Phishing-Welle: Betrüger missbrauchen Lidl und geben sich als Polizei aus
Veröffentlicht am: 07.10.2026 um 20:14 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Sicherheitsbehörden und Unternehmen schlagen Alarm: Kriminelle nutzen vermehrt gefälschte Nachrichten im Namen von Strafverfolgern, Regierungsstellen und bekannten Marken wie Lidl, um persönliche Daten abzugreifen oder Geld zu erbeuten. Berichten zufolge greifen die Angreifer dabei auf vielfältige Methoden zurück, die von gefälschten Behördenseiten bis hin zu inszenierten Videoanrufen reichen.
Missbrauch von Markennamen und Verkehrsbehörden
Im Einzelhandel steht derzeit der Discounter Lidl im Fokus einer Phishing-Welle. Empfänger erhalten E-Mails unter der Absenderbezeichnung Lidl Kundenzufriedenheit, die jedoch von fremden Domains wie live.nl verschickt werden.
Darin wird eine angebliche Lebensmittelkiste im Wert von fast 50 Euro in Aussicht gestellt, wenn an einer kurzen Umfrage teilgenommen und eine geringe Versandgebühr beglichen werde.
Ziel der Kriminellen sei das Abgreifen von Adress-, Konto- und Kreditkartendaten, wobei unbefugte Abbuchungen weit über die angebliche Gebühr hinaus drohen. Lidl hat mit der Aktion nichts zu tun und rät dazu, derartige E-Mails zu löschen und keine Links anzuklicken.
Ähnliche Methoden zielen auf angebliche Verkehrsverstöße ab. Die griechische Polizei warnt vor SMS, die Mitteilungen der staatlichen Plattform gov.gr nachahmen und offene Bußgelder behaupten. Enthaltene Verlinkungen führen auf gefälschte Seiten, die persönliche Angaben, Fahrzeugregistrierungsdaten sowie Bank- und Kreditkarteninformationen verlangen. Auf den Philippinen kündigte PNP-Chef Gen.
Rekord-Schäden durch Phishing: Warum immer mehr Unternehmen jetzt auf Awareness-Kampagnen setzen. Experten erklären im kostenlosen Anti-Phishing-Paket, wie Ihr Unternehmen sich wirksam schützen kann. Anti-Phishing-Paket jetzt gratis herunterladen
Jose Melencio Nartatez Jr. an, dass die Anti-Cybercrime Group die Verbreitung gefälschter Textnachrichten über angebliche Verstöße im Rahmen der No Contact Apprehension Policy (NCAP) verstärkt überwache. Betroffene sollten verdächtige Verlinkungen meiden und Vorgänge ausschließlich über offizielle Portale wie die eGovPH-App oder Angebote der MMDA überprüfen.
Drohkulissen und gefälschte Amtsträger
Besonders aggressiv treten Täter auf, die sich als Strafverfolger ausgeben. Das FBI-Büro in Newark warnt vor Betrügern, die Namen realer Beamter und gefälschte Behördenrufnummern nutzen, um sich als Agenten von FBI, DEA oder Secret Service auszugeben. In einem Fall täuschte ein Täter sogar einen Videoanruf im Anzug vor einem Schreibtisch samt offiziellem Behördensiegel vor.
Auch die Polizei in Israel registriert betrügerische Schreiben, die vorgeben, von der Cyber-Einheit Lahav 433 zu stammen. Den Empfängern wird fälschlich vorgeworfen, verbotenes Material mit Minderjährigen konsumiert zu haben, verbunden mit der Drohung von Geldstrafen und bis zu drei Jahren Haft, falls nicht innerhalb von 24 Stunden reagiert werde.
Zu welchen finanziellen Verlusten derartige Maschen führen können, zeigt ein Vorfall aus Perry im US-Bundesstaat Georgia: Dort verlor eine ältere Frau fast 70.000 US-Dollar an Kriminelle, die sich als Polizei-, Gerichts- und Bundesbeamte ausgaben und sie zur Zahlung in Kryptowährung brachten.
Das Hagerstown Police Department und das U.S. District Court for the Northern District of Georgia stellen klar, dass Gerichte und Ermittlungsbehörden niemals telefonisch zur sofortigen Begleichung von Forderungen via Kryptowährung, Geschenkkarten oder Überweisungen drängen, um eine Verhaftung abzuwenden.
Wer sich vor den psychologischen Manipulationstaktiken moderner Hacker schützen möchte, findet in diesem Leitfaden die passenden Abwehrstrategien. Erfahren Sie in vier einfachen Schritten, wie Sie Phishing-Angriffe und Betrugsversuche rechtzeitig entlarven. Kostenlosen Phishing-Ratgeber sichern
Schutz vor Täuschungsversuchen und KI-Betrug
Zudem steigen die Risiken durch neue Technologien. Die Polizei in Dubai warnt im Rahmen des Cybersecurity Awareness Month vor dem Missbrauch künstlicher Intelligenz, mit der Stimmen und Bilder imitiert werden, um Regierungsstellen oder Unternehmen nachzuahmen. Die Behörde rät dazu, bei ungewöhnlichen Anfragen innezuhalten, die Identität über offizielle Kanäle zu prüfen und erst danach zu handeln.
Paul Arnold, Chief Executive des britischen Information Commissioner's Office, rät angesichts betrügerischer Nachrichten zu anhaltender Wachsamkeit. Links oder Anhänge in unerwarteten Mitteilungen sollten keinesfalls geöffnet und Passwörter nur direkt auf offiziellen Webseiten oder in Apps geändert werden.
Neben der Kontrolle von Bankkonten und Online-Diensten empfiehlt die Behörde den Einsatz starker, einzigartiger Passwörter sowie die Aktivierung einer Multi-Faktor-Authentifizierung.
