Pilates-Forschung, Check

Pilates-Forschung im Check: 25 von 27 Übersichten mit niedriger Qualität

Veröffentlicht am: 20.10.2026 um 00:48 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die Forschung belegt keine klare Überlegenheit von Pilates gegenüber anderen Übungen; nach sechs Monaten waren Gruppenunterschiede nicht mehr signifikant.
Ein minimalistisches, helles Trainingsstudio mit einem leeren Pilates-Reformer-Gerät aus Holz in natürlichem Licht. Illustration mit AI erstellt.

Aktuelle Berichte untersuchen die Effektivität von Reformer-Pilates zur Steigerung der Körperspannung und Stabilität der Körpermitte im Vergleich zu klassischem Rumpftraining.

Anlass für die Debatte bieten Erfahrungsberichte aus der Fitnesspraxis: Die Fitnessjournalistin Lucy Gornall schilderte im britischen Fachblatt Independent, nach sechs Monaten Training am Reformer deutlichere Fortschritte an der Körpermitte festgestellt zu haben als nach zehn Jahren mit traditionellem Core-Training. Im Fokus der Betrachtung stehen die spezifische Funktionsweise der Trainingsgeräte sowie die wissenschaftliche Einordnung der Methode.

Mechanik und Aktivierung der Rumpfmuskulatur

Das Reformer-Training basiert auf einer beweglichen Plattform, Seilzügen und verstellbaren Federn. Durch diesen kontinuierlichen, variablen Widerstand wird die tiefe Bauchmuskulatur inklusive Rücken und Beckenboden fortlaufend beansprucht. Die Methode gilt allgemein als schonend für die Gelenke und eignet sich gleichermaßen für Einsteiger.

Hersteller und Ausrüster wie Wuyi Chaoyuan betonen den Nutzen der Geräte in der Physiotherapie. Durch das Zusammenspiel von Rollen und Federwiderständen lasse sich ein gelenkschonendes Training realisieren, das mehrere Muskelgruppen zugleich kräftige.

Der stufenlos regulierbare Widerstand mache das Gerät zudem für Senioren und Personen mit chronischen Schmerzen nutzbar. Neben Flexibilitätssteigerung, Haltungskorrektur und Verletzungsprävention werden auch mentale Effekte wie Stressabbau angeführt. Eigene vergleichende Studien oder statistische Belastbarkeitsnachweise liefern die Herstellerangaben dazu jedoch nicht.

Vergleich mit Mattentraining und Yoga

Trainingsfachleute verweisen darauf, dass eine Stärkung der Körpermitte nicht zwingend an Großgeräte gebunden ist. Anakarina Balza, seit 25 Jahren Pilates-Instruktorin und Ausbilderin bei Club Pilates España, betont, dass Fortschritte keineswegs ausblieben, wenn ohne Reformer trainiert werde.

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Klassisches Mattentraining verbessere Mobilität, Kraft und Haltungskontrolle effektiv über das eigene Körpergewicht. Sie empfiehlt zwei bis drei wöchentliche Einheiten von jeweils 15 bis 20 Minuten mit den fünf Kernübungen Cat Stretch, Bird Dog, Single Leg Circle, Bridge und Plank.

In der differenzierten Betrachtung von Trainingsformen weisen Fachleute wie Julie Erickson, Laura Baehr von der Drexel University und Theresa DeLorenzo auf unterschiedliche Schwerpunkte hin. Während Yoga über das isometrische Halten von Positionen vor allem die Balance schult, arbeitet Pilates wirbelsäulenzentriert und setzt einen direkteren Fokus auf die Körpermitte.

Die US-Gesundheitsbehörde CDC empfiehlt allgemein mindestens 150 Minuten moderate oder 75 Minuten intensive aerobe Bewegung pro Woche, kombiniert mit zwei Tagen Krafttraining sowie Balanceübungen ab dem 65. Lebensjahr.

Ein spanischer Fachbericht hebt zudem die sechs Grundprinzipien des Pilates hervor – Konzentration, Kontrolle, Zentrierung, Fluss, Präzision und Atmung – und stuft das Training wegen der geringen Gelenkbelastung als besonders passend für Menschen über 50 Jahren ein.

Die wissenschaftliche Evidenzlage im Überblick

In klinischen Untersuchungen fällt die Bewertung von Pilates im Vergleich zu anderen Trainingsmethoden nüchterner aus. Bereits ein Cochrane-Review von Yamato und Kollegen aus dem Jahr 2015, der zehn Studien mit 510 Probanden mit chronisch unspezifischem Rückenschmerz erfasste, stellte zwar eine Verbesserung von Schmerz und Funktion gegenüber Minimalinterventionen fest, fand jedoch keine ausreichende Evidenz für eine Überlegenheit gegenüber anderen Übungsverfahren. Die Qualität der Evidenz lag lediglich im niedrigen bis mittleren Bereich.

Diese Tendenz bestätigte eine randomisierte kontrollierte Studie von Tottoli und Kollegen aus dem Jahr 2024 an 145 Erwachsenen: Zwar zeigte sich nach sechs Wochen mit zwei Einheiten Pilates pro Woche direkt nach Interventionsende ein Vorteil gegenüber einem Heimtraining, dieser war jedoch klinisch nicht bedeutsam. Nach sechs Monaten bestanden zwischen den Gruppen keine signifikanten Unterschiede mehr.

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Zudem bewertete ein Umbrella-Review von Xu und Kollegen aus dem Jahr 2023 über 27 systematische Übersichten die methodische Qualität der Pilates-Forschung überwiegend kritisch; nur eine Übersicht wurde als hoch eingestuft, 25 hingegen als niedrig oder sehr niedrig.

Entsprechend empfiehlt die WHO-Leitlinie zu chronischem primärem Rückenschmerz aus dem Jahr 2023 Bewegungsprogramme im Rahmen einer personenzentrierten Versorgung generell, ohne dabei eine spezifische Marke oder ein bestimmtes Trainingsgerät zu favorisieren.

Bei spezifischen Indikationen wie der Belastungsharninkontinenz von Frauen erwies sich ein isoliertes Beckenbodenmuskeltraining laut einer randomisierten Studie eines brasilianischen Forscherteams um Fernanda Araújo Borges dem Pilates-Training zudem als überlegen.

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