Plasmaversorgung in Europa: Zwei Millionen Spender fehlen fĂŒr mehr UnabhĂ€ngigkeit
Veröffentlicht am: 28.09.2026 um 14:39 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die Sicherstellung einer stabilen Versorgung mit Blutplasma stellt die EuropÀische Union vor wachsende strukturelle Herausforderungen. Nach aktuellen EinschÀtzungen der EU-Kommission importiert Europa bis zu 25 % seines gesamten Plasmabedarfs aus den USA. Um eine relative Selbstversorgung zu erreichen, fehlen laut dem Fachjournal Vox Sanguinis derzeit mindestens zwei Millionen zusÀtzliche Blut- und Plasmaspender innerhalb der Mitgliedstaaten.
Steigende Nachfrage trifft auf sinkende Spendenzahlen
Die Diskrepanz zwischen Bedarf und Eigenversorgung variiert innerhalb Europas erheblich, wie lÀnderspezifische Daten verdeutlichen. Italien kann derzeit rund 60 % bis 70 % seines nationalen Plasmabedarfs aus eigenen BestÀnden decken.
Eine Untersuchung des Nationalen Blutzentrums zeigt jedoch einen massiven Anstieg der Nachfrage nach Immunglobulinen, die zwischen 2014 und 2024 um insgesamt 57 % zunahm. Dies entspricht einer durchschnittlichen jÀhrlichen Steigerung von 5 %.
In Spanien stellt sich die Situation kritischer dar: Im Jahr 2025 lieferte das Land 422.785 Liter Plasma, was einer Quote von 8,64 Litern je 1.000 Einwohner entspricht. Damit liegt Spanien deutlich unter dem EU-Durchschnitt von 17,12 Litern.
Der tatsĂ€chliche Bedarf wird fĂŒr Spanien auf rund 1,5 Millionen Liter geschĂ€tzt. Auch in Ăsterreich ist ein rĂŒcklĂ€ufiger Trend bei den Entnahmemengen zu beobachten. WĂ€hrend im Jahr 2019 noch 500.000 Liter Plasma gewonnen wurden, sank diese Zahl bis zum Jahr 2023 auf rund 400.000 Liter.
Regulatorische Rahmenbedingungen und die EU-SoHO-Verordnung
Um die Sicherheit und QualitÀt von Substanzen menschlichen Ursprungs zu verbessern und die Versorgung zu stabilisieren, wurde die EU-SoHO-Verordnung auf den Weg gebracht, die ab Sommer 2027 wirksam werden soll. Parallel dazu hat der Rat der EU einer umfassenden Reform des EU-Pharmapakets zugestimmt. Bundesgesundheitsminister Carsten Linnemann bezeichnete diese Reform als die bedeutendste seit zwei Jahrzehnten.
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Die Neuregelungen sehen unter anderem vor, die Bearbeitungsfristen fĂŒr ZulassungsantrĂ€ge von 210 auf 180 Tage zu verkĂŒrzen und die Entscheidungswege der EuropĂ€ischen Arzneimittel-Agentur (EMA) effizienter zu gestalten.
Ziel ist es, die Versorgungssicherheit zu erhöhen, EngpĂ€sse abzubauen und Anreize fĂŒr Innovationen sowie die Produktion innerhalb der EU zu schaffen. WĂ€hrend die Mitgliedstaaten mehrheitlich zustimmten, gab es aus der Industrie auch kritische Stimmen bezĂŒglich erweiterter Dokumentations- und Meldepflichten.
Technologische Innovationen in der Blutentnahme
Ein Ansatz zur Steigerung der Effizienz im Gesundheitswesen und zur Entlastung des Fachpersonals liegt in der Automatisierung der Blutentnahme. Das Unternehmen Vitestro erhielt fĂŒr seinen autonomen Blutentnahmeroboter âAlettaâ am 19. August 2026 die De-Novo-Zulassung der US-Gesundheitsbehörde FDA.
In der vorangegangenen ADOPT-Studie, an der 1.633 Patienten in drei niederlÀndischen Zentren teilnahmen, erzielte das System eine Erfolgsquote von 94,5 % bei der Punktion im ersten Versuch, sofern zuvor eine geeignete Vene identifiziert worden war.
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Besonders bemerkenswert zeigten sich die Ergebnisse in speziellen Patientengruppen: Bei schwierigen VenenzugĂ€ngen lag die Quote bei 92,7 %, bei ĂŒber 65-JĂ€hrigen bei 93,4 % und bei Patienten mit einem BMI ĂŒber 30 sogar bei 97,4 %. Die Rate an Nebenwirkungen wurde mit 0,6 % als gering eingestuft.
Zudem lag die HĂ€molyse-Rate mit 0,3 % deutlich unter den ĂŒblichen Laborbenchmarks von 0,7 % bis 3,2 %. Trotz der Automatisierung bleibt gemÀà den regulatorischen Vorgaben eine menschliche Aufsicht bei den Prozeduren vorgeschrieben.
Die Kombination aus regulatorischen Reformen und technologischem Fortschritt markiert einen zentralen Baustein in dem Bestreben, die europÀische SouverÀnitÀt bei der Versorgung mit lebenswichtigen Plasmaderivaten langfristig zu sichern.
