Phishing-Welle, KI-Mails

Phishing-Welle: KI-Mails erreichen 54-Prozent-Klickrate

Veröffentlicht am: 27.06.2026 um 03:46 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Cyberkriminelle nutzen KI, HTML-Smuggling und legitime Dienste fĂŒr neue Phishing-Wellen. Betroffen sind Hotels, Shopify und ELSTER-Nutzer.
Ein digitales VorhĂ€ngeschloss, umgeben von fließenden Datenströmen und BinĂ€rcode, symbolisiert Cybersicherheit und Datenschutz. Illustration mit AI erstellt.

Eine neue Generation von Phishing-Angriffen setzt auf ausgeklĂŒgelte Techniken, um selbst aktuelle Schutzmechanismen zu umgehen. Die TĂ€ter nutzen dafĂŒr legitime Dienste, verstecken Schadcode in HTML-Dateien und setzen verstĂ€rkt auf KĂŒnstliche Intelligenz.

Calendly als Einfallstor: Angriff auf Hotels

Eine aktuelle Kampagne zielt gezielt auf Hotels in Europa und Asien. Die Angreifer nutzen den Terminplanungsdienst Calendly fĂŒr ihre Zwecke. Da die E-Mails ĂŒber die legitime Infrastruktur des Dienstes verschickt werden, passieren sie problemlos Authentifizierungsprotokolle wie SPF, DKIM und DMARC.

Der Angriff lĂ€uft mehrstufig ab: Opfer erhalten einen Calendly-Link, der auf manipulierte Seiten fĂŒhrt. Nach dem Passieren von SicherheitsprĂŒfungen wie Cloudflare Turnstile laden die TĂ€ter die Schadsoftware TonRAT nach. Das Programm nutzt Node.js und kommuniziert ĂŒber die TON Blockchain API mit den Servern der HintermĂ€nner. Als Köder dienen Themen wie GĂ€stebeschwerden oder Inspektionen.

HTML-Smuggling: MFA-Schutz ausgehebelt

Parallel dazu entdeckten Experten von Fortra ein neues Phishing-Kit namens Mirage2FA. Es zielt auf Microsoft 365-Konten ab und setzt auf HTML-Smuggling. Der schÀdliche Code wird in einer HTML-Datei versteckt und erst im Browser des Nutzers zusammengesetzt. E-Mail-Sicherheitsfilter bemerken das nicht.

Das Kit imitiert den kompletten Anmeldeprozess inklusive Multi-Faktor-Authentisierung (MFA). Nutzer landen auf gefĂ€lschten Seiten unter Domains wie „cheacker[.]store“. Geben sie ihre Daten und den MFA-Code ein, ĂŒbernehmen die Angreifer das Konto in Echtzeit.

Shopify und ELSTER: Neue Wege der TĂ€ter

Auch etablierte E-Commerce-Plattformen sind betroffen. Seit Juni missbrauchen BetrĂŒger die Shopify Shop App. Sie platzieren gefĂ€lschte Rechnungen direkt in der Kaufhistorie von Nutzern. Die fingierten Belege fĂŒr Produkte von Norton, McAfee oder Apple enthalten betrĂŒgerische Support-Telefonnummern.

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Rufen Kunden dort an, versuchen die TĂ€ter per Vishing (Voice Phishing), Fernzugriff auf die Rechner zu erlangen oder Einmalpasswörter fĂŒr BankgeschĂ€fte abzugreifen.

Im deutschsprachigen Raum warnt die Verbraucherzentrale vor Phishing-Mails im Namen von „Mein ELSTER“. Unter dem Vorwand einer Steuererstattung von 1.892,40 Euro werden EmpfĂ€nger auf betrĂŒgerische Webseiten gelockt. Ähnliche Warnungen gibt es fĂŒr PayPal-Nutzer, denen eine KontoeinschrĂ€nkung suggeriert wird.

KI-Agenten treiben Klickrate in die Höhe

Ein aktueller Cyber Security Report zeigt die technologische AufrĂŒstung der TĂ€ter. KI-Agenten und Deepfakes erschweren die Erkennung von Betrugsversuchen massiv. Die Klickrate bei KI-generierten Phishing-Mails liegt bei etwa 54 Prozent – bei klassischen Kampagnen sind es nur 12 Prozent. Die Zahl der Deepfake-VorfĂ€lle stieg im Vergleich zum Vorjahr um mehr als 680 Prozent.

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NIS2 und PSD3: Neue Regeln gegen die Bedrohung

Angesichts dieser Entwicklung gewinnen regulatorische Vorgaben an Bedeutung. Die NIS2-Richtlinie droht Unternehmen bei VerstĂ¶ĂŸen mit Bußgeldern von bis zu zehn Millionen Euro oder zwei Prozent des weltweiten Jahresumsatzes.

Auch beim Online-Banking verschÀrft sich die Lage. Neue EU-Vorgaben wie PSD3 und PSR sollen die Haftungsregeln der Banken bei BetrugsfÀllen konkretisieren. Deutsche Gerichte haben bereits die Anforderungen an die Zwei-Faktor-Authentisierung durch die Banken erhöht.

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