Geschlechter, Schweiz

MÀnner haben bei Marathons öfter plötzlichen Tempo-Einbruch

04.07.2026 - 04:30:07 | dpa.de

Plötzlich keine Kraft mehr auf den letzten Kilometern? MÀnner trifft das «Hitting the Wall» doppelt so oft wie Frauen. Was dahintersteckt und wie man vorbeugen kann.

  • Zu schnell los und dann frĂŒher schlapp? Das kommt der Studie zufolge bei mĂ€nnlichen Marathon-LĂ€ufern deutlich hĂ€ufiger vor.  - Bild: Christian Charisius/dpa
    Zu schnell los und dann frĂŒher schlapp? Das kommt der Studie zufolge bei mĂ€nnlichen Marathon-LĂ€ufern deutlich hĂ€ufiger vor. - Bild: Christian Charisius/dpa
  • Hunderttausende LĂ€uferdaten aus Berlin flossen in die aktuelle Studie ein.  - Bild: Sebastian Christoph Gollnow/dpa
    Hunderttausende LĂ€uferdaten aus Berlin flossen in die aktuelle Studie ein. - Bild: Sebastian Christoph Gollnow/dpa
Zu schnell los und dann frĂŒher schlapp? Das kommt der Studie zufolge bei mĂ€nnlichen Marathon-LĂ€ufern deutlich hĂ€ufiger vor.  - Bild: Christian Charisius/dpa Hunderttausende LĂ€uferdaten aus Berlin flossen in die aktuelle Studie ein.  - Bild: Sebastian Christoph Gollnow/dpa

ZĂŒgig los in den Marathon – und in der zweiten HĂ€lfte dann deutlich langsamer: Dieses Muster kommt einer aktuellen Studie zufolge bei MĂ€nnern deutlich hĂ€ufiger vor als bei weiblichen Marathon-LĂ€uferinnen. Bei MĂ€nnern sei das «Hitting the Wall» genannte PhĂ€nomen womöglich etwa doppelt so wahrscheinlich wie bei Frauen, heißt es in der im Fachblatt «Scientific Reports» veröffentlichten Studie. 

Unter «Hitting the Wall» verstehen LĂ€uferinnen und LĂ€ufer einen plötzlichen Leistungseinbruch, der auftritt, wenn der Körper seine schnell verfĂŒgbaren Energiereserven verbraucht hat. In der aktuellen Studie definierte das Forschungsteam um den Schweizer Beat Knechtle «Hitting the Wall» als Verringerung des Durchschnittstempos um mindestens 20 Prozent in der zweiten HĂ€lfte des Marathons verglichen mit der ersten HĂ€lfte des Laufs.

Hunderttausende LĂ€uferdaten vom Berlin Marathon analysiert

Knechtle hat gemeinsam mit Kollegen aus Brasilien LĂ€uferdaten des Berlin Marathon aus den Jahren 1999 bis 2025 ausgewertet. Insgesamt wurden dabei mehr als 850.000 Laufzeiten fĂŒr die 42-Kilometer-Strecke einbezogen, wobei diese teils von denselben LĂ€ufern aus mehreren Jahren stammen. 76 Prozent der betrachteten LĂ€ufer waren mĂ€nnlich und mehr als die HĂ€lfte war im Alter von 35 bis 49 Jahren. 

Insgesamt absolvierten die MÀnner den Marathon im Schnitt schneller (in 4 Stunden und 2 Minuten) als die Frauen (4 Stunden und 29 Minuten). Aber: Die MÀnner erlebten fast doppelt so hÀufig das «Hitting the Wall»-PhÀnomen, nÀmlich knapp 18 Prozent von ihnen. Bei den Frauen waren es unter 10 Prozent. 

Bei mĂ€nnlichen LĂ€ufern, die unter drei Stunden fĂŒr den Marathon brauchten, lag die HĂ€ufigkeit fĂŒr den Leistungseinbruch sogar sechsmal höher als bei den Frauen (1,42 versus 0,23 Prozent). 

Es sei interessant und ĂŒberraschend, dass der plötzliche Leistungseinbruch bei MĂ€nnern kein AnfĂ€ngerproblem sei, sondern bei den sehr schnellen LĂ€ufern sogar besonders hĂ€ufig ausgeprĂ€gt gewesen sei, betont Co-Autor Aldo Seffrin. «Dass sie fitter und erfahrener waren, hat die MĂ€nner nicht geschĂŒtzt.»

MĂ€nner verschießen ihr Pulver oft schneller

«MĂ€nner kamen im Durchschnitt schneller ins Ziel, verteilten ihre KrĂ€fte jedoch weniger sorgfĂ€ltig. Frauen liefen gleichmĂ€ĂŸiger und hielten ihr Tempo auch in der zweiten HĂ€lfte», so Seffrin weiter. Dies deute darauf hin, dass die gezielte Einteilung der KrĂ€fte genauso wichtig ist wie die reine Geschwindigkeit und «dass viele MĂ€nner davon profitieren wĂŒrden, wenn sie konservativer starten wĂŒrden».

Bei 52 Prozent der Frauen war kein klarer Leistungsabfall im Laufe des Marathons erkennbar – dies war bei den MĂ€nnern nur bei gut einem Drittel (36 Prozent) der Fall. Dass MĂ€nner hĂ€ufiger im Verlauf eines lĂ€ngeren Laufs langsamer werden, sei bereits aus frĂŒherer Forschung bekannt gewesen, schreiben die Autoren. Allerdings sei bislang nicht nachgewiesen worden, ob das PhĂ€nomen in großen Kohorten, also grĂ¶ĂŸerem Maßstab, zu beobachten ist. 

Als möglichen Grund fĂŒhrt das Team an, dass der weibliche Körper beim Laufen seinen Glykogenvorrat schonender verbraucht. Glykogen ist die Speicherform von Glucose und dient als kurzfristiger Energiespeicher. Geschlechtsspezifische Unterschiede beim Stoffwechsel und beim Anteil bestimmter Muskelfasern könnten den Glykogenmangel, der das PhĂ€nomen «Hitting the Wall» auslöse, womöglich wirksam verzögern.

Aus SelbstĂŒberschĂ€tzung zu schnell los?

Aus der Verhaltensforschung sei außerdem bekannt, dass MĂ€nner dazu neigten, sich zu ĂŒberschĂ€tzen und risikobereiter zu sein. Im Kontext eines Marathons, bei dem das Tempo selbst bestimmt werde, könne sich dies in einem höheren Anfangstempo niederschlagen. Allerdings handelt es sich hierbei nur um Mutmaßungen des Forschungsteams, die aktuelle Studie erhob dazu keine Daten. 

Die Forscher empfehlen MĂ€nnern, langsamer ins Rennen zu starten und erst spĂ€ter zu beschleunigen. So könne das Risiko fĂŒr «Hitting the Wall» möglicherweise reduziert werden. FĂŒr Forscher Knechtle haben die Erkenntnisse direkten Nutzen fĂŒr den Alltag auch außerhalb der Wissenschaft: Er ist selbst begeisterter und regelmĂ€ĂŸiger MarathonlĂ€ufer, wie er sagt.

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