Poisoned Source: APT29 infiziert Android-GerÀte ohne Nutzerklick
Veröffentlicht am: 05.11.2026 um 11:53 Uhr | Redaktion boerse-global.deSicherheitsforscher des IT-Sicherheitsunternehmens Sekoia haben eine groĂangelegte Watering-Hole-Kampagne unter dem Namen Poisoned Source aufgedeckt. Dabei wurden Android-GerĂ€te beim bloĂen Aufrufen manipulierter Webseiten ohne jegliche Nutzerinteraktion infiziert. Die Angreifer nutzten dafĂŒr eine Kette bekannter SicherheitslĂŒcken in Google Chrome fĂŒr Android sowie in Grafiktreibern von Qualcomm aus.
Sekoia ordnete die Kampagne mit moderater bis hoher Konfidenz dem russischen Auslandsgeheimdienst SVR beziehungsweise der Hackergruppe APT29 zu, die auch unter Bezeichnungen wie Midnight Blizzard oder Cozy Bear bekannt ist. Entdeckt wurde die AktivitÀt Mitte Oktober 2026.
Zweistufige Exploit-Kette und Spyware AndroSnitch
Die technische Umsetzung basierte laut Sekoia auf einer Kombination zweier Schwachstellen. Die SicherheitslĂŒcke CVE-2026-3910 im Browser Google Chrome ermöglichte zunĂ€chst eine Code-AusfĂŒhrung innerhalb der Anwendung.
Ăber die Schwachstelle CVE-2025-27038 in Qualcomm-Adreno-GPU-Treibern gelang den Angreifern anschlieĂend der Ausbruch aus der Sicherheits-Sandbox auf das Betriebssystem. Betroffen waren die Chrome-Versionen 139 bis 145, wobei Version 143 ausgenommen war.
Nach erfolgreicher Infektion platzierte die Exploit-Kette eine Schadsoftware namens AndroSnitch. Diese stahl gezielt sensible Browserdaten, darunter Chrome-Cookies, gespeicherte Anmeldedaten und den Browserverlauf, sowie WLAN-Passwörter des GerĂ€ts. Die gestohlenen Daten wurden an die Adresse ad.starx-net[.]com:8881 ĂŒbertragen.
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Die Schadprogramme verfĂŒgten ĂŒber keine Persistenzmechanismen, womit ein einfacher Neustart des Smartphones die aktive Infektion beendete. Zudem brach die Exploit-Kette automatisch ab, wenn sie ein Samsung Galaxy S25 Ultra mit der Modellnummer SM-S938B erkannte.
Kompromittierte Analysedienste und gefÀlschte Webseiten
FĂŒr die Verbreitung nutzten die HintermĂ€nner drei unterschiedliche Wege. Neben injizierten Skripten auf legitimen Webseiten kamen tĂ€uschend echt wirkende Nachbildungen bekannter Internetauftritte zum Einsatz. Dazu zĂ€hlten america250[.]holiday als Reverse-Proxy fĂŒr das US-Portal america250.org sowie theowo[.]club als Weiterleitung fĂŒr das Luxushotel Raffles London at The OWO.
ZusÀtzlich kam es zu einem Supply-Chain-Angriff auf den ukrainischen Web-Analyse- und SEO-Dienst Plerdy. Zwischen dem 27. August und dem 3. September 2026 war das Tracking-Skript des Anbieters manipuliert, wodurch Schadcode auf Tausenden vorwiegend ukrainischen Internetseiten ausgespielt wurde.
Zu den betroffenen Zielen zÀhlten unter anderem ein ukrainischer Gasproduzent, ukrainische MilitÀrportale, ein US-Branchenverband der Chemieindustrie, eine tschechische Gruppierung sowie eine bulgarische MilitÀrwebseite. Die Opfer befanden sich vor allem in der Ukraine, aber auch in weiteren europÀischen LÀndern sowie in den USA. Die genaue Zahl der infizierten GerÀte ist laut Sekoia unbekannt.
Ausnutzung bekannter Schwachstellen und parallele iOS-Angriffe
Bei sĂ€mtlichen ausgenutzten Schwachstellen handelte es sich um sogenannte N-Day-LĂŒcken, fĂŒr die bereits Sicherheitsupdates vorlagen. Google hatte die BrowserlĂŒcke mit Version 146 im MĂ€rz 2026 geschlossen, wĂ€hrend Qualcomm den Patch fĂŒr die GPU-Schwachstelle bereits im Juni 2025 in einem Sicherheitsbulletin veröffentlicht hatte. Nutzer erhalten solche GPU-Treiber-Aktualisierungen jedoch ausschlieĂlich ĂŒber monatliche Sicherheitsupdates der jeweiligen GerĂ€tehersteller.
Wer sein Smartphone regelmĂ€Ăig fĂŒr Online-Banking oder Messenger nutzt, sollte die Sicherheit nicht dem Zufall ĂŒberlassen, da veraltete Systeme eine offene TĂŒr fĂŒr Cyberkriminelle darstellen. Ein kostenloser PDF-Report erklĂ€rt, wie Sie durch die richtigen Updates und Einstellungen Datenverlust dauerhaft verhindern. Kostenlosen Android-Sicherheits-Report herunterladen
Neben Android nahmen die Angreifer laut Sekoia auch GerĂ€te mit dem Apple-Betriebssystem iOS ĂŒber separate Angriffsketten ins Visier. Ein Exploit gegen iOS 16.7 nutzte die Schwachstellen CVE-2025-43529 und CVE-2024-27834, um gezielt Safari-Cookies abzugreifen.
Eine weitere Kette gegen iOS 18.5 basierte auf dem DarkSword-Exploit-Kit und kombinierte die LĂŒcken CVE-2025-43529, CVE-2026-20700, CVE-2025-14174, CVE-2025-43510 sowie CVE-2025-43520. Diese Variante ermöglichte das Auslesen von SMS-Nachrichten, Datenbanken von WhatsApp und Telegram, Daten des iCloud-SchlĂŒsselbunds sowie von Standortdaten und Fotos.
