Verpackungen, BlĂ€sshĂŒhner

Verpackungen von 1994 - BlĂ€sshĂŒhner recyceln Plastik

08.03.2025 - 06:00:41

Plastik hĂ€lt sich hartnĂ€ckig in der Umwelt. Das machen sich BlĂ€sshĂŒhner zunutze. Sie erschließen sich neue LebensrĂ€ume - und sparen sich dabei viel Arbeit.

  • Auch in Deutschland nutzen BlĂ€sshĂŒhner oft MĂŒll fĂŒr ihre Nester. In Amsterdam wurden nun Nestbauten untersucht. (Archivbild) - Foto: Sina Schuldt/dpa

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  • In Amsterdam bauen BlĂ€sshĂŒhner ihre Nester auch auf menschengemachte UntergrĂŒnde - und mit menschengemachtem Plastik.  - Foto: Auke-Florian Hiemstra/dpa

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  • Auke-Florian Hiemstra untersucht Vogelnester wissenschaftlich und macht dabei erstaunliche Entdeckungen. - Foto: Hielco Kuipers/Fotoprodukties Leiden/dpa

    Hielco Kuipers/Fotoprodukties Leiden/dpa

Auch in Deutschland nutzen BlĂ€sshĂŒhner oft MĂŒll fĂŒr ihre Nester. In Amsterdam wurden nun Nestbauten untersucht. (Archivbild) - Foto: Sina Schuldt/dpaIn Amsterdam bauen BlĂ€sshĂŒhner ihre Nester auch auf menschengemachte UntergrĂŒnde - und mit menschengemachtem Plastik.  - Foto: Auke-Florian Hiemstra/dpaAuke-Florian Hiemstra untersucht Vogelnester wissenschaftlich und macht dabei erstaunliche Entdeckungen. - Foto: Hielco Kuipers/Fotoprodukties Leiden/dpa

Mars-Verpackungen, McDonald's-Plastik sowie reichlich Covid-Masken: Recycelter Plastikabfall ermöglicht es BlĂ€sshĂŒhnern, mitten in GroßstĂ€dten zu nisten. Einige Nester werden sogar ĂŒber Jahrzehnte genutzt, wie anhand von alten Plastikverpackungen klar wird. DarĂŒber berichten Biologen nach der Analyse etlicher Nester in der Innenstadt von Amsterdam im Fachjournal «Ecology».

Schicht um Schicht Àlteres Plastik

Das Team um Auke-Florian Hiemstra von der UniversitĂ€t Leiden sammelte im Herbst 2021 Nester von BlĂ€sshĂŒhnern (Fulica atra) im Zentrum von Amsterdam. Beim Zerlegen der zu einem großen Teil aus Kunststoff bestehenden Gelege stießen die Forschenden Schicht um Schicht auf immer Ă€ltere Plastik-Überbleibsel. 

Am ergiebigsten war ein Nest in einem Kanal unter einer Anlagestelle in einem ausgehöhlten Metallrohr, das knapp ĂŒber die WasseroberflĂ€che reichte - kurioserweise gegenĂŒber vom archĂ€ologischen Museum der UniversitĂ€t Amsterdam. Darin stieß das Team auf 635 Kunststoff-Reste. Mehr als 200 davon stammten von Lebensmittelverpackungen, von denen 32 ein entzifferbares Datum trugen - und damit datierbar waren.

Teile von 1994, 1996, 2020

Die Ă€ltesten Plastikteile reichten bis in die 1990er Jahre zurĂŒck: Eine Mars-Packung verweist auf die Fußball-WM 1994 in den USA, manche der vielen McDonald's-Packungen stammten von 1996. Die oberen Teile des Nests waren dagegen mit 14 Covid-Masken ausgekleidet, stammten also frĂŒhestens von 2020. «Das Nest erzĂ€hlt die gesamte Geschichte dieser Vögel in Amsterdam», sagt Hiemstra.

Eigentlich bauen BlĂ€sshĂŒhner ihre Nester in jeder Brutsaison neu - aus Naturstoffen, die sich rasch zersetzen. In die Innenstadt von Amsterdam, wo es kaum solches Baumaterial gibt, drangen die Tiere der Studie zufolge erstmals 1989 vor. 

Plastik-Nest hÀlt ewig

Fotos deuten der Studie zufolge darauf hin, dass das Nest gegenĂŒber vom archĂ€ologischen Museum in den vergangenen 30 Jahren etwa zehnmal zum BrĂŒten genutzt wurde - dank der Kunststoff-AbfĂ€lle. Dies, so schreibt das Team, erspart den Vögeln den aufwendigen jĂ€hrlichen Nestbau.

Die einzige andere Vogelart, die neben dem BlĂ€sshuhn im Zentrum von Amsterdam nistet, ist der Studie zufolge ĂŒbrigens der Haubentaucher (Podiceps cristatus). Auch der kann sein Nest demnach mit Plastik bauen.

@ dpa.de