu umgehen. Rund 15.000 Angriffskampagnen pro Monat soll das Netzwerk gestartet haben. Seit 2024 erzielte die Gruppe damit mehr als 300.000 Euro illegale Einnahmen – auf Kosten Hunderttausender Opfer in über 30 Ländern. Die deutschen Ermittlungen laufen unter anderem wegen Computerbetrugs und des Betriebs krimineller Handelsplattformen.
Operation Atlantic gegen Kryptobetrug
Einen Tag zuvor, am 19. Juli, starteten die USA, Großbritannien und Kanada die Operation Atlantic. Die einwöchige Initiative zielt gezielt auf Kryptowährungsbetrug ab, insbesondere auf sogenannte „Approval Phishing"-Angriffe. Beteiligt sind der US Secret Service, die britische National Crime Agency (NCA) und die Polizei der kanadischen Provinz Ontario. Sie kontaktieren Opfer und versuchen, die betrügerischen Aktivitäten zu unterbrechen.
Vorbild der Aktion war das kanadische „Project Atlas" aus dem Jahr 2024. Damals wurden 24 Millionen US-Dollar an illegalen Geldern eingefroren und geschätzte 70 Millionen US-Dollar an weiteren Verlusten verhindert.
Anklage gegen russische „Bulletproof"-Hosting-Betreiber
In den USA erhob die Bundesstaatsanwaltschaft am 20. Juli Anklage gegen drei russische Staatsbürger: Alexander Wolossowik, Kirill Satolokin und Julia Pankowa. Sie sollen die „Bulletproof"-Hosting-Dienste Media Land und ML.Cloud betrieben haben. Eine bereits im Dezember 2024 eingereichte Anklageschrift wirft ihnen vor, mit ihrer Infrastruktur eine breite Palette von Cyberverbrechen ermöglicht zu haben – darunter Ransomware, Phishing und DDoS-Attacken.
Die Opfer dieser Dienste verteilen sich auf 21 US-Bundesstaaten und mehrere andere Länder. Der Gesamtschaden übersteigt 62 Millionen US-Dollar. Während die USA, Großbritannien und Australien bereits im November 2025 Sanktionen gegen das Netzwerk verhängt hatten, zog die Europäische Union am 13. Juli 2026 nach. Die US-Regierung setzt zudem eine Belohnung von bis zu zehn Millionen US-Dollar für Hinweise aus – im Rahmen des „Rewards for Justice"-Programms.
Angesichts der rasanten Zunahme von Phishing-Kampagnen und Hacker-Netzwerken ist ein proaktiver Schutz für Unternehmen heute wichtiger denn je. Wie Sie Ihr Unternehmen in vier konkreten Schritten gegen Phishing-Angriffe und kriminelle Manipulationstaktiken absichern, erfahren Sie in diesem kostenlosen Experten-Paket. Anti-Phishing-Paket für Unternehmen jetzt gratis herunterladen
Großrazzia in der Türkei: 669 Verdächtige festgenommen
Die türkische Polizei gab am 20. Juli bekannt, dass sie bei einer zweiwöchigen Operation in 39 Provinzen 669 Verdächtige festgenommen hat. Die Cybercrime-Einheiten und die Finanzermittlungsbehörde MASAK waren auf die Spur von Betrügern gestoßen, die gefälschte Phishing-Seiten für ein nationales Wohnungsbauprogramm erstellt, auf private Banking-Apps zugegriffen und illegale Wettringe betrieben hatten. Von den Festgenommenen sitzen 361 in Untersuchungshaft.
China: Hauptverdächtiger aus Vietnam überstellt
Ebenfalls am 20. Juli meldete das chinesische Ministerium für öffentliche Sicherheit die Rückführung eines Hauptverdächtigen aus Vietnam. Der als Pan identifizierte Mann war seit August 2025 auf der Flucht, nachdem in der Provinz Shandong ein Phishing- und Trojaner-Fall aufgedeckt worden war. Die kriminelle Gruppe soll mit dem Silver Fox Trojaner mehr als drei Millionen Yuan (umgerechnet rund 443.000 US-Dollar) gestohlen haben. Die vietnamesische Polizei nahm Pan am 4. Juni 2026 fest und überstellte ihn zwei Tage später nach China. Elf weitere Verdächtige der Gruppe wurden bereits in den Provinzen Guangdong und Guangxi festgenommen.
„Boss Scams": Wenn der Chef plötzlich Geld fordert
Die weltweiten Ermittlungen fallen mit Warnungen vor immer raffinierteren Phishing-Angriffen auf Unternehmen zusammen. Am 13. Juli 2026 wurde der Finanzvorstand eines italienischen Ingenieurbüros im indischen Pune Opfer eines sogenannten „Boss Scams". Der Angreifer gab sich über Microsoft Teams als CEO der firma aus und veranlasste den CFO zur Überweisung von 56 Lakh Rupien. Erst als eine zweite Forderung über 1,5 Crore Rupien (umgerechnet rund 170.000 Euro) einging, wurden die Verantwortlichen misstrauisch. Die erste Warnung vor solchen Identitätstäuschungen war vom indischen Cyber Crime Coordination Centre (I4C) ausgegeben worden – mit anschließenden Warnungen der Finanzaufsicht.
Der beschriebene „Boss Scam“ zeigt eindrucksvoll, wie Hacker gezielt psychologische Schwachstellen ausnutzen, um Millionenschäden zu verursachen. Ein neuer Gratis-Report enthüllt die aktuellen Methoden der Cyberkriminellen und zeigt Ihnen, wie Sie solche Angriffe frühzeitig entlarven können. Kostenlosen Report zu psychologischen Hacker-Tricks anfordern
Disclaimer zu unseren Artikeln: Keine Anlageberatung, keine Kauf- oder Verkaufsempfehlung. Angaben zu Kursen, Unternehmen und Märkten ohne Gewähr; Änderungen jederzeit möglich. Börsengeschäfte können zu hohen Verlusten führen. Unsere Beiträge werden ganz oder teilweise automatisiert mit Unterstützung von AI erstellt und geprüft.
