Plesiosaurier, Versteinerte Fossilien

Plesiosaurier-Erbrochenes: Fossilien zeigen, was die Urzeit-Reptilien fraßen

Veröffentlicht am: 23.09.2026 um 09:43 Uhr | dpa, AD HOC NEWS

Forscher haben in norwegischen Bohrkernen mehr als 20 versteinerte Klumpen untersucht, die vermutlich von Plesiosauriern stammen. Die Fossilien enthalten Schalen und andere Reste ihrer Meeresbeute und geben Einblick in das Fressverhalten der ausgestorbenen Reptilien.

  • Plesiosaurier spuckten Unverdauliches wohl wieder aus - ähnlich wie Eulen heute das tun. - Bild: Lente Artemieff/Cambridge University/EurekaAlert/dpa
    Plesiosaurier spuckten Unverdauliches wohl wieder aus - ähnlich wie Eulen heute das tun. - Bild: Lente Artemieff/Cambridge University/EurekaAlert/dpa
  • Ansammlung von Muschelschalen und Pflanzenresten – interpretiert als das Erbrochene eines Plesiosauriers. - Bild: Dirk Knaust/Cambridge University/EurekaAlert/dpa
    Ansammlung von Muschelschalen und Pflanzenresten – interpretiert als das Erbrochene eines Plesiosauriers. - Bild: Dirk Knaust/Cambridge University/EurekaAlert/dpa
Plesiosaurier spuckten Unverdauliches wohl wieder aus - ähnlich wie Eulen heute das tun. - Bild: Lente Artemieff/Cambridge University/EurekaAlert/dpa Ansammlung von Muschelschalen und Pflanzenresten – interpretiert als das Erbrochene eines Plesiosauriers. - Bild: Dirk Knaust/Cambridge University/EurekaAlert/dpa

In norwegischen Bohrkernen haben Forscher mehr als 20 versteinerte Klumpen untersucht, die vermutlich aus dem Erbrochenen von Plesiosauriern stammen.

Unverdauliche Reste aus dem Meer

Der Paläontologe Dirk Knaust analysierte die walnuss- bis mangogroßen Fossilien. Die Brocken enthalten unter anderem Schalen von Muscheln sowie Behausungen von Röhrenwürmern, Seelilien und Belemniten, tintenfischartigen Kopffüßern.

Fachleute bezeichnen solche versteinerten Massen als Regurgitalithe. Knaust wertete für die Untersuchung Material aus, das er über drei Jahrzehnte in mehreren Tausend Metern Bohrkern aus Nordsee-Bohrlöchern seines Arbeitgebers, des norwegischen Energieunternehmens Equinor, untersucht hatte.

Hinweise auf Kryptoklididen

Die Mischung der Bestandteile und die Größe der Klumpen deuteten auf Plesiosaurier als Verursacher hin. Konkret führt Knaust die Fossilien auf Kryptoklididen zurück, mittelgroße Plesiosaurier, die vor etwa 175 bis 100 Millionen Jahren lebten.

Plesiosaurier wurden bis zu gut ein Dutzend Meter lang. Sie besaßen vier paddelförmige Flossen und häufig einen langen Hals. Nach früheren Untersuchungen verschlangen sie Muscheln und andere Nahrung vom Meeresboden wahrscheinlich mit nach unten geneigtem Kopf, konnten die Schalen aber nicht mit den Zähnen zerkleinern.

Versteinert unter dem Meeresboden

Nach der Jagd könnten sich die Tiere der Analyse zufolge zur Erholung oder zum Schlafen der Küste genähert und die unverdaulichen Reste anschließend unter Wasser wieder hochgewürgt haben. Ein ähnliches Verhalten ist heute bei Robben und Salzwasserkrokodilen zu beobachten.

Die Erbrochenes-Klumpen blieben den Angaben zufolge erhalten, weil sie stark verdichtet und mit Schleim überzogen waren. Einige wurden rasch von Sediment bedeckt, andere gelangten in von Krebstieren angelegte Höhlen, die sie zusätzlich schützten.

Fundort nahe dem Gasfeld Troll

Die Fossilien stammen hauptsächlich aus dem Bau einer Unterwasser-CO2-Speicherstätte in der Nähe des Gas- und Ölfelds Troll. Das Gebiet lag vor rund 175 bis 100 Millionen Jahren in flachen Gewässern von Flussdeltas, etwa 50 Kilometer vor der heutigen norwegischen Küste.

Plesiosaurier überlebten nach Angaben der University of Cambridge mehr als 140 Millionen Jahre lang verschiedene Massenaussterben. Weil Skelette der Tiere weltweit gefunden wurden, hält Knaust ähnliche Fossilien auch an anderen Küsten für möglich.

Fossilien als Spuren des Fressverhaltens

Die Untersuchung erweitert den Blick auf Plesiosaurier, weil nicht nur Skelette, Zähne oder einzelne Beutetiere Rückschlüsse auf ihr Leben erlauben. Auch die Hinterlassenschaften der Verdauung können zeigen, welche Nahrung ein Tier aufnahm und welche Bestandteile sein Körper nicht verarbeiten konnte. Bei den beschriebenen Klumpen handelt es sich um Regurgitalithe – verfestigte Massen aus wieder hochgewürgten Resten.

Besonders aussagekräftig ist die Kombination der Bestandteile: Schalen von Muscheln, Behausungen von Röhrenwürmern, Seelilien und Belemniten verweisen auf Nahrung aus dem Meeresboden. Die Größe und Verdichtung der Brocken sprechen zugleich gegen einzelne zufällig zusammengepresste Schalenansammlungen. Damit liefern die Funde Hinweise auf eine Ernährungsweise, bei der die Tiere Beute samt schwer verdaulichen Teilen verschluckten und diese später gebündelt wieder abgaben.

Nordsee-Bohrkerne als paläontologisches Archiv

Die Fossilien stammen aus Bohrkernen, die im Zusammenhang mit dem Bau einer Unterwasseranlage zur CO2-Speicherung gewonnen wurden. Das zeigt, dass auch moderne Energie- und Infrastrukturprojekte wissenschaftlich wertvolle Einblicke in längst vergangene Lebensräume eröffnen können. Die Fundstelle lag einst in flachen Gewässern von Flussdeltas, rund 50 Kilometer vor der heutigen norwegischen Küste.

Für die Paläontologie sind solche Spuren deshalb wichtig, weil sie Verhalten dokumentieren, das an einem Skelett meist nicht ablesbar ist. Die Studie lenkt den Blick zudem auf weitere Küstenregionen mit Plesiosaurier-Fossilien, in denen ähnliche Erbrochenes-Klumpen erhalten sein könnten.

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