Phishing-Welle: 7 Millionen Angriffe in 4 Wochen auf Microsoft
Veröffentlicht am: 02.08.2026 um 17:54 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die Bedrohungslage durch Telefon- und Internetbetrug verschärft sich deutlich. Laut Erhebungen für das zweite Quartal 2026 belegt Deutschland mit rund 2,3 Millionen registrierten Angriffen beim Tech-Support-Betrug weltweit den dritten Platz. Internationale Tätergruppen haben die Bundesrepublik dabei besonders im Fokus.
Phishing-Welle trifft Microsoft-Nutzer
Phishing ist inzwischen für mehr als die Hälfte aller dokumentierten Sicherheitsvorfälle verantwortlich. Experten von Cisco Talos melden eine massive Welle beim sogenannten Device-Code-Phishing: Innerhalb von nur vier Wochen wurden rund sieben Millionen Angriffe registriert, 99 Prozent davon gegen Microsoft-Infrastrukturen.
Parallel steigt die Verbreitung von Schadsoftware rasant: Trojaner legten um 145 Prozent zu, gefälschte Online-Shops um 134 Prozent. Besonders perfide ist die Kombination aus technischer Manipulation und sozialer Täuschung. In Ludwigshafen verlor ein 83-Jähriger rund 19.000 Euro, nachdem Betrüger ihn zur Installation einer Fernwartungssoftware gebracht hatten. Anschließend forderten die Täter Vorabzahlungen in Form von Apple-Geschenkkarten.
Imitation von Banken und Behörden
Die Professionalisierung der Täter treibt die Schadenssummen in die Höhe. In Zwolle verlor ein Opfer rund 174.440 Euro – ausgelöst durch eine Kurznachricht und ein Telefonat mit einem angeblichen Bankmitarbeiter. Das Opfer wurde dazu gebracht, hohe Summen in Kryptowährungen umzuwandeln. Die Sicherheitsbehörden konnten zwei Verdächtige im Alter von 25 und 27 Jahren festnehmen.
Auch die Masche mit behördlicher Autorität funktioniert weiterhin. Ende Juli gaben sich Betrüger im Burgenland als Polizisten aus und behaupteten einem über 80-Jährigen, dessen Tochter habe einen tödlichen Unfall verursacht. Zur Abwendung einer Haftstrafe forderte der Anrufer eine Kaution. Das Opfer übergab Schmuck und Goldmünzen im Wert eines unteren fünfstelligen Betrags an einen Komplizen.
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KI macht Angriffe schwerer erkennbar
Die technologische Aufrüstung der Angreifer bereitet Fachleuten Sorgen. Die Zahl KI-gestützter Phishing-Varianten stieg laut Branchenberichten um 1.200 Prozent. Rund 86 Prozent aller Phishing-Angriffe enthalten inzwischen Elemente, die durch künstliche Intelligenz generiert wurden. Auch Vishing – Betrug per Telefonanruf – nahm massiv zu: Für das zweite Halbjahr 2024 wurde ein Anstieg um 442 Prozent gemessen.
Die Methoden werden immer zielgerichteter. Die Verbraucherzentrale und das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) warnen aktuell vor gefälschten E-Mails im Namen der AOK, die eine Rückerstattung von 324,90 Euro versprechen. Auch Sparkassen-Kunden erhalten vermehrt Nachrichten, die zur Verifizierung von Daten auffordern. Die US-Steuerbehörde IRS warnt zudem vor gefälschten Schreiben an Kryptobesitzer: QR-Codes führen auf manipulierte Portale, um Zugangsdaten für digitale Wallets abzugreifen.
Sicherheitslücken als Einfallstor
Neben dem menschlichen Faktor nutzen Angreifer gezielt technische Schwachstellen. Aktuell stehen kritische Sicherheitslücken in Outlook (CVE-2026-42897) und Ruby on Rails (CVE-2026-66066) im Fokus. Unternehmen reagieren: Rund 64 Prozent der deutschen Firmen haben ihre Budgets für Cybersicherheit erhöht.
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Experten raten Verbrauchern zur Nutzung von Passkeys und zur sofortigen Meldung verdächtiger Vorfälle bei Polizei oder Dienstanbietern. Das Landeskriminalamt (LKA) warnt zudem davor, dass Täter vermehrt Daten aus früheren Leaks für Identitätsdiebstähle und unberechtigte Kontenabbuchungen nutzen.
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