Phishing-Welle: Hacker knacken MFA mit EvilProxy und Co.
Veröffentlicht am: 22.07.2026 um 20:12 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Cyberkriminelle haben eine ausgeklĂŒgelte Angriffswelle auf internationale Organisationen gestartet â darunter auch Einrichtungen der EuropĂ€ischen Union und der Vereinten Nationen. Die TĂ€ter nutzen eine besonders perfide Methode, um selbst mehrfach geschĂŒtzte Konten zu knacken.
GefÀlschte Ausschreibungen als Köder
Seit Mai 2026 lĂ€uft die Kampagne auf Hochtouren. Die Angreifer setzen auf sogenannte Adversary-in-the-Middle-Angriffe (AiTM) â eine Technik, die selbst vor Multi-Faktor-Authentifizierung (MFA) nicht Halt macht. Im Visier stehen vor allem UniversitĂ€ten, GroĂkonzerne und internationale Verwaltungsapparate.
Die Masche ist raffiniert: Die Hacker kapern zunĂ€chst kompromittierte Outlook-Konten und verschicken von dort aus E-Mails, die sich um Beschaffungsprozesse drehen. Wer auf den Link klickt, landet auf tĂ€uschend echten Anmeldeseiten von Microsoft. Die Domains wie testserveren[.]com oder barifurniture[.]net sind seit Jahren im Netz â und wirken daher vertrauenswĂŒrdig.
Wie die Angreifer die MFA-Falle umgehen
Im Hintergrund arbeiten spezialisierte Reverse-Proxy-Kits wie EvilProxy, FlowerStorm und Kali365. Diese Tools leiten den gesamten Datenverkehr ĂŒber die Angreifer-Server. Das TĂŒckische: Sie klauen nicht nur Passwörter, sondern auch die Sitzungscookies in Echtzeit. Damit können sich die TĂ€ter spĂ€ter als legitime Nutzer ausgeben â ohne dass das System einen erneuten Login verlangt.
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âDie Kampagne ist so effektiv, weil sie das Vertrauen der Menschen in alltĂ€gliche ArbeitsablĂ€ufe ausnutztâ, erklĂ€rt Sicherheitsexpertin Dr. RenĂ©e Burton. Ihr Rat: Unternehmen sollten nicht blind auf MFA vertrauen, sondern auch auf DNS-basierte Bedrohungserkennung setzen, um verdĂ€chtige Domains frĂŒhzeitig zu blockieren.
Schlag gegen Phishing-Industrie
Parallel zu dieser Kampagne gelang deutschen und US-amerikanischen Ermittlern ein bedeutender Schlag gegen die HintermĂ€nner solcher Attacken. Sie zerschlugen die âKratosâ-Plattform â einen Dienst, der Phishing-Werkzeuge als Service anbot (PhaaS). Microsoft fĂŒhrte die Operation unter dem Codenamen SneakyLog.
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Die Bilanz der Razzia: Ein Entwickler wurde in Indonesien festgenommen, mehr als 200 Server beschlagnahmt. Vor der Abschaltung nutzten rund 1.800 kriminelle Gruppen die Plattform. Sie starteten damit monatlich etwa 15.000 Phishing-Kampagnen in ĂŒber 30 LĂ€ndern.
Die Ermittler werteten auch Finanzdaten aus: Seit 2024 spĂŒlte der Kratos-Dienst seinen Betreibern mehr als 300.000 Euro ein. Die Parallelen zur aktuellen Kampagne sind offensichtlich: Beide setzen auf Session-Hijacking statt auf einfachen Passwortdiebstahl. Ein Zeichen, dass die Branche der Cyberkriminellen zunehmend professionalisiert agiert.
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