Phishing-Plattform Kratos zerschlagen: 1.800 Nutzer, 15.000 Kampagnen
Veröffentlicht am: 24.07.2026 um 18:23 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Kunden der Sparkassen sind derzeit das Ziel einer koordinierten Phishing-Kampagne, bei der Betrüger mit einer drohenden Kontosperrung versuchen, sensible Zugangsdaten zu entwenden. Die aktuelle Warnmeldung fällt zeitlich mit einem großangelegten Schlag internationaler Ermittlungsbehörden gegen eine der weltweit führenden Plattformen für Online-Banking-Betrug zusammen.
Perfide Täuschung durch angebliche Sicherheitsaktualisierungen
Nach aktuellen Erkenntnissen erhalten Kunden derzeit E-Mails von einem Absender mit der Adresse „ashoj.com“. Der Betreff suggeriert ein „essentielles Sicherheitsupdate für Ihr Online-Banking“. In der Nachricht werden die Empfänger dazu aufgefordert, über einen auffälligen roten Button eine angebliche Freischaltung vorzunehmen. Um den Druck auf die Betroffenen zu erhöhen, drohen die Absender damit, das Konto innerhalb von 24 Stunden zu sperren, sollte die Bestätigung der Online-Banking-Daten ausbleiben.
Der in der Mail enthaltene Link führt auf eine gefälschte Webseite, die optisch dem Auftritt der Sparkassen nachempfunden ist. Dort werden die Nutzer aufgefordert, ihre Bankleitzahl, den BIC sowie ihre persönlichen Zugangsdaten einzugeben. Experten weisen auf mehrere Merkmale hin, an denen die Betrugsversuche erkannt werden können. Dazu gehören eine unpersönliche Anrede, Rechtschreibfehler sowie inhaltliche Widersprüche bei den gesetzten Fristen. So wird im Betreff teils eine Frist von 48 Stunden genannt, während im Textkörper lediglich von 24 Stunden die Rede ist. Zudem deutet die fremde Absenderadresse meist unmittelbar auf einen Betrugsversuch hin.
Eskalation durch gefälschte Telefonanrufe
Die Betrugsmasche endet oft nicht bei der bloßen Datenabfrage per E-Mail. Es wird beobachtet, dass im Anschluss an die Phishing-Mails häufig Anrufe von angeblichen Mitarbeitern der Sparkasse erfolgen. Diese versuchen, die Opfer zur Freigabe von Transaktionsnummern (TAN) zu bewegen, um unautorisierte Überweisungen zu legitimieren. Auch die Verbraucherzentrale hat vor einer ähnlichen Variante gewarnt, bei der die Täter den Vorwand eines notwendigen Updates für das chipTAN-Verfahren nutzen.
Christoph Kaleschke, Sprecher der Sparkasse Bielefeld, betonte in diesem Zusammenhang, dass Kreditinstitute grundsätzlich niemals sensible Daten wie PINs oder TANs per E-Mail oder am Telefon abfragen würden.
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Schlag gegen die Infrastruktur „Kratos“
Die aktuelle Angriffswelle steht im Kontext umfangreicher Ermittlungserfolge. Das Bundeskriminalamt (BKA), das FBI und indonesische Behörden konnten im Rahmen der Aktion „Olympus Blade“ die Phishing-as-a-Service-Plattform „Kratos“ zerschlagen. Die seit 2024 aktive Plattform wurde von rund 1.800 Nutzern verwendet, um monatlich etwa 15.000 Phishing-Kampagnen durchzuführen. Dabei wurde ein Umsatz von 300.000 Euro erzielt; mindestens 850 Opfer in 35 Ländern konnten identifiziert werden.
Bei dem Zugriff wurden mehr als 200 Server beschlagnahmt und 96.000 Phishing-Apps für das Online-Banking sichergestellt. Der Hauptverantwortliche der Plattform wurde in Indonesien festgenommen. Nach Angaben des BKA zielte die Infrastruktur von „Kratos“ zuletzt massiv auf Kunden deutscher und österreichischer Finanzinstitute ab, darunter neben der Sparkasse auch die Commerzbank und die easybank.
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Empfehlungen für betroffene Bankkunden
Für Kunden, die bereits Daten auf einer der gefälschten Seiten eingegeben haben, ist schnelles Handeln erforderlich. Es wird geraten, den Online-Banking-Zugang umgehend sperren zu lassen und das Konto auf unautorisierte Bewegungen zu prüfen. Zudem sollte das Kreditinstitut direkt kontaktiert werden. Sicherheitsexperten empfehlen, verdächtige E-Mails nicht sofort zu löschen, sondern sie zunächst als Spam zu markieren, um die Filtermechanismen der Provider zu unterstützen. Die Banken warnen davor, Links in solchen Nachrichten zu folgen oder Anhänge zu öffnen.
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