Pluton und TPM 2.0: Microsoft ändert Sicherheitsvorgaben für PCs ab 2026
Veröffentlicht am: 28.10.2026 um 23:52 Uhr | Redaktion boerse-global.deMicrosoft vollzieht eine strategische Kurskorrektur bei der Sicherheitsarchitektur künftiger PCs. Seit dem 8. Oktober 2026 sieht die Hardware-Sicherheitsdokumentation des Unternehmens vor, dass der Microsoft-eigene Sicherheitschip Pluton ab Prozessorgenerationen des Jahres 2026 nicht mehr die Funktion eines Trusted Platform Module 2.0 auf neuen Systemen von AMD, Intel und Qualcomm übernehmen darf.
Die Bereitstellung der kryptografischen TPM-Dienste fällt damit wieder vollständig an herstellereigene Firmware-Lösungen wie Intels Platform Trust Technology oder an eigenständige, diskrete Sicherheitsbausteine zurück.
Dokumentierte Änderung ohne Begründung
Die Anpassung der Hardware-Vorgaben erfolgte ohne gesonderte öffentliche Ankündigung in der offiziellen Dokumentation des Konzerns. Microsoft nannte darin keine Gründe für den Schritt und ließ entsprechende Medienanfragen unbeantwortet.
Die Neuregelung betrifft ausschließlich kommende Plattformen ab dem Jahr 2026. Bestehende Systeme, die im Jahr 2025 oder früher mit AMD- oder Qualcomm-Prozessoren auf den Markt kamen und Pluton als TPM nutzen, verbleiben im vollen Support und erhalten weiterhin Aktualisierungen.
Völlig verdrängt wird der Sicherheitschip zudem auch künftig nicht: Pluton bleibt als hardware-isolierte Sicherheitsumgebung beziehungsweise als separater Sicherheitsprozessor auf Windows-Geräten erhalten.
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Lediglich die TPM-Rolle entfällt für künftige Generationen. Die Firmware für Pluton wird weiterhin über Windows Update ausgeliefert, während die Sicherheitsfunktion SHACK die nicht exportierbaren Schlüssel schützt.
Nutzer können den Status ihres Sicherheitsprozessors in den Windows-Einstellungen unter Gerätesicherheit oder über das Systemprogramm zur TPM-Verwaltung einsehen. Vor Eingriffen in die Firmware mahnt Microsoft zudem zur Vorsicht: Die Dokumentation weist darauf hin, dass BIOS-Änderungen zu einem TPM-Verlust führen können, weshalb der BitLocker-Wiederherstellungsschlüssel vorab gesichert werden sollte.
Unveränderte Mindestanforderungen für Windows 11
Trotz der Verschiebung bei der Implementierung hält Microsoft an den strikten Systemvoraussetzungen für Windows 11 fest. TPM 2.0 bleibt zwingend vorgeschrieben. In einem Blogbeitrag bekräftigte das Unternehmen, dass die Mindestanforderungen nicht gelockert werden. Neben TPM 2.0 umfasst die Baseline weiterhin zwingend UEFI inklusive Secure Boot sowie mindestens 4 Gigabyte Arbeitsspeicher und 64 Gigabyte Speicherplatz.
Auch an den CPU-Listen rüttelt Microsoft nicht: Unterstützt werden Prozessoren ab der achten Generation der Intel-Core-Reihe, AMD Ryzen ab der 2000er-Serie sowie Qualcomm-Chips der 7er- und 8er-Reihen. Gerüchte über eine Rückkehr zu TPM 1.2 wurden dementiert.
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Zudem unterband Microsoft in der Systemversion Windows 11 26H2, die seit dem 29. September 2026 allgemein verfügbar ist, erneut einfache Umgehungsmöglichkeiten der TPM-Prüfung. Für ältere Versionen läuft die Frist ab: Sicherheitsupdates für Windows 11 24H2 in den Editionen Home und Pro endeten am 13. Oktober 2026. Der Support für Windows 10 läuft derweil noch bis 2027.
Herausforderungen bei alternativen fTPM-Lösungen
Mit dem Rückzug von Pluton aus der TPM-Verantwortung rücken die integrierten Firmware-TPMs der Prozessorhersteller wieder stärker in den Fokus, die in der Vergangenheit nicht frei von Problemen waren. AMD hatte im August zwei als schwerwiegend eingestufte Sicherheitslücken im TPM-2.0-Referenzcode für fTPM gemeldet, die über BIOS-Updates behoben werden mussten.
Bereits im Jahr 2022 führten fTPM-Ruckler auf Ryzen-Systemen zu Problemen, ehe ein Update auf die AGESA-Version 1207 Abhilfe schuf. Zudem gelang es Forschern der Technischen Universität Berlin im Jahr 2023, das AMD-fTPM auf Zen-2- und Zen-3-Prozessoren mit Ausrüstung im Wert von rund 200 US-Dollar zu überwinden.
