Phishing-Welle, Rechnungen

Phishing-Welle: Über eine Million gefĂ€lschte Rechnungen in drei Tagen

Veröffentlicht am: 19.09.2026 um 02:02 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Cyberkriminelle erschleichen sich ĂŒber Teams, Anrufe und SMS neue MFA-ZugĂ€nge zu Microsoft-365-Konten und greifen anschließend Unternehmensdaten ab.
Ein dunkler, moderner BĂŒroflur mit kĂŒhler Beleuchtung und GlaswĂ€nden, der eine AtmosphĂ€re von digitaler Sicherheit vermittelt. Illustration mit AI erstellt.

Cyberkriminelle geben sich vermehrt als interne IT-Mitarbeiter aus, um Zugriff auf Microsoft-365-Unternehmenskonten zu erlangen. Wie Microsoft Security Research mitteilt, fordern die TĂ€ter ihre Opfer unter dem Vorwand angeblicher Aktualisierungen fĂŒr Passkeys, Multifaktor-Authentifizierung (MFA) oder Single-Sign-On (SSO) zur Preisgabe von Zugangsdaten auf. Das Sicherheitsteam verfolgt entsprechende AktivitĂ€ten ĂŒber mehrere betroffene Konten hinweg bereits seit Mai 2026.

Kontaktaufnahme ĂŒber Teams, Anrufe und Kurznachrichten

Die Angreifer nutzen fĂŒr ihre TĂ€uschungsversuche verschiedene KommunikationskanĂ€le. Neben telefonischen Anrufen und SMS-Nachrichten kontaktieren sie BeschĂ€ftigte auch direkt ĂŒber Microsoft Teams. Nach der erfolgreichen Kontaktaufnahme leiten sie die Betroffenen dazu an, Schritte auszufĂŒhren, ĂŒber die die Angreifer eine eigene MFA-Methode im jeweiligen Konto registrieren können, um sich dauerhaften Zugriff zu sichern.

Nach Angaben von Microsoft Security Research kommt es dabei weder zu einem Diebstahl bestehender Passkeys noch zu einer technischen Umgehung biometrischer Sicherungen. Stattdessen setzt die Masche vollstÀndig auf Social Engineering, um Nutzer zur Autorisierung fremder GerÀte und Methoden zu verleiten.

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Nach erfolgreichem Eindringen griffen die Angreifer auf Dienste wie SharePoint, OneDrive, Exchange Online sowie Microsoft Graph zu. Dabei wurden teilweise weniger als 1.000 Dateien oder E-Mails pro Stunde abgerufen, um Entdeckungsmechanismen nicht vorzeitig auszulösen.

Microsoft warnte im September vor zwei Social-Engineering-Kampagnen, die sich gegen Unternehmenskonten und Finanzsysteme richten. Bei diesen Kampagnen kommen neben gefÀlschtem IT-Support und Passkey-TÀuschungen auch Device-Code-Phishing sowie sogenannte Adversary-in-the-Middle-Verfahren (AiTM) zum Einsatz, um unbefugten Zugriff auf Exchange Online, SharePoint und OneDrive zu erlangen.

Zunahme automatisierter und KI-gestĂŒtzter Kampagnen

Die beobachteten VorfĂ€lle reihen sich in eine breitere Welle gezielter TĂ€uschungsangriffe ein. Zwischen dem 3. und 5. August 2026 registrierte Microsoft eine groß angelegte Kampagne, bei der FĂŒhrungskrĂ€fte imitiert wurden. Dabei wurden mehr als eine Million betrĂŒgerische E-Mails an Finanz- und Buchhaltungsabteilungen verschickt. Diese enthielten gefĂ€lschte Rechnungen fĂŒr Abonnements der Plattform ServiceNow und forderten Überweisungen ĂŒber das ACH-Zahlungssystem in Höhe von 50.000 US-Dollar.

Nach Erhebungen von Microsoft Security Research gingen 87,7 Prozent dieser E-Mails an Nutzer in den Vereinigten Staaten, insbesondere in den Branchen Informationstechnik, KonsumgĂŒter, Immobilien und Fertigung.

Das Microsoft Threat Intelligence Center wies darauf hin, dass die TĂ€ter mithilfe generativer kĂŒnstlicher Intelligenz ĂŒber eine Million einzigartige E-Mails innerhalb von drei Tagen erstellten, erkennbar an spezifischen Hinweisen wie einheitlichen Vorlagen, HTML-Kommentaren und auffĂ€lligen Kopfdaten.

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ZusĂ€tzlich beobachteten Sicherheitsforscher automatisierte MissbrĂ€uche von Schnittstellen. Die Threat Response Unit von eSentire dokumentierte fĂŒr Ende August 2026 die sogenannte GhostCode-Kampagne.

Bei dieser nutzten Angreifer den OAuth-2.0-Device-Authorization-Grant aus, um innerhalb von 78 Sekunden neun erfolgreiche Programmierschnittstellen-Aufrufe bei Diensten wie Intune, Azure Active Directory und Microsoft Graph durchzufĂŒhren. Dabei wurden nach 28, 53 und 77 Sekunden drei GerĂ€te registriert.

Die Intune-Registrierung ĂŒbersteht laut den Analysten auch den Widerruf von Zugriffstoken, wĂ€hrend das primĂ€re Aktualisierungstoken standardmĂ€ĂŸig 14 Tage gĂŒltig bleibt.

Empfehlungen zur Absicherung der Infrastruktur

Angesichts der anhaltenden Kampagnen empfiehlt Microsoft Security Research Unternehmen den Einsatz von Phishing-resistenter MFA. Zudem sollten Administratoren die Registrierung neuer Authentifizierungsmethoden streng einschrĂ€nken und Anmeldungen ĂŒber Device-Codes blockieren.

ErgĂ€nzend rĂ€t das Forschungsteam zu einer lĂŒckenlosen Überwachung von verdĂ€chtigen Anmeldeversuchen, neu hinzugefĂŒgten Authentifizierungsmethoden, Abfragen ĂŒber Microsoft Graph sowie ungewöhnlichem Datenabfluss.

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