Polymarket-Hack: 2,94 Millionen Euro gestohlen, elf Konten geleert
26.06.2026 - 00:01:02 | boerse-global.de
Die Vorhersageplattform Polymarket zahlt betroffenen Nutzern nach einem Sicherheitsvorfall umgerechnet knapp drei Millionen Euro zurück. Ein Hackerangriff über einen manipulierten Drittanbieter-Code hatte die Kryptowährung von über elf Nutzern erbeutet.
Angriff über manipulierte Software-Bibliothek
Der Vorfall am 25. Juni 2026 war ein sogenannter Supply-Chain-Angriff: Angreifer schmuggelten schädlichen JavaScript-Code in die Polymarket-Website, indem sie eine Abhängigkeit von einem Drittanbieter kompromittierten. Die Sicherheitsfirma PeckShield und der unabhängige Analyst Specter identifizierten die Schwachstelle: Ziel der Attacke war PUSD, eine auf der Plattform genutzte Stablecoin.
Insgesamt wurden mehr als elf Nutzerkonten geleert. Der Schaden beläuft sich auf rund 2,94 Millionen Euro. Die gestohlenen Vermögenswerte wurden vom Polygon-Netzwerk auf Ethereum verschoben – die Täter wandelten die Beute in etwa 1.893 ETH um und bündelten sie auf einer einzigen Wallet-Adresse.
Polymarket-Sprecher Connor Brandi bestätigte, dass das Unternehmen den Vorfall eingedämmt und die betroffene Komponente entfernt habe. Die Plattform kontaktiert derzeit die Geschädigten, um die Verluste vollständig zu erstatten. Der Vorfall ist nicht der erste dieser Art: Bereits im Mai 2026 hatte ein Exploit eines internen Operations-Wallet-Schlüssels einen Verlust von umgerechnet rund 650.000 Euro verursacht.
Falsche Gewinne: Werbestrategie unter Beschuss
Der Sicherheitsvorfall ist nicht das einzige Problem für Polymarket. Eine Untersuchung des Wall Street Journal vom 24. Juni 2026 enthüllte fragwürdige Werbemethoden. Demnach bezahlte das Unternehmen Social-Media-Influencer für irreführende Videos, die erfundene Wettgewinne zeigten.
Immer mehr Unternehmen werden Opfer von gezielten Cyberangriffen durch manipulierte Software oder Datenlecks – diese Checkliste hilft Ihnen, es zu verhindern. Experten erklären im kostenlosen E-Book, wie Sie sich und Ihren Betrieb proaktiv absichern, bevor es zu spät ist. Kostenlosen Cyber-Security-Ratgeber herunterladen
Die Analyse von 1.105 seit Dezember 2025 produzierten Videos ergab: Rund 70 Prozent enthielten fiktive Wetten im Gesamtwert von etwa 1,9 Millionen Euro. Die Influencer erhielten zwischen 2.000 und 3.000 Euro monatlich und nutzten eine nachgebaute Website, um hohe Gewinne vorzutäuschen. Polymarket prüfte die Videos eigenen Angaben zufolge und gab sie frei. Als Reaktion kündigte die Plattform nun eine Überprüfung ihrer Werbestrategien an.
Juristische Probleme und Marktüberwachung
Auch rechtlich steht Polymarket unter Druck. Am 25. Juni 2026 nahmen Behörden Michele Spagnuolo fest, einen Sicherheitsingenieur bei Google. Ihm werden Warenbetrug, Überweisungsbetrug und Geldwäsche vorgeworfen. Spagnuolo soll vertrauliche Suchdaten genutzt haben, um auf Polymarket 1,2 Millionen Euro zu verdienen – unter anderem durch die korrekte Vorhersage der meistgesuchten Person des Jahres 2025.
Parallel dazu eskalieren die Auseinandersetzungen mit US-Regulierungsbehörden. Die Commodity Futures Trading Commission (CFTC) reichte am 23. Juni 2026 Klage gegen den Bundesstaat Kentucky ein. Ziel: Die Durchsetzung lokaler Glücksspielgesetze und einer Verbrauchssteuer auf Vorhersagemarkt-Gebühren verhindern. Hintergrund ist eine Klage des Generalstaatsanwalts von Kentucky vom 17. Juni, die Plattformen wie Polymarket als illegale Sportwettenanbieter einstuft.
Neue Technologien und strengere Gesetze sorgen für völlig neue Risiken: Was kommt in Sachen IT-Sicherheit und Recht wirklich auf Ihr Unternehmen zu? Dieser kostenlose Report klärt auf, welche rechtlichen Pflichten und Bedrohungen moderne Unternehmer jetzt kennen müssen. Gratis-Report zu Cyberbedrohungen und Gesetzen sichern
Trotz der Turbulenzen fließt weiter Geld in den Sektor. Polysights, eine KI-gestützte Überwachungsplattform zur Erkennung von Insiderhandel auf Polymarket, gab am 25. Juni 2026 den Abschluss einer Pre-Seed-Finanzierungsrunde über zwei Millionen Euro bekannt. Das Startup will Betrug und Marktmanipulation bekämpfen – nach mehreren Insiderhandelsfällen auf der Plattform in diesem Jahr ein dringendes Anliegen.
