Polens, Arzneimittelliste

Polens Arzneimittelliste: 296 PrĂ€parate ab 6. November vor Export geschĂŒtzt

Veröffentlicht am: 30.10.2026 um 11:30 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die aktualisierte polnische Liste umfasst zwei PrÀparate mehr und soll ab 6. November 2026 gelten.
Innenansicht einer modernen, sterilen Produktionsanlage fĂŒr medizinische Produkte mit Edelstahlleitungen. Illustration mit AI erstellt.

Das polnische Gesundheitsministerium steuert erneut gegen drohende LieferengpĂ€sse und unkontrollierte Arzneimittelexporte: Mit einer am 29.10.2026 veröffentlichten Bekanntmachung wurde eine aktualisierte Fassung der sogenannten „Antywywozowa“-Liste erlassen, die ab dem 6.11.2026 gilt. Das Verzeichnis fĂŒhrt 296 Produkte auf, die infolge von EngpĂ€ssen oder Exportrisiken im Land nur eingeschrĂ€nkt verfĂŒgbar sind.

Die Maßnahme stĂŒtzt sich auf Art. 37av Abs. 14 des polnischen Arzneimittelgesetzes. GegenĂŒber dem vorherigen Verzeichnis vom 9.09.2026, das 294 Positionen umfasste, wuchs die Liste damit um zwei EintrĂ€ge an.

Kontinuierlicher Zuwachs an betroffenen PrÀparaten

Die Zahl der erfassten Arzneimittel spiegelt einen anhaltenden Trend im Jahresverlauf wider. Nach Angaben des polnischen Gesundheitsministeriums stieg die Zahl der EintrĂ€ge von 273 im Februar 2026 ĂŒber 282 im April, 288 im Juli und 294 im September auf nunmehr 296 Produkte im November 2026. Dies entspricht einem Gesamtanstieg um 23 Positionen beziehungsweise rund 8,4 Prozent.

Neu aufgenommen wurden diesmal unter anderem Depo-Medrol 40 mg/ml, Ezoleta 10 mg, Metypred 4 mg, Pergoveris in den StÀrken 300+150 j.m. sowie 900+450 j.m. und Systen 50. Gleichzeitig wurden PrÀparate wie Anoro Ellipta und NovoRapid 100 j./ml von der Liste gestrichen.

Auch Shingrix wurde entfernt; der Impfstoff ist seit dem 1.04.2025 fĂŒr Personen ab 65 Jahren mit GĂŒrtelrose-Risiko ĂŒber die Liste S kostenfrei und fĂŒr Risikogruppen ab 18 Jahren zu 50 Prozent erstattungsfĂ€hig.

Breites Spektrum an chronischen Therapien betroffen

Der Schwerpunkt des polnischen Export- und Schutzverzeichnisses liegt auf versorgungsrelevanten Therapiefeldern. Hierzu zĂ€hlen Antidiabetika wie Abasaglar, Ozempic und Trulicity (GLP-1-Rezeptor-Agonisten fĂŒr Typ-2-Diabetes und Adipositas) sowie eine breite Palette an Insulinen, darunter Actrapid, Apidra, Fiasp, Gensulin, Humalog, Humulin, Insulatard, Lantus, Levemir, Liprolog, Mixtard, NovoRapid, Polhumin, Ryzodeg, Suliqua und Tresiba.

DarĂŒber hinaus umfasst die Liste essenzielle PrĂ€parate aus der Neurologie und Psychiatrie wie Concerta bei ADHD sowie die Antipsychotika Rispolept Consta, Trevicta und Zypadhera. Im Bereich der Atemwege finden sich inhalative Arzneimittel wie Budiair, DuoResp Spiromax und Flixonase.

Zudem stehen Onkologika wie Endoxan, das Transplantationsmedikament Envarsus, der HPV-Impfstoff Gardasil 9, das Pankreasenzym Kreon 25 000, Schmerzmittel wie Poltram Combo, Instanyl, Matrifen, MST Continus, Sevredol und Vendal retard sowie Hormontherapien wie Systen Conti, Gonal-f, Menopur und Omnitrope unter Beobachtung. ErgÀnzt wird die Liste durch Immunglobuline, Antiepileptika sowie spezialisierte SÀuglingsnahrung der Marken Bebilon, Neocate und Nutramigen.

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GrenzĂŒberschreitende Dimension der EngpĂ€sse

Die polnischen Schutzmaßnahmen reihen sich in eine Reihe Ă€hnlicher Probleme in den europĂ€ischen NachbarlĂ€ndern ein. Bei dem Pankreasenzym-PrĂ€parat Kreon bestehen europaweit Störungen.

Wie Németh Ákos von der ungarischen Apothekerkammer im Komitat Vas darlegte, ist die Versorgung mit Kreon und Pangrol in mehreren LÀndern beeintrÀchtigt, wobei begrenzte ProduktionskapazitÀten auf eine steigende Nachfrage treffen.

Nach EinschĂ€tzung der EuropĂ€ischen Arzneimittelagentur könnten sich die Produktionsprobleme bei Kreon voraussichtlich in der ersten HĂ€lfte 2027 entspannen; betroffene Patienten sollten Therapiewechsel nur in RĂŒcksprache mit Ärzten vornehmen.

Auch in Deutschland greifen Sonderregelungen zur Abfederung von Mangellagen. So informierte Sanofi-Aventis Deutschland ĂŒber das befristete Inverkehrbringen von Xenpozyme (Olipudase alfa) 4 mg in spanischer Aufmachung, um einen drohenden Lieferengpass abzuwenden.

Die Maßnahme beruht auf den §§ 10 Abs. 1a und 11 Abs. 1c des Arzneimittelgesetzes und ist bis zum 31.12.2026 befristet. Das EnzymersatzprĂ€parat zur Behandlung von Sphingomyelinase-Defizienz (Morbus Niemann-Pick Typ A und B) ist ab dem 1.11.2026 unter der PZN 14443698 im Direktvertrieb erhĂ€ltlich.

Neben Sanofi nutzen auch die Hersteller Laboratoires Bailleul und Stada Ausnahmeregelungen fĂŒr auslĂ€ndische Ware: So wird Isotretinoin als Isotiorga aus Portugal (AVP 28,33 bis 67,15 Euro) importiert, Xenpozyme aus Spanien fĂŒr 735,46 Euro bereitgestellt und Hukyndra (Adalimumab) von Stada in skandinavischer Aufmachung zu einem Preis von 2.750,79 Euro fĂŒr sechs Fertigpens abgegeben. Parallel wies das BfArM fĂŒr Triam 10mg Lichtenstein eine Erstmeldung ĂŒber einen Lieferengpass vom 01.10.2026 bis voraussichtlich 05.01.2027 aus.

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In Italien genehmigte die Zulassungsbehörde AIFA auf Unternehmensantrag die Einfuhr von Curam intravenös als Ersatz fĂŒr nicht verfĂŒgbares Amoxicillin/ClavulansĂ€ure von Sandoz. Die französische ANSM registrierte zeitgleich Versorgungsspannungen bei PrĂ€paraten wie Betneval, Diamox, Fluoxetin und Hydrocortisone Upjohn.

Außerhalb der EU meldeten unterdessen russische Regionen am 27.10.2026 erhebliche MĂ€ngel bei Glukagon, die zu parlamentarischen AufklĂ€rungsbitten fĂŒhrten.

Ursachenanalyse und gesundheitspolitische Reaktionen

Die strukturellen Ursachen der InstabilitĂ€t analysierte das Zentralinstitut fĂŒr die kassenĂ€rztliche Versorgung (Zi). Im Jahr 2025 gingen beim Bundesinstitut fĂŒr Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) 1.514 Meldungen zu insgesamt 1.041 LieferengpĂ€ssen ein.

Besonders betroffen waren Psychopharmaka, bei denen ein Engpass im Schnitt 230 Tage andauerte. Als Hauptursache nannte das Zi die Konzentration der Arznei- und Hilfsstoffproduktion auf wenige Hersteller, vorwiegend in China und Indien.

Nach Angaben der ABDA verbringt jede Apotheke im Schnitt mehr als 20 Stunden pro Woche mit dem Engpass-Management. Laut dem Apothekenklima-Index 2025 zĂ€hlten 66 Prozent der befragten Apothekeninhaber LieferengpĂ€sse zu den grĂ¶ĂŸten Ärgernissen, nach 82,8 Prozent im Vorjahr.

Auf politischer Ebene plĂ€dierte der niedersĂ€chsische Gesundheitsminister Andreas Philippi dafĂŒr, HamsterkĂ€ufe zu unterlassen, die EngpĂ€sse weiter verschĂ€rfen könnten. Gleichzeitig forderte er eine Liste von Medizinprodukten und In-vitro-Diagnostika auf Bundesebene fĂŒr priorisierte KapazitĂ€ten.

Auf EU-Ebene zielt der von der EuropĂ€ischen Kommission am 11.3.2025 vorgeschlagene Critical Medicines Act (CMA) auf eine langfristige Stabilisierung ab. Nach der vorlĂ€ufigen politischen Einigung von Rat und Parlament im Mai 2026 und der Ausschussbilligung im Juli 2026 ist die Plenarabstimmung fĂŒr Ende November 2026 vorgesehen.

Die Initiative, deren Unionsliste derzeit mehr als 200 Wirkstoffe umfasst, sieht strategische Projekte, Vergaben mit EU-Mindestanteilen bei hoher AbhÀngigkeit und vereinfachte gemeinsame Beschaffungsverfahren vor.

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