Saatgut im Briefkasten, aber nicht bestellt? Behörden warnen
03.09.2025 - 08:45:35Wer ohne eine entsprechende Bestellung PĂ€ckchen mit Saatgut in seinem Briefkasten findet, sollte Vorsicht walten lassen. Die zustĂ€ndigen Behörden empfehlen dringend, unbestellte Samen nicht auszusĂ€en, sondern im HausmĂŒll zu entsorgen â nicht im Kompost oder in der Biotonne. Solche oft aus China stammenden Sendungen sind fĂŒr die Behörden Anlass fĂŒr Warnungen.
«Von solchem unbekannten Saatgut geht eine Gefahr fĂŒr unsere Natur, das urbane GrĂŒn mit GĂ€rten und Parks und sogar die Landwirtschaft aus», erklĂ€rt Bernhard SchĂ€fer vom Julius KĂŒhn-Institut (JKI) in Braunschweig, dem Bundesforschungsinstitut fĂŒr Kulturpflanzen. «Denn es kann sich dabei um invasive Arten handeln, die sich unkontrolliert ausbreiten und heimische Pflanzen verdrĂ€ngen.» Das Saatgut könne auch von Krankheiten und SchĂ€dlingen befallen sein.
Wegen der Gefahr, invasive Arten einzuschleppen, sei es auch generell nicht empfehlenswert, Saatgut etwa aus China zu kaufen, selbst wenn alle Papiere korrekt sind. «TatsÀchlich raten wir davon ab, Saatgut im Internet zu bestellen aus Nicht-EU-LÀndern», betont das JKI.
Zehntausende Sendungen aus dem Verkehr gezogen
Am Flughafen Frankfurt seien in diesem Jahr bei Kontrollen der Pflanzengesundheitsinspektion bis Anfang Juni etwa 65.000 Sendungen mit Saatgut aus China ohne notwendige Papiere entdeckt worden. Dies sei eine HĂ€ufung, wie eine JKI-Sprecherin bestĂ€tigt. Das zustĂ€ndige RegierungsprĂ€sidium GieĂen zĂ€hlte 2020 mehr als 126.000 solcher Sendungen â allerdings im Gesamtjahr.
Weil Pflanzengesundheitszeugnisse fehlten, seien die Sendungen zurĂŒckgeschickt worden. Ăberwiegend sei darin nicht bestelltes Saatgut gewesen. Oft fielen die PĂ€ckchen dadurch auf, dass fĂ€lschlicherweise etwa «Ohrschmuck» oder «GruĂkarten» als Inhalt angegeben war, heiĂt es vom JKI und den zustĂ€ndigen Landespflanzenschutzdiensten.
In Frankfurt tritt das PhÀnomen deshalb so gehÀuft auf, weil sich am Frankfurter Flughafen das DHL-Postzentrum befindet, von dem aus PÀckchen aus China nach ganz Deutschland weiterverschickt werden. Andere BundeslÀnder seien von der «neuen Masche» kaum betroffen, so die Behörden.
Motive sind unklar
Die Absicht hinter den unbestellten Sendungen ist bislang nicht eindeutig geklĂ€rt. Möglich sei sogenannter «Brushing Scam», mutmaĂen die Experten. So werden betrĂŒgerische Tricks bezeichnet, die das Ziel haben, Verkaufszahlen fĂ€lschlicherweise in die Höhe zu treiben oder Nutzerbewertungen zu erhalten. Saatgut komme fĂŒr diese Methode deshalb infrage, weil es leicht und gĂŒnstig sei und als Briefsendung verschickt werden könne.
Ein weiteres mögliches Szenario sei, dass Eintrittspunkte in die EU getestet wĂŒrden, um Stellen zu finden, an denen nicht einfuhrfĂ€hige Sendungen leichter durchkĂ€men, heiĂt es vom RegierungsprĂ€sidium.
Nach Angaben der deutschen Behörden sind auch in anderen EU-LÀndern Àhnliche FÀlle bekannt. China sollte aufgefordert werden, zoll- und pflanzengesundheitliche Bestimmungen einzuhalten.


